KÖLN – LANXESS schaut nach einem operativ stärkeren dritten Quartal etwas zuversichtlicher auf 2026. Der Konzernchef Matthias Zachert nennt für das bereinigte EBITDA ein Ziel am oberen Ende der bisherigen Spanne. Gleichzeitig bleibt Zachert vorsichtig: Eine breite und nachhaltige Nachfrageerholung sieht er in mehreren Kernmärkten noch nicht. Besonders Agrochemie, Auto und Bauindustrie stehen demnach weiterhin unter Druck.

Der Chemiekonzern LANXESS hat seine Jahresplanung für 2026 nach dem dritten Quartal leicht nach oben justiert, obwohl die Nachfrage in wichtigen Abnehmerindustrien noch nicht das gewünschte Tempo erreicht. Nachdem das Unternehmen im MDax bereits im Laufe des Jahres zu positiven Signalen aus dem operativen Geschäft gefunden hatte, erwartet Konzernchef Matthias Zachert nun für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ein Resultat am oberen Ende der unveränderten Spanne von 450 bis 550 Millionen Euro.
In den drei Monaten bis Ende September steigerte LANXESS das operative Ergebnis im Jahresvergleich um gut 11 Prozent auf 139 Millionen Euro. Unterm Strich bleibt die Lage jedoch ambivalent: Wegen hoher Abschreibungen verbuchte der Konzern im dritten Quartal erneut einen Verlust, der sich auf 70 Millionen Euro belief, nach einem Minus von 77 Millionen Euro im Vorjahr. Diese Kombination aus besserem operativem Ergebnis und weiterhin deutlichen Ergebniseffekten durch Abschreibungen zeigt, wie stark die Ergebnisrechnung bei Chemie- und Materialwerten von Bilanzpositionen beeinflusst wird, selbst wenn das operative Geschäft stabiler läuft.
Auf der Absatz- und Marktseite begründet LANXESS die vorsichtige Haltung mit einer ungleich verteilten Erholung innerhalb Europas. Laut Unternehmensangaben profitieren viele europäische Anbieter derzeit zwar von höheren Verkaufspreisen, weil die Konkurrenz aus Asien stärker unter den Folgen des Iran-Kriegs leidet. Der Konzern macht daraus aber keine Vorwärtsgewissheit: Von einer breiten und nachhaltigen Nachfrageerholung seien viele Kernmärkte noch entfernt. Besonders nennt LANXESS dabei Agrochemie, Auto und Bauindustrie – also Branchen, die typischerweise stark mit dem Konjunkturzyklus und mit Investitionsentscheidungen im Anlagen- und Werkstattumfeld gekoppelt sind.
Finanziell untermauert LANXESS die operativen Fortschritte durch ein Umsatzwachstum von fast 10 Prozent auf rund 1,47 Milliarden Euro im dritten Quartal. Damit folgt der Konzern dem Muster vieler Industrieunternehmen in zyklischen Märkten: Erst wenn Preis- und Mengenmix sich verbessern, kann die Ergebniswirkung durch Kostendisziplin sichtbar werden. Gleichzeitig betont Zachert, dass die Anstrengungen zur Kostensenkung sich auszahlen und die Ergebnisentwicklung stützen. Das ist strategisch bedeutsam, weil es die operative Resilienz auch dann erhöhen kann, wenn sich die Nachfrage in einzelnen Kundensegmenten verzögert.
Für die Bewertung am Kapitalmarkt ist entscheidend, wie nachhaltig diese Kombination aus Umsatzimpuls, Kostenhebel und bilanzseitigen Abschreibungseffekten über die nächsten Quartale hinweg bleibt. Der angehobene Blick auf das obere Ende der EBITDA-Spanne deutet auf ein besseres Ergebnisprofil hin, ohne jedoch eine durchgreifende Entspannung der Nachfrageentwicklung zu behaupten. Anleger und Analysten dürften deshalb genau darauf achten, ob sich die im Jahresausblick genannte Ergebnisrange vor allem über einen verbesserten operativen Marchedruck erklärt oder ob sich Abschreibungen und andere Sondereffekte weiter als Belastungsfaktor durchsetzen.
Auch branchenpolitisch ist die Botschaft klar: In einem Umfeld, in dem geopolitische Verwerfungen kurzfristig Preissignale verzerren können, wird die echte Erholung erst dann greifbar, wenn die Nachfrage in den eigenen Kernmärkten zurückkommt. Für Unternehmen in der Chemie- und Werkstoffindustrie bedeutet das: Preisvorteile durch Angebotsengpässe sind nicht automatisch gleichbedeutend mit planbaren Absatzmengen. Entsprechend dürften LANXESS und vergleichbare Hersteller ihre Produktions- und Kostenstrukturen weiter eng mit der erwarteten Nachfrage koppeln, während sie zugleich beobachten, ob sich Auto-, Bau- und Agrochemie-Nachfrage nicht nur stabilisiert, sondern tatsächlich nachhaltig anzieht.
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