LONDON (IT BOLTWISE) – XRP verliert innerhalb einer Woche 7,1% und fällt damit klar stärker als Ethereum mit 0,8%. Der Kurs rutscht zudem unter mehrere wichtige gleitende Durchschnitte, während die wöchentliche Handelsmenge auf wenig neue Aktivität hindeutet. Als eine Hauptursache gelten fehlende Käuferströme aus XRP-Spot-ETFs und eine überproportionale Reaktion auf Bitcoin. Ob sich der Trend dreht, hängt laut den genannten Signalen vor allem an wiederkehrenden ETF-Zuflüssen und einem Rückgewinn der 200-Tage-Linie.

Wer die großen Kryptowerte an ihrer langfristigen Trendlinie vergleicht, bekommt derzeit eine auffällige Ausnahme: Während Bitcoin, Ethereum, Solana und BNB ihre Orientierung an den zentralen gleitenden Durchschnitten zumindest teilweise beibehalten, wird XRP als einziger Wert in dieser Gruppe als „Trendbrecher“ beschrieben. Der Kursrutsch ist dabei nicht nur gefühlt, sondern lässt sich anhand konkreter Schwellen ablesen: XRP fiel über die Woche um 7,1% auf 1,16 USD und rutschte nach Angaben der Datenlage auch unter den November-6-Schlusskurs, der bereits den niedrigsten Stand des vergangenen Monats markierte. Das erklärt, warum viele Trader gerade jetzt nach dem „Warum“ suchen: Die relative Schwäche wirkt wie ein eigenständiges Muster und nicht wie ein normales Mitlaufen im Marktrauschen.
Technisch betrachtet fällt vor allem der Zustand der Moving Averages auf. Für XRP werden drei zentrale Referenzen genannt, unter denen der Kurs aktuell handelt: der 20-Tage-Durchschnitt bei 1,28 USD, der 50-Tage-Durchschnitt bei 1,38 USD und der 200-Tage-Durchschnitt bei rund 1,27 USD. Damit liegt XRP in dieser Darstellung nicht nur kurzfristig „unter Druck“, sondern auch im Blick auf den langfristig genutzten Indikator, der häufig als Strukturfilter dient: Wenn der 200-Tage-Durchschnitt als Marktregime betrachtet wird, ist das ein Signal, dass Käufer die Kontrolle noch nicht zurückholen konnten. Interessant ist der Abstand: Bei rund 1,16 USD wirkt der Kurs etwa 9% unter dieser Referenz, was die Abweichung gegenüber anderen großen Coins in der gleichen Marktperiode zusätzlich betont.
Die Divergenz wird durch die Vergleichswerte greifbar. Zwar liegt auch Ethereum unter einzelnen kurzfristigeren Durchschnittslinien, konkret unter dem 20-Tage-Wert von 2.333 USD und dem 50-Tage-Wert von 2.499 USD, bleibt jedoch weiterhin über dem 200-Tage-Durchschnitt von 2.156 USD. Bitcoin handelt demnach ebenfalls über seiner 200-Tage-Linie, genannt werden etwa 75.720 USD Kursniveau bei einem 200-Tage-Wert von rund 73.197 USD. Solana und BNB „faren ähnlich“, während XRP als einziger der Top-Five-Kryptowerte unter allen drei genannten Moving-Average-Größen bleibt. Genau diese Kombination aus kurzfristigem und langfristigem Trendbruch erklärt, warum Händler XRP aktuell als schwächste Position im Vergleich behandeln.
Auch das Tempo des Abwärtsimpulses wirkt in der Darstellung nicht wie ein singulärer Ausreißer. Der Rückgang habe sich bereits vor November angedeutet, im Jahr 2026 wird XRP mit rund -37% geführt, als größter Rückgang innerhalb der Top-Five nach Marktkapitalisierung. Zugleich wird berichtet, dass XRP aktuell auf Platz fünf rangiert, also zwar groß bleibt, aber im relativen Ranking nach unten rutscht. Auffällig ist zudem der Verweis darauf, dass ein „Kapitulieren“ bislang ausbleibt: Eine Situation, in der Verkäufer im großen Stil aus dem Markt drängen und der Druck sich dadurch kurzfristig erschöpft, wird nicht als eingetreten beschrieben. Die wöchentliche Handelsmenge liege demnach deutlich unter dem etwa 1 Milliarde Token umfassenden Volumen, das Ende September in einer Woche gesehen wurde. Das spricht eher für einen stetigen Abwärtstrend mit geringerem Zwangsverkauf als für einen klassischen Panikmoment.
Als zentrale Erklärung werden die Flows aus Spot-ETFs herausgestellt. Der Mechanismus dahinter ist relativ geradlinig: Ein Spot-ETF hält die zugrunde liegende Kryptowährung direkt und bildet damit ähnlich wie eine Aktie ab, wie stark frisches Kapital in den Vermögenswert fließt. Für XRP wird ein konkretes Muster genannt: Am 2. November sollen US-Spot-XRP-ETFs Abflüsse von etwa 530.000 USD verzeichnet haben, gefolgt von vier aufeinanderfolgenden Tagen ohne Netto-Zuflüsse bis zum 6. November. Ethereum zeigt in der gleichen Betrachtungslogik zwar ebenfalls Abflüsse in der Woche (insgesamt 365,3 Mio. USD), soll aber am 4. November zugleich 53,0 Mio. USD angezogen haben. Der Kerngedanke: Wenn Ethereum zumindest zeitweise Käuferströme aus ETF-Geldern erhält, XRP aber keine entsprechenden Unterstützungs-Signale zeigt, wird XRP anfälliger für Abwärtsdruck – insbesondere dann, wenn Börsen- oder Liquiditätsverkäufe den Markt zusätzlich belasten.
Darüber hinaus wird XRP in der Analyse als „verstärkter Mitläufer“ eingeordnet. Laut den genannten Kennzahlen lag die 90-Tage-Korrelation von XRP mit Bitcoin zuletzt bei 0,89, mit einer Beta von 1,27; später im Oktober sollen sich die Werte auf 0,92 und 1,4 erhöht haben. Das bedeutet vereinfacht: XRP bewegt sich tendenziell stärker in die gleiche Richtung wie Bitcoin, statt in Abschwungphasen eigene Käufer zu finden, die die Volatilität abfedern. Ethereum wird dagegen mit zusätzlicher Nutzwert-Komponente beschrieben: Das Total Value Locked (TVL) liege bei 43,5 Mrd. USD von insgesamt 81,2 Mrd. USD über alle Netzwerke, was etwa 54% ausmacht, und Ethereum hoste zudem einen bedeutenden Anteil an Stablecoins. Dieser Mix kann dafür sorgen, dass sich Nachfrage nicht ausschließlich als „Wettspiel auf Kursbewegungen“ zeigt, sondern auch aus dem Ökosystem heraus entsteht.
Historisch wirkt XRP nicht zum ersten Mal schwächer. In einer früheren Phase wurde am 28. September über einen 17%igen Rückgang im Jahr (YTD) berichtet, während Bitcoin um etwa 4% und Solana um rund 3% gefallen sein sollen. Damals lag XRP bei etwa 1,52 USD und setzte den Abwärtstrend fort, bevor ein späterer Tiefpunkt und eine anschließende Erholung folgten: Ein 90-Tage-Schlusskurs-Tief bei 0,99 USD am 16. August und ein Rebound auf 1,57 USD am 22. September werden in der Darstellung als Beispiel genannt. Der wichtige Punkt für die aktuelle Lage ist jedoch die Aussage, dass XRP in 2026 weiterhin häufig „Bitcoin zurück“ braucht, um nachziehen zu können, selbst dann aber bislang nicht vollständig aufholt. Wenn sich das wiederholt, kann das kurzfristig zu einer Art relativer Trägheit führen: XRP spiegelt Bitcoin stärker, doch ohne eigene Anschlusssignale bleibt die Erholung begrenzt.
Für die nächsten Schritte werden zwei Signale als entscheidend benannt: Erstens sollten XRP-ETFs wiederholt Nettozuflüsse zeigen, also nicht nur einzelne Tageswerte. Zweitens soll XRP laut der Schwellenlogik den Bereich oberhalb der 200-Tage-Linie zurückerobern; im Text wird dafür explizit ein Schlusskurs über 1,27 USD genannt. Gelingt beides, könnte sich der Markt von einem reinen „Beta-Move“ hin zu einer stabileren Nachfrageverteilung drehen und XRP weniger stark im Schatten von Bitcoin bewegen. Unternehmen und professionelle Marktteilnehmer achten dabei oft weniger auf Schlagzeilen als auf solche wiederkehrenden Muster aus Preisstruktur und Kapitalflüssen, weil genau daraus sich die Wahrscheinlichkeit für eine Trendwende ableiten lässt.
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