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BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft EVG sieht bei der Sanierung von DB Cargo weitere Probleme. Laut EVG-Vize Cosima Ingenschay schlummern noch viele Altlasten im Konzern, weil man sich zu lange auf die DB-Cargo-AG konzentriert habe. Cargo schreibt in diesem Jahr weiter Verluste und gerät damit erneut in Konflikt mit der EU-Auflage, bis Ende 2026 wieder profitabel zu sein. Für November sind Verhandlungen über ein neues Sanierungskonzept mit der EU-Kommission angekündigt.

EVG kritisiert DB-Cargo-Sanierung: weitere Altlasten und neues Konzept nötig
EVG kritisiert DB-Cargo-Sanierung: weitere Altlasten und neues Konzept nötig (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Sanierung von DB Cargo gerät aus Sicht der Gewerkschaft weiter unter Druck: Die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) meldet zusätzliche Hürden an und verweist auf „viele Altlasten“ im Unternehmen. Cosima Ingenschay, stellvertretende EVG-Vorsitzende, ordnete die Lage in Berlin ein und machte vor allem einen Versäumnis-Effekt aus: Man habe sich zu lange auf die DB-Cargo-AG konzentriert, statt die Tochtergesellschaften konsequent einzubeziehen. Damit verschiebt sich der Blick weg von einzelnen Maßnahmen hin zu der Frage, wie durchgängig ein Sanierungskonzept über die gesamte Konzernstruktur hinweg wirkt.

Technisch und buchhalterisch wird der Konflikt besonders an den Verlustabschreibungen sichtbar, die im Rahmen eines zum Verkauf stehenden britischen Tochterunternehmens anfallen sollen. Cargo-Chef Bernhard Osburg hatte dafür im September einmalige Belastungen als Grund genannt. Solche Verlustabschreibungen sind in der Praxis typischerweise Bestandteile von Bewertungsprozessen, die das Ergebnis kurzfristig stark verzerren, auch wenn sie nicht zwingend unmittelbar die operative Leistung des laufenden Kerngeschäfts abbilden. Genau deshalb wird politisch und regulatorisch die Logik der Zielvorgaben entscheidend: Wenn die EU-Kommission bis Ende 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone fordert, dann zählt für die Kontrolle am Ende, wie sich die Ergebnislinie über die Zeit tatsächlich entwickelt.

Die aktuelle Lagebeschreibung lautet, dass Cargo in diesem Jahr weiter Verluste macht. Das verstärkt den bereits bekannten Zielkonflikt, denn der Konzern hatte sich laut Vorgabe der EU-Kommission darauf ausrichten müssen, ab 2026 operativ wieder in die Gewinnzone zu kommen. Da dieses Ziel verfehlt wird, muss DB Cargo ein neues Sanierungskonzept vorlegen. Diese Neuausrichtung ist nicht nur eine interne Managementaufgabe, sondern wird zum Gegenstand von Verhandlungen zwischen dem Bund und der EU-Kommission, die nach Angaben im Text im November beginnen sollen. Für die Beteiligten bedeutet das: Es geht weniger um die Frage „ob“ Maßnahmen existieren, sondern darum, ob sie in der vorgeschriebenen Form und mit nachvollziehbarer Wirkung durchsetzbar sind.

Auch innerhalb des Unternehmensumfelds wirkt die Skepsis deutlich. Ulrich Schmidt, der aus dem Gesamtbetriebsrat von DB Cargo kommt, äußerte in Berlin, er glaube nicht, dass man „Gnade“ von der EU-Kommission bekomme. In seiner Einschätzung seien das „knallharte Wettbewerbshüter“. Diese Formulierung passt in einen größeren Mechanismus: EU-beihilferechtliche Vorgaben verlangen in Sanierungsfällen meist eine überzeugende Abgrenzung zwischen notwendiger Umstrukturierung und unzulässiger Wettbewerbsverzerrung. Je weniger die Planung die Ergebnisziele rechtzeitig erreicht, desto stärker steigt der Druck auf die Begründung, warum die nächste Konzeptgeneration voraussichtlich belastbarere Kennzahlen liefert als die bisherige.

Hinzu kommt, dass Osburg das Sanierungskonzept zuvor als bislang zu stark auf Deutschland fokussiert beschrieben hat und eine Ausweitung auf das gesamte europäische Geschäft angekündigt wurde. Im Text ist von insgesamt 16 Auslandstöchtern die Rede, wodurch die Komplexität steigt: Nicht jede Tochtergesellschaft steht operativ unter denselben Rahmenbedingungen, nicht jede Kostenbasis lässt sich gleich schnell drehen, und auch der Zeitverlauf für Abschreibungen und Bewertungsfragen kann je Land variieren. Gerade bei grenzüberschreitenden Konzernstrukturen wird damit das Timing kritisch. Wenn das Konzept erst später konsequent auf alle Einheiten durchgreift, kann sich die Ergebniswirkung verschieben – und genau diese Verschiebung scheint nun die EU-Zielerfüllung zu unterlaufen.

Für den Markt ist das Ereignis vor allem ein Signal an zwei Fronten: erstens an die Bahn-Logistik selbst, die in Europa weiterhin stark um Margen, Fahrplangestaltung und Auslastung konkurriert; zweitens an die Finanzierungsidee von Sanierungen, bei der einmalige Sondereffekte nicht beliebig als „Ausreißer“ abgetan werden dürfen. Wenn die schwarze Null erst bei Wegfall bestimmter Abschreibungen erreichbar gewesen wäre, wie Osburg es für den Fall ohne die Belastung aus der englischen Tochter andeutet, verschiebt sich die Diskussion auf die Frage, wie realistisch die Zielerreichung unter normalen Bewertungsannahmen ist. Für Unternehmen bedeutet das: Sanierungsfahrpläne müssen regulatorische Prüfung als festen Bestandteil ihres KPI-Designs begreifen, nicht als nachgelagerte Kommunikation.

Im nächsten Schritt steht damit im November nicht nur eine Gesprächsrunde, sondern die Erwartung, dass DB Cargo die nächste Version des Sanierungskonzepts so aufsetzt, dass Bund und EU-Kommission sie als tragfähig akzeptieren. Für die Umsetzung spricht, dass die EVG ausdrücklich auf Altlasten und auf eine breitere Einbeziehung der Töchter verweist – beides sind Anknüpfungspunkte, die in einem neuen Konzept adressiert werden können. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit hoch, weil die eigentliche Hürde weniger in einzelnen Maßnahmen liegt als in der Nachweisführung: Wie stabilisiert sich das Ergebnis nachhaltig, sobald Abschreibungsthemen entweder abklingen oder ersetzt werden, und wie schnell zieht die operative Restrukturierung in allen 16 Auslandseinheiten Wirkung?

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