DORTMUND / LONDON (IT BOLTWISE) – Konstantinos Karetsas hat beim Champions-League-Heimsieg des BVB gegen Betis Sevilla eine Premiere erlebt, die man so selten im Profi-Fußball sieht. Der 18-Jährige wollte sich nach einer Oberschenkelverletzung von Serhou Guirassy eigentlich sofort einwechseln lassen – war aber offenbar nicht zur Stelle, weil er zu diesem Zeitpunkt auf der Toilette war. Am Ende traf Karetsas in der 72. Minute zum 2:1 und prägte das Spiel mit dribbelnder Ballkontrolle auf engem Raum. Der BVB sicherte sich damit den dritten Ligaphasen-Sieg und bleibt in Reichweite der ersten acht Plätze.

Wenn eine Geschichte im Stadion beginnt, obwohl sie im Grunde aus einem ganz banalen Moment entsteht, sagt das viel über die Eigenheiten des Spitzensports aus. Beim BVB wirkte Konstantinos Karetsas nach dem 2:1 gegen Betis Sevilla im Champions-League-Heimspiel nicht nur wie ein Torschütze, sondern wie jemand, der gerade erst begreift, wie schnell sich in diesem Wettbewerb Chancen in Wirkung übersetzen lassen. Der 18-Jährige wirkte direkt nach dem Schlusspfiff sichtbar erleichtert und zugleich dankbar; entscheidend war aber vor allem, dass sein Auftritt nicht auf eine einzige Aktion reduziert werden konnte.
Im Zentrum der kuriosen Premiere stand die Wechsel-Situation kurz vor der 20. Minute: Nachdem Serhou Guirassy in der ersten Halbzeit mit einer Oberschenkelverletzung ausfiel, sollte Karetsas eigentlich früher als geplant ins Spiel kommen. Doch zu dem Zeitpunkt, als der Wechsel vorbereitet wurde, war Karetsas nicht auf dem Platz, sondern – wie Niko Kovac später erzählte – auf der Toilette. Diese Details wirken im ersten Moment wie eine Anekdote, sind für das Spielgeschehen jedoch ziemlich aussagekräftig, weil sie zeigen, wie eng getaktet die Abläufe in der Champions League wirklich sind. Kovac beschrieb sinngemäß, dass Karetsas Glück hatte, rechtzeitig einzutreffen, damit die sportliche Entscheidung nicht ins Leere lief.
Technisch und spielerisch hatte Karetsas dann trotzdem schnell die Kontrolle über die unmittelbare Spielsituation zurückerobert. Er ist als dribbelstarker Offensivspieler beschrieben worden, und gegen Betis äußerte sich das vor allem in seinem schnellen Richtungswechsel und der engen Ballführung mit dem linken Fuß. Entscheidend war dabei weniger die “große” Dribbling-Sequenz als die Fähigkeit, in kleinen Räumen die nächste Bewegung vorzubereiten: Sobald er zwischen Gegenspieler und Raum andocken konnte, entstand für die Defensive von Betis wieder dieses typische Problem, das Trainer lieben und Gegner fürchten – das Zeitfenster wird schmal, die Entscheidung muss aber trotzdem sofort fallen. Karetsas selbst ordnete das als Teil seines Selbstverständnisses ein: Er habe einfach versucht, sein Spiel zu machen, und “genossen”, dass Betis ihm viel Raum ließ.
Im Ergebnis zeigte sich dann, dass der Wechsel nicht nur “funktionierte”, sondern auch in einen klaren Momentum-Impuls mündete. Karetsas setzte in der 72. Minute mit dem Tor zum 2:1 einen Punkt, der die Partie sportlich und emotional kippte. In Dortmund ist solche Wirkung gerade im europäischen Wettbewerb wichtig, weil Spiele dort oft über Phasen laufen, in denen einzelne Spieler nicht unbedingt dominieren, aber immer wieder entscheiden können, ob sich das eigene Team ein Stück näher an die Kontrolle heranschiebt. Dass Karetsas nicht sofort den Heldenmodus suchte, sondern Fabio Silva als Spieler des Spiels hervorhob – mit Tor und Assist – ist auch deshalb bemerkenswert, weil es zeigt, wie die Energie nach dem Erfolg im Team verteilt werden sollte. In einem Kader mit vielen Ansätzen kann genau diese Mentalität helfen, die Spannung nach vorne zu halten, ohne sich intern überrollen zu lassen.
Das Lob kam aber nicht nur aus dem Spielerumfeld, sondern auch von den Verantwortlichen. Sportdirektor Ole Book verknüpfte die Entwicklung von Karetsas direkt mit dem Eindruck, den man schon früh im Spiel gesehen habe: Spielfreude, Frische und die Wahrnehmung, dass der junge Offensivakteur “so helfen kann, wie er ist”. Das passt zur sportlichen Rolle, die Karetsas in der Dortmunder Offensive einnimmt: Er liefert nicht nur individuelle Aktionen, sondern auch eine Art Rhythmuswechsel. Gerade nach einem wechselhaften Start, wie Kovac ihn in Bezug auf die ersten Monate beschrieben hat, ist dieser Punkt zentral. Kovac verwies darauf, dass Karetsas immer wieder aufblitzen ließ, welche Fähigkeiten er besitzt, und zugleich nennt er die Gründe, warum es nicht durchgehend glatt lief.
Diese Einordnung ist insofern wichtig, als sie Karetsas’ Performance in einen realistischen Kontext setzt. In Dortmund hat er nach drei Monaten einen wechselhaften Weg: In elf Einsätzen zeigte er Phasen, in denen seine Technik und sein Spielverständnis klar sichtbar wurden. Gleichzeitig gab es Rückschläge, etwa den erwähnten “Zusammenbruch” gegen Villarreal (3:2) im September sowie eine Sprunggelenksverletzung. Bei so einem Verlauf ist es für Trainer und Verantwortliche nicht nur die Frage, ob ein Talent trifft, sondern ob es die Trainings- und Belastungsschwankungen übersteht und wieder in den Spielrhythmus findet. Genau darauf zielt Kovacs Aussage, er sei froh, dass Karetsas nach einer schwierigen Zeit so gut ins Spiel gefunden habe. Das ist am Ende ein Qualitätsmarker für die sportliche Stabilität eines jungen Spielers: Er bleibt lernfähig, auch wenn die Konditions- und Gesundheitskurve nicht linear verläuft.
Neben dem Offensivimpuls war die sportliche Einordnung für den BVB fast noch gewichtiger: Der Heimsieg war der dritte Erfolg in der Ligaphase, und dadurch hielt Dortmund den Kontakt zu den ersten acht Rängen. Diese Positionierung ist mehr als eine Zahl im Tabellenbild, weil sie sich auf die Art auswirkt, wie man die nächsten Spiele plant: Man kann zwischen Risiko und Stabilität besser abwägen, weil man nicht jeden Punkt wie eine Notbremse verteilen muss. Genau deshalb sind die nächsten Gegner so bedeutsam, die Kovac laut Berichterzählung als “schwere Partien” umrissen wurden: FC Arsenal, Inter Mailand und Aston Villa. Die drei Punkte gegen die bis dahin makellosen Andalusier könnten dabei besonders wertvoll sein, weil sie als “Staffelpunkt” wirken – also als Punkte, die in der späteren Endabrechnung bei enger Konkurrenz den Unterschied machen können.
Bevor sich der Blick auf das nächste Champions-League-Spiel beim FC Arsenal Ende November richtet, bekommt der BVB jedoch eine kurze Verschnaufpause: die Länderspielpause. Diese Pause ist für die Belastungssteuerung entscheidend, vor allem nach neun Pflichtspielen in weniger als einem Monat, wie im Umfeld beschrieben wird. Für einige Spieler bedeutet das freilich nicht automatisch Ruhe, denn viele fahren direkt mit ihren Nationalmannschaften weiter. Trotzdem bleibt die strukturelle Entlastung bestehen: Der Trainerstab kann die Regeneration planen, die medizinische Abteilung hat Zeitfenster für Check-ups, und taktische Varianten können in Ruhe nachgeschärft werden. Das erste wichtige Heimspiel danach kommt sofort am Samstag zum Abschluss der XXL-Wochen gegen SV Elversberg in der Bundesliga.
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