LONDON (IT BOLTWISE) – Mark Moss geht davon aus, dass Bitcoins Abverkaufsphase bereits abgeschlossen ist und der Markt für eine Erholung bereit sein könnte. Als Indiz nennt er Käufe institutioneller Akteure in Höhe von über 3 Milliarden US-Dollar binnen 7 bis 8 Monaten sowie das deutlich geringere Angebot aus Wallets mit weniger als 10 BTC. Gleichzeitig verweist er auf die ungewöhnliche Ruhe der Kurse trotz negativer Schlagzeilen wie Coldcard- und Ledger-Vorfällen sowie eines großen Binance-Breach. Historisch ordnet Moss die aktuelle Lage zudem in einen Midterm-Zyklus ein und verbindet sie mit der Annahme, dass KI-Kapital perspektivisch wieder in Bitcoin fließt.

Die Debatte um den Bitcoin-Boden wird derzeit von einer ungewöhnlichen Kombination aus On-Chain-Indikatoren und makrohistorischen Mustern geprägt. Mark Moss argumentiert, dass die Verkäuferseite bereits „erschöpft“ sei: Die Marktstruktur deute darauf hin, dass sich der Druck durch Verkäufe so weit reduziert habe, dass eine Gegenbewegung wahrscheinlicher werde. Besonders auffällig ist dabei seine Gleichzeitigkeit aus bullischem Timing-Argument und der provokanten Grundthese, dass „Crypto tot“ sei – eine Aussage, die er seit der Zeit vor dem FTX-Zusammenbruch wiederholt und mit Kapitalabflüssen aus dem Token-Ökosystem begründet.
Technisch bzw. datengetrieben stützt sich Moss auf ein Muster, das er als Signal für Kapitulation schwacher Hände interpretiert. Er verweist auf institutionelle Käufe in Höhe von über 3 Milliarden US-Dollar in den vergangenen 7 bis 8 Monaten. Parallel dazu führt er einen Kontrast an: Wallets, die weniger als 10 BTC halten, hätten im selben Zeitraum rund 5.000 Coins verkauft. In seinem Framing bedeutet das nicht nur, dass weniger Liquidität zum Abverkauf verfügbar ist, sondern auch, dass die nachlassende Verkaufsdynamik mit einer generellen Stimmungswende zusammenfällt. Ergänzend ordnet er die Kursreaktionen ein: Trotz mehrerer negativ berichteter Sicherheitsvorfälle habe Bitcoin vergleichsweise „gemutet“ reagiert, was er als Hinweis liest, dass sich die Wahrnehmung des Marktes bereits stärker in Richtung Stabilisierung verschoben habe.
Für die Einordnung ist wichtig, dass Moss damit eine typische Marktlogik aufgreift: Wenn wiederholt schlechte Nachrichten auftreten, der Preis aber nicht weiter fällt, spricht das in vielen Trading-Ansätzen eher für strukturelle Absorption von Angebot als für kurzfristige Zufallseffekte. Konkret nennt er die Coldcard-Umstände, einen Ledger-Zwischenfall sowie ein Breach im Umfeld von Binance als Teile jener „drei großen schlechten Nachrichten“, auf die er sein Argument stützt. Aus Anlegersicht verschiebt sich damit der Fokus vom reinen Newsflow hin zu der Frage, ob die Marktmechanik tatsächlich weiter nach unten „zieht“ oder ob Käuferinteresse die Abwärtsbewegung bereits abfedert. Gerade für Unternehmen, die Krypto-Exponierung als Risiko- und Chancenportfolio behandeln, ist diese Differenzierung zentral: Es geht dann weniger um die Schlagzeile, sondern um die Geschwindigkeit, mit der Liquidität und Nachfrage nach belastenden Ereignissen neu austariert werden.
Spannend wird es, wenn Moss die kurzfristige Argumentation mit einer zyklischen Betrachtung verbindet. Er berichtet, er habe 19 US-amerikanische Midterm-Jahre seit 1950 untersucht und festgestellt, dass der S&P 500 drei, sechs und zwölf Monate nach dem jeweiligen Midterm in jedem Fall im Plus lag. Dabei nennt er eine durchschnittliche Rendite von 15% über den letzten betrachteten Zeitraum. Überträgt er dieses Schema auf Bitcoin und die verfügbaren Zyklusdaten seit 2014, so erwartet er in den 12 Monaten nach einem Midterm im Schnitt 53% Plus – bei einer Spanne von 23% bis 97%. Solche Analogien sind keine Garantie, aber sie liefern einen Rahmen dafür, warum Anleger Timing-Fragen stärker mit makroökonomischen Ereignissen verknüpfen und nicht nur mit technischen Preisniveaus.
Seine zweite große Säule ist die These einer Phasenverschiebung in der Technologie-Adoption. Moss beschreibt Bitcoin als „chasm“-ähnliche Phase: also eine Lücke zwischen frühen Überzeugten und der breiteren frühen Mehrheit. In seiner Darstellung schließen institutionelle Käufer diese Lücke aktiv – namentlich nennt er BlackRock und JPMorgan. Besonders konkret wird es bei der Portfolio-Empfehlung: Er beruft sich auf Forschung von River, wonach große Finanzberater Bitcoin-Allokationen zwischen 2% und 5% in den Kundenportfolios empfehlen. Für Marktteilnehmer ist das ein Hinweis darauf, dass Bitcoin zunehmend nicht mehr als reines Spekulationsasset, sondern als Bestandteil eines strategischen Risiko-/Return-Profils diskutiert wird – mit potenziell stabilisierender Wirkung auf die Nachfrage, wenn sich solche Zielkorridore in der Praxis durchsetzen.
Parallel dazu wiederholt Moss seine 2022 formulierte Sicht: „Crypto ist tot“ – ausgelöst durch die Neuallokation von Risikokapital. Nach seinem Argument habe das zuvor in Krypto-Token geflossene Venture-Kapital nach dem Regulierungsschock im Umfeld der SEC-Abstrafung und nach dem FTX-Kollaps stärker in KI umgelenkt. Dabei ordnet er auch die Umbenennung bzw. Repositionierung von Firmen wie a16z ein, die aus seiner Sicht heute eher als KI-Investoren wahrgenommen würden. Ergänzend sagt Moss, er sei selbst nicht investiert in SpaceX, Anthropic oder OpenAI, weil er die Modelle als schwer profitabel einschätzt. Gleichzeitig erwartet er, dass ein möglicher KI-Blasenabbau Kapital perspektivisch zurück in Richtung Bitcoin umlenken könnte – nicht zwingend in Richtung der gesamten Altcoin-Landschaft. Als frühes Indiz nennt er, Stanley Druckenmiller habe in seinem Family-Office im letzten Quartal KI-Semiconductor-Positionen abgedreht und stattdessen in Bitcoin-Miner investiert. Für die Praxis heißt das: Wer institutionelle Rotationsmuster beobachtet, muss nicht nur Preischarts verfolgen, sondern auch die Kapitalströme zwischen Tech-Subsektoren analysieren.
Auch für die Unternehmensseite ist die Mischung aus On-Chain-Signalen, Adoptions-Theorie und Kapitalrotation relevant. Denn selbst wenn man Moss’ Prozentwerte nicht als Erwartung fest einplant, beschreiben seine Aussagen ein plausibles Szenario: Angebot verengt sich, institutionelle Nachfrage bleibt strukturell präsent, und strategische Portfolio-Logik gewinnt an Gewicht. Gleichzeitig zeigt die KI-Komponente, wie stark sich Investor-„Attention“ verschiebt: Wenn KI-Investitionen im Hype-Zyklus dominieren, können Korrekturen Kapital wieder freisetzen. Ob das im Ergebnis mehr Käuferunterstützung für Bitcoin liefert oder vor allem kurzfristige Volatilität erzeugt, hängt allerdings davon ab, wie nachhaltig die institutionellen Allokationen tatsächlich werden und wie stark Regulierungs- oder Marktmechaniken den Handel beeinflussen. Klar ist nur: Der Diskurs verknüpft inzwischen nicht mehr nur Bitcoin mit Krypto, sondern Bitcoin mit dem breiteren Tech- und Kapitalmarktzyklus.
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