BARCELONA / LONDON (IT BOLTWISE) – Casa Batlló hat am 5. November 2026 eine Gesprächsrunde unter dem Titel „Tomorrow Bureau – Living Archive“ ausgerichtet. Im dritten Stock ging es darum, wie digitale Werkzeuge den Zugang zu historischen Archiven verändern. Der Blick verband KI und 3D-Scanning mit einer laufenden Ausstellung in der Casa Batlló Contemporary. Für Besucher aus Deutschland war damit nicht nur Architektur, sondern auch ihre digitale Neubetrachtung Bestandteil des Programms.

Wer am 5. November 2026 in Barcelona zu Casa Batlló ging, bekam gleich zwei Zeitebenen zu sehen: erstens die bauliche Handschrift von Antoni Gaudí, die das Gebäude zwischen 1904 und 1906 umgestaltete, und zweitens eine digitale Lesart, die das Haus als „Living Archive“ interpretiert. Die Gesprächsrunde „Tomorrow Bureau – Living Archive“ fand im dritten Stock statt und machte deutlich, dass Kulturvermittlung heute nicht mehr nur über Kataloge oder Führungen funktioniert, sondern auch über Bildanalyse, Rekonstruktion und neue Interaktionsformen. Damit rückte ein Thema in den Fokus, das im Museums- und Archivumfeld längst technisch machbar, aber in der Praxis noch im Aufbau ist: Wie lassen sich Inhalte so digitalisieren, dass sie wissenschaftlich belastbar bleiben und zugleich für Besucher verständlich werden?
Im organisatorischen Rahmen der Reihe „Casa Batlló Dialogues“ trafen dabei nicht nur Kunst und Architektur aufeinander, sondern auch konkrete digitale Verfahren. Tomorrow Bureau lud Jack Featherstone und Francesca Gavin ein; Featherstone ist Mitgründer des Studios, Gavin arbeitet als Kuratorin. Aus technischer Sicht war die Mischung interessant, weil die Veranstaltung nicht bei einer allgemeinen Vision stehen blieb: Künstliche Intelligenz, 3D-Scanning und weitere digitale Ansätze wurden als Bausteine beschrieben, um historische Datenstrukturen nachzuvollziehen und visuell neu zu formen. Genau diese Verbindung aus Verfahrenstechnik und kuratorischer Zielsetzung erklärt, warum der Gesprächsraum im dritten Stock thematisch mit der Ausstellung im zweiten Stock gekoppelt wurde.
Die laufende Schau „Gaudí-Miró-Gomis: Deconstructed“ in Casa Batlló Contemporary diente dafür als sichtbarer Bezugspunkt. Seit dem 8. Juli 2026 werden im zweiten Stock Originalwerke von Joan Miró, Fotografien von Joaquim Gomis sowie audiovisuelle, klangliche und digitale Arbeiten zusammengeführt. Die digitalen Interventionen stammen aus dem Tomorrow-Bureau-Umfeld und greifen Fragen nach Natur, Material, Leben und künstlerischer Wahrnehmung auf. Inhaltlich lässt sich das als Ansatz lesen, der digitale Rekonstruktion nicht als bloße „Visualisierung“ versteht, sondern als eigenständige Interpretationsschicht: Bilder und Kunstwerke werden nicht nur gezeigt, sondern in Teilen analysiert, neu zusammengesetzt und umgestaltet, sodass Besucher die Entstehungslogik zumindest teilweise nachvollziehen können.
Die technische Brücke zur Architektur lag dabei nicht im Zufall, sondern im Gebäude selbst. Casa Batlló entstand ursprünglich aus einem Gebäude, das Emili Sala Cortés 1877 errichtet hatte; Josep Batlló erwarb es 1903 und beauftragte Gaudí mit dem Umbau. Gaudí veränderte die Fassade, ordnete die Innenräume neu und erweiterte den Lichthof. Diese historische Umbauarbeit bildet eine Art Analogie zur digitalen „Deconstruction“: Auch hier wird ein Ausgangszustand in Schichten zerlegt, um Strukturen besser zu verstehen. Dass Casa Batlló heute zum UNESCO-Welterbe gehört und seit 1995 für die Öffentlichkeit zugänglich ist, seit 2002 sogar mit kulturellen Rundgängen, schafft zudem einen institutionellen Resonanzraum. Die aktuelle Ausstellung nutzt dieses Nutzungskonzept gezielt weiter, indem zeitgenössische Kunst und digitale Installationen den Charakter einer erweiterten Führung annehmen.
Für die technische und organisatorische Einordnung lohnt sich auch der Blick auf das, was hinter dem Begriff „Living Archive“ steckt. Wenn eine Gesprächsrunde „digitale Archive“ adressiert, ist das im Kern eine Frage nach Datenflüssen: Welche Informationen werden erfasst, wie wird die Bild- und Objektinformation strukturiert, und wie lassen sich daraus nachvollziehbare Rekonstruktionen ableiten? Der Austausch am 5. November 2026 knüpfte zudem an die Verbindung zum Mira Festival in Barcelona an. Dort wurden laut Beschreibung auch der Entstehungsprozess der Ausstellung sowie die digitale Analyse und Umgestaltung von Bildern und Kunstwerken thematisiert. Genau diese Prozessperspektive ist für Entwickler, Kuratoren und Kulturinstitutionen relevant, weil KI-Methoden im Alltag selten als „fertiges Produkt“ kommen, sondern sich in Workflows einpassen müssen.
Wichtig war außerdem der zeitliche Zusammenhang: Die Gesprächstunde selbst ist abgeschlossen, aber die Ausstellung im zweiten Stock bleibt als öffentlicher Referenzpunkt bestehen. „Gaudí-Miró-Gomis: Deconstructed“ läuft bis zum 10. Januar 2027 in Casa Batlló Contemporary und bringt damit mehrere Monate hinweg das Zusammenspiel aus historischer Architektur und digitalen Verfahren zusammen. Für Besucher aus Deutschland war das am 5. November 2026 damit nicht nur eine Frage von Architektur-Interesse, sondern auch ein Programmpunkt im Rahmen eines größeren Gaudí-Jahres 2026 mit weiteren kulturellen Angeboten. Wer an der Schnittstelle von Kulturvermittlung und KI-gestützter Datenarbeit arbeitet, konnte hier zudem sehen, wie sich solche Ansätze in einem konkreten Raum und in einem kuratorischen Narrativ verankern lassen.
Wer Casa Batlló einplant, findet in den Veranstaltungshinweisen zudem die wesentlichen praktischen Eckdaten: Das Haus liegt am Passeig de Gràcia 43 in Barcelona, die Gesprächsrunde fand im dritten Stock statt, während die Ausstellung im zweiten Stock läuft. Bei der Einreise gelten die Bestimmungen nach Staatsangehörigkeit; deutsche Staatsbürger werden aufgefordert, die Länderinformationen des Auswärtigen Amts unter auswaertiges-amt.de zu prüfen. Auch auf Social-Media-Plattformen werden Suchlinks nach „Casa Batlló“ angeboten. So bleibt die technische Diskussion am 5. November nicht isoliert, sondern wird im weiteren Ausstellungszeitraum für ein breiteres Publikum greifbar.
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