FREIBURG / HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Kurzstudie des Öko-Instituts warnt, dass der KI-getriebene Ausbau von Rechenzentren die Wasserversorgung in Deutschland spürbar belasten könnte. Für 2025 nennt die Auswertung einen Bedarf zur Kühlung von rund 13 Milliarden Litern Wasser. Bis 2030 könnten zusätzliche Mega-Standorte den Bedarf laut Projektion auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr erhöhen. Greenpeace kritisiert außerdem eine mangelhafte Datenlieferung aus der Branche und fordert strengere Vorgaben vor Genehmigungen.

Der KI-Boom wirkt sich nicht nur auf Stromnetze aus, sondern rückt jetzt auch die Wasserfrage in den Fokus. Eine Kurzstudie des Öko-Instituts, beauftragt von Greenpeace, ordnet den Wasserverbrauch deutscher Rechenzentren zur Kühlung neu ein und kommt für das Jahr 2025 auf einen Wert von rund 13 Milliarden Litern. Der Hintergrund ist dabei weniger die Rechenleistung an sich, sondern die Art der thermischen Abführung: Serverfarmen brauchen kontinuierlich Kühlleistung, und je nach Systemprinzip fließt Wasser in den Prozess oder wird vollständig vermieden. Gerade bei der Planung großer Standorte kann das schon in der frühen Phase der Standortwahl und Auslegung zu einem Engpass werden.
Die Studie skizziert zugleich, wie schnell sich dieser Bedarf mit neuen Projekten vervielfachen könnte. Bis 2030 soll der jährliche Wasserbedarf durch zusätzliche Mega-Rechenzentren auf bis zu 27 Milliarden Liter anwachsen können. In der Argumentation wird das Volumen bewusst greifbar gemacht: Der Anstieg entspreche dem Trinkwasserverbrauch einer Großstadt mit etwa 580.000 Einwohnern. Neben der Makroperspektive nennt die Untersuchung auch eine Auslegungsgröße für konkrete Großprojekte: Für ein einzelnes 100-Megawatt-Rechenzentrum veranschlagen die Experten je nach Kühlsystem 200 bis 930 Millionen Liter Wasser pro Jahr. Damit wird deutlich, warum sich die Diskussion in Regionen mit knappen Wasserressourcen verschärfen kann.
Damit gerät eine bisher weit verbreitete Darstellung in Widerspruch: Der Branchenverband Bitkom hatte den Wasserbedarf in der Digitalwirtschaft als weitgehend unproblematisch eingestuft. Im Kern beruht diese Sicht auf Effizienzkriterien, etwa darauf, dass ein großer Teil der Anlagen maximal 0,1 Liter Wasser pro Kilowattstunde IT-Stromverbrauch verbrauche und relevante Verbräuche im Wesentlichen auf Verdunstungskühlung zurückzuführen seien. Das Öko-Institut kommt dagegen nach eigener Bereinigung fehlerhafter Datensätze aus dem behördlichen Rechenzentrumsregister auf einen gewichteten Mittelwert von 0,67 Litern pro Kilowattstunde IT-Stromverbrauch. Ein Wert dieser Größenordnung würde sogar den gesamten Wasserinhalt des Berliner Wannsees abbilden, zumindest als anschauliche Größenordnung im Vergleich.
Technisch spannend ist außerdem der Teil der Studie, der das Betreiber-Argument zur Kühlstrategie adressiert. Laut Untersuchung widerspricht es einem zentralen Narrativ, wonach besonders niedriger Stromverbrauch zwangsläufig höheren Wassereinsatz erfordere. Die Autoren machen stattdessen geltend, dass sich statistisch kein klarer Zusammenhang zwischen Strom- und Wassereffizienz belegen lasse. Eine hohe Energieeffizienz sei demnach auch ohne Wasserkühlung erreichbar; moderne Konzepte wie Trockenkühlung oder Kompressionskühlung könnten den direkten Wasserverbrauch der Serverfarmen sogar auf null senken. Für Unternehmen bedeutet das: Die Auswahl der Kühlarchitektur ist nicht bloß ein Detail, sondern ein Hebel, der sich im Designprozess verhandeln lässt – etwa durch die Auslegung auf Luftkühlung, die Einbindung von Kältekompressoren oder Hybridansätze.
Offen bleibt bei aller Technikdiskussion jedoch, wie verlässlich die Datenbasis tatsächlich ist. Greenpeace kritisiert in der Studie ein Transparenzproblem: Weniger als die Hälfte der rund 1.200 meldepflichtigen Betreiber lieferten demnach Daten an die zuständigen Behörden, und nur 139 Meldungen seien verwertbar gewesen. Diese Lücke ist mehr als ein Reputationsproblem. Wenn Messwerte fehlen oder nicht vergleichbar sind, wird es schwer, Wasserverbrauch in Planungs- und Genehmigungsprozesse einzuspeisen, und politische Entscheidungen greifen dann zwangsläufig auf Szenarien zurück. Entsprechend formuliert Greenpeace konkrete Forderungen: verpflichtende Wassergutachten vor Genehmigungen, ein Verbot wasserintensiver Anlagen in Trockengebieten sowie konsequente Sanktionen bei Verstößen gegen Meldepflichten.
Auch die potenziellen Auswirkungen lassen sich aus dem Text ableiten: In bereits trockenen Regionen könnten demnach akute Grundwasserstress-Situationen entstehen, zusätzlich zu Verteilungskonflikten zwischen Betreiberbedarf und kommunalen bzw. landwirtschaftlichen Nutzungen. Für die Branche geht es damit weniger um ein Entweder-oder zwischen KI-Wachstum und Umweltverträglichkeit, sondern um die Frage, welche Designentscheidungen schon heute Standards werden. Der Markt verschiebt sich bereits in Richtung größerer, effizienter Standorte; damit steigt zugleich die Relevanz von Standort- und Kühlinfrastruktur, etwa in Kombination mit Netzplanung, Abwärmenutzung und Wassermanagement. Wer Rechenkapazität aufbaut, braucht künftig deshalb einen geschlossenen Blick auf Energie, Wasser und Datenqualität, sonst verschieben sich Risiken vom Labor- ins Produktionsumfeld.
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