LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Kommission startet eine öffentliche Online-Konsultation zur Überprüfung der AFIR-Verordnung. Ziel ist, Erfahrungen mit bisherigen Vorgaben auszuwerten und die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur weiter zu schärfen. Für neu installierte stationäre Ladepunkte im Modus 3 gilt ab dem 1. Januar 2027 ein verpflichtender Kommunikationsstandard: ISO 15118-20:2022. Mobile Wallboxen im Modus 2 fallen dabei ausdrücklich nicht unter die Neuregelung.

Die AFIR-Verordnung bekommt im Vorfeld des nächsten Umsetzungs-Schritts spürbaren Feinschliff: Die Europäische Kommission lässt eine öffentliche Online-Konsultation zur Überprüfung der AFIR-Vorgaben laufen. Interessenträger und Branchenvertreter konnten sich bis zum 3. August 2026 beteiligen, wie die Zusammenfassung der Konsultation zeigt. Inhaltlich steht dabei nicht nur die reine Fortschreibung im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie die bisherigen europäischen Vorgaben in der Praxis funktionieren und welche Anpassungen der wachsende Markt für Elektromobilität nach sich zieht.
Für Betreiber und Hersteller ist der Zeitplan besonders relevant, weil er direkt in die technischen Spezifikationen der Infrastruktur hineinwirkt. Laut den im Rahmen der Überprüfung adressierten Stichtagen müssen neu installierte stationäre Ladestationen des Modus 3 ab dem 1. Januar 2027 die verbindlichen AFIR-Vorgaben erfüllen. Gleichzeitig wird klar abgegrenzt: Mobile Wallboxen des Modus 2 sind von dieser Neuregelung ausgenommen. Genau diese Unterscheidung dürfte in der Praxis darüber entscheiden, welche Produkte im eigenen Portfolio umgestellt werden müssen und welche Geräte vom regulatorischen Druck zunächst nicht betroffen sind.
Im technischen Kern geht es um die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeeinrichtung. Für den Modus 3 schreibt die Neufassung die Implementierung des Kommunikationsstandards ISO 15118-20:2022 vor. ISO 15118 ist in der Elektromobilität vor allem deshalb zentral, weil es eine standardisierte Schnittstelle definiert, über die Fahrzeuge und Ladepunkte Informationen austauschen können, statt dass proprietäre Insellösungen die Interoperabilität bremsen. Mit ISO 15118-20:2022 wird damit ein erwartbarer Baustein gesetzt, um Ladevorgänge künftig effizienter zu orchestrieren und sie besser auf unterschiedliche Rahmenbedingungen zu spiegeln.
Für Ladeinfrastrukturhersteller bedeutet die Frist zum Jahresbeginn 2027 einen konkreten Umbau an Produktlinien und Softwarearchitekturen. Um die Konformität mit ISO 15118-20:2022 sicherzustellen, reichen rein organisatorische Maßnahmen nicht aus: Hardwareseitig werden passende Schnittstellenbausteine erwartet, darunter Powerline-Communication-Module (PLC). Diese Module müssen durch angepasste Steuerungssoftware ergänzt werden, damit die Ladeeinrichtung die vorgesehenen Kommunikationsfunktionen auch tatsächlich verlässlich bereitstellt. Besonders in bestehender Produktfertigung wird das zum Thema, weil Variantenmanagement, Testumfang und Zertifizierungsprozesse typischerweise eng an den technischen Komponenten und deren Software-Integration gekoppelt sind.
Parallel verschiebt sich mit der Digitalisierung der Ladeinfrastruktur auch der Blick auf den Betrieb. Die Quelle verweist auf neue Haftungsfragen im Umgang mit Betriebsmitteln und privaten Geräten am Arbeitsplatz. Auch wenn die Details in dieser Meldung allgemein bleiben, ist die Richtung klar: Sobald Infrastrukturbetreiber stärker in digitale Betriebsabläufe eingebunden sind und Nutzergeräte im Kontext von Laden und Authentifizierung eine Rolle spielen können, steigt die Relevanz klarer Unterweisungen und belastbarer Betriebsprozesse. Für Unternehmen heißt das in der Regel, Sicherheitsunterweisungen organisatorisch sauber vorzubereiten und so zu dokumentieren, dass sie zum jeweiligen Setting passen.
Marktseitig zielt die AFIR-Überprüfung auf Standardisierung und Netzintegration im europäischen Binnenmarkt. Vereinheitliche Kommunikationsschnittstellen sollen Interoperabilität zwischen Ladeinfrastruktur und Fahrzeugen über Ländergrenzen hinweg fördern und die Voraussetzungen für intelligentes Laden schaffen. Durch standardisierte Kommunikation können Ladevorgänge künftig besser gesteuert und stärker auf lokale Anforderungen der Stromnetze abgestimmt werden. Gleichzeitig entsteht ein klarer Anreiz, Produktreihen konsequent zu modernisieren: Modellreihen, die den neuen Standard nicht unterstützen, dürfen ab dem Stichtag im Jahr 2027 nicht mehr als stationäre Neuanlagen installiert werden. Bereits zuvor errichtete Ladepunkte bleiben hiervon laut Angaben jedoch unberührt und genießen Bestandsschutz.
Für Entscheider in Unternehmen wirkt das insgesamt wie ein doppelter Signalton. Einerseits geht es um die technische Anschlussfähigkeit über ISO 15118-20:2022 im Modus 3. Andererseits entsteht Planungsdruck in Beschaffung, Rollout und Softwarepflege, weil ein Teil der Hardware- und Steuerungslogik ohnehin vor 2027 so angepasst werden muss, dass Zertifizierungen realistisch durchlaufen. Wer jetzt die eigenen Anlagenkataloge, die Roadmaps für Softwareaktualisierungen und die Auswirkungen auf kompatible Modellreihen prüft, kann später die Umstellung auf die AFIR-konformen Neuanforderungen deutlich strukturierter angehen.
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