FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Metzler Private Banking sieht den Anleihenmarkt auch 2027 im direkten Wettbewerb mit den Aktienbörsen. Ausschlaggebend sei ein Kapitalwettstreit zwischen teils hoch verschuldeten Staaten und schnell expandierenden Technologieunternehmen. Zusätzlich steuert die Geldpolitik über zurückgehende Anleihekäufe und die geldpolitische Straffung auf eine anhaltend renditestarke Lage für festverzinsliche Wertpapiere. Für KI-Investments bleibt der Fokus laut Bankstrategie vor allem auf der Frage, wie lange Kursschwünge durch KI-Investmentwellen tragfähig sind.

Der Anleihenmarkt dürfte nach Einschätzung von Metzler Private Banking auch im kommenden Jahr spürbar gegen die Aktienbörsen konkurrieren. Hintergrund ist aus Sicht der Bank ein regelrechter Kampf ums Kapital: Während Staaten angesichts weiterhin hoher Finanzierungsbedarfe Emissionen platzieren müssen, treiben Technologieunternehmen den Kapitalhunger für Wachstum und KI-Entwicklung. Für Anleger entsteht dadurch ein Umfeld, in dem sich festverzinsliche Wertpapiere nicht automatisch „aus der Mode“ verabschieden, sondern ihre Rolle als Rendite- und Strukturbaustein behalten.
Die Renditechance speist sich dabei auch aus der Geldpolitik. Metzler verweist darauf, dass die Notenbanken als große Käufer in den Jahren zuvor deutlich zurückgefahren sind. Sobald die Nachfrage nach Anleihen sinkt, fällt typischerweise der Kurs der bestehenden Anleihen; im Gegenzug steigen die Renditen, weil Käufer nun höhere laufende Erträge verlangen, um das gleiche Zinsrisiko zu übernehmen. Genau dieses Zusammenspiel bildet die technische Grundlage für den Renditeanstieg, den die Bank bereits zu Beginn der 2020er-Jahre beobachtet hat und der sich bei langfristigen Staatsanleihen aus ihrer Sicht fortsetzen könnte.
Entscheidend ist für die Attraktivität der Anleihen laut Michael Mayer, Leiter Strategie & Research, jedoch nicht nur die nominale Verzinsung, sondern die real erwartete Rendite nach Inflationserwartungen. Wenn Anleger unter Berücksichtigung der Inflation noch positive Erträge erwarten und auch verlangen können, bleibt der Anreiz hoch, statt die Mittel komplett in Aktien umzuschichten. In den USA sieht die Bank besonders günstige Bedingungen, weil die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen die Gewinnrendite des Aktienmarktes übersteigen soll; daraus folgt zunächst weniger eine generelle Abkehr von Aktien, sondern eine stärkere Konkurrenz im Bewertungs- und Renditevergleich.
Gleichzeitig betont Metzler, dass diese Entwicklung nicht automatisch gegen den Aktienmarkt spricht. Die Gewinndynamik der US-Unternehmen bleibe ungebrochen, weshalb auch die Bewertungen an der Börse weiter stützen können, dass Aktien nicht nur über die Dividendenrendite funktionieren, sondern über Wachstumserwartungen und Ertragskraft. In Europa ordnet die Bank das Bild sogar noch positiver ein, weil dort die Risikoprämie als Differenz zwischen Gewinnrendite der Aktien und Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen positiv ausfällt. Für Portfoliomanager heißt das: Es geht weniger um ein Entweder-oder zwischen Aktien und Anleihen, sondern um das Austarieren von Renditepotenzial, Risiko und Zinsabhängigkeit im jeweiligen Marktsegment.
Mit Blick auf KI verlagert Metzler den Schwerpunkt von der reinen „Technologie-Fantasie“ hin zur Ertragsrealität. Der hohe Finanzierungsbedarf von Technologieunternehmen, insbesondere für Angebote rund um Künstliche Intelligenz (KI), kann Aktienanlegern ein Risiko liefern, wenn sich die Bewertung stärker von der fundamentalen Umsetzung abkoppelt. Die Bank formuliert das sinngemäß als zentrale Anlegerfrage: Wie lange kann die Begeisterung für KI die Kurse nach oben treiben, wenn Renditen und Investitionszyklen gleichzeitig die Kalkulationen der Märkte beeinflussen? Gerade hier wird die Abgrenzung wichtig, weil die Bewertungseffekte in Wachstumssektoren oft schneller drehen als die Geschäftsmodelle selbst.
Metzler rät außerdem zur nüchternen Betrachtung typischer Marktmechaniken in Innovationsphasen. Anleger, die stark auf Profiteure des KI-Booms setzen – etwa Chiphersteller oder Betreiber großer Cloud- und Dateninfrastrukturen – sollten laut Bank mitdenken, dass Pioniere neuer Technologien an der Börse selten automatisch zu den langfristigen Gewinnern zählen. Gründe sieht die Bank in den hohen Investitionen, die die Profitabilität drücken können, sowie in hartem Wettbewerb unter den Vorreitern, der Verkaufspreise und damit auch Gewinne reduzieren kann. Für die kommenden Jahre richtet sich der Blick daher weniger pauschal auf KI-Anbieter als stärker auf Unternehmen, denen die Integration von KI in ihre Geschäftsmodelle besonders gut gelingt.
Praktisch leiten die Fachleute daraus ab, dass Aktienportfolios breit gestreut werden sollten und einseitige Wetten auf KI-Bausteine vermieden werden. Frank Endres, Leiter Portfoliomanagement, stellt dabei klar: Risikostreuung bedeutet mehr als die bloße Verteilung auf möglichst viele Einzeltitel. Entscheidend seien unterschiedliche Faktoren wie Regionen, Branchen, Geschäftsmodelle und Anlagestile. In einem Umfeld, in dem Anleihen wieder stärker als Rendite-Alternative wahrgenommen werden und KI-Bewertungen gleichzeitig einem Bewertungs- und Zinsdruck unterliegen können, wird genau diese mehrdimensionale Streuung zum zentralen Hebel für ein robustes Portfolio.
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