CAPE CANAVERAL, FLA. / LONDON (IT BOLTWISE) – NASA nimmt Bewerbungen für eine neue Astronautenklasse entgegen, um das Artemis-Programm mit zusätzlichem Personal zu unterstützen. Die Agentur erwartet eine finale Auswahl bis Ende 2027 und will die Ausbildung der Kandidatinnen und Kandidaten Anfang 2028 starten. Der zeitliche Fahrplan zielt darauf, 2028 nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Astronauten auf die Mondoberfläche zu bringen. Gleichzeitig wird schon im Folgejahr eine Mission vorbereitet, die das Andocken an zwei Mondlandesysteme als „Dress Rehearsal“ einübt.

Wer heute „Mond“ als Ziel in die Bewerbung schreibt, muss bei NASA vor allem eines mitbringen: die Bereitschaft, einen Großteil der Zeit nicht direkt auf einer Mondoberfläche zu verbringen. Die Agentur öffnet dafür eine neue Bewerbungsrunde für eine Astronautenklasse, die das Artemis-Programm personell erweitern soll. Anlass ist der Personalbedarf: Mit nur 32 aktiven Astronauten will NASA den nächsten Schritt weg von der ausschließlichen Nutzung niedriger Erdumlaufbahnen hin zu einer dauerhafteren Präsenz außerhalb der Erde beschleunigen. Die aktuelle Ausschreibung läuft laut NASA-Angaben bis zum 3. Dezember.
Der Zeitplan ist dabei deutlich auf konkrete Missionsfenster getaktet. Die letzte große Rekrutierungsrunde liegt rund zwei Jahre zurück; damals hatten sich mehr als 8.000 Interessierte beworben, nur 10 schafften es in die Endauswahl im September 2025. NASA rechnet nun damit, die endgültige Auswahl „bis Ende 2027“ zu treffen. Training soll Anfang 2028 beginnen, also rechtzeitig für eine Phase, in der Artemis nicht nur Oberflächenlandungen plant, sondern auch Missionen zur Systemvalidierung braucht. Bis dahin hat sich die Mondkampagne bereits in Bewegung gesetzt: Der Start einer von Artemis-II-Crew begleiteten Mondumlauf-Phase gilt als Startschuss für die aktuelle Kampagne.
Technisch betrachtet hängt Artemis in der Praxis an Schnittstellen: Andocken, Antriebs- und Navigationsketten, Missionslogistik und die Fähigkeit, in kritischen Momenten schnell zu entscheiden. Genau darauf zielt die Trainings- und Demonstrationslogik ab, die in den nächsten Schritten bereits sichtbar wird. Die Mission der Artemis-III-Fahrcrew soll im kommenden Sommer in den Orbit gehen, um das Andocken eines Kapsel-Systems mit zwei unterschiedlichen Mondlandesystemen zu üben: eines wird von SpaceX gebaut, das zweite von Blue Origin. Dieses Vorgehen ist bewusst „erdnah“ gedacht – kein Mondvorbeiflug, sondern eine Art Generalprobe, die im Folgejahr in die Artemis-IV-Aufgabe mündet. Dort soll die Landung von zwei Astronauten in der Nähe des südlichen Mondpols erfolgen.
Artemis III und IV sind allerdings nicht nur eine Frage der Raumfahrthardware. Der Aufbau einer dauerhaften Mondbasis wird laut den NASA-Aussagen schrittweise durch mehrere Technologiewellen realisiert: mehr Rovers, Roboter, Strukturen und außerdem Stromversorgungssysteme, die in die Missionskette integriert werden müssen. Das verschiebt den Schwerpunkt im Alltag von Astronautinnen und Astronauten. Wie Artemis-III-Kommandant Randy Bresnik in der Berichterstattung sinngemäß betont, gibt es „viel mehr Arbeit als Astronauten“ – und damit auch Tätigkeiten, die nicht im eigentlichen Mondflug stattfinden. Frank Rubio, ebenfalls Teil von Artemis III, unterstreicht den Gedanken, dass der Anteil „Mondzeit“ an der Gesamterfahrung klein ist, während die Vorbereitung auf das Moon-Target im Kern der eigenen Arbeit liegt.
Für Bewerberinnen und Bewerber sind zudem die formalen Voraussetzungen klar: Gefordert werden US-Staatsbürgerschaft, ein Hochschulabschluss sowie professionelle Berufserfahrung. Entscheidend ist außerdem die körperliche und mentale Belastbarkeit. NASA weist darauf hin, dass die verpflichtende Trainingsdauer zwei Jahre umfassen kann und entsprechend grenzwertig ist, bevor überhaupt an einen späteren Raumflug gedacht werden kann. Selbst danach braucht es noch weitere Jahre, bis es für den einzelnen Kandidaten oder die einzelne Kandidatin tatsächlich „in den Startbereich“ geht. Genau deshalb wirkt das Auswahlfenster bis Ende 2027 wie ein früher Vorlauf: Wer in der Pipeline startet, muss damit rechnen, dass die Raumflug-Zuordnung erst deutlich später erfolgt.
Auch im Wettbewerb um Innovationen im Raumfahrtsektor zeigt sich eine klare Richtung: Artemis macht den Weg zu einem breiter gewordenen Ökosystem sichtbar, in dem mehrere kommerzielle Akteure Systemteile liefern. Die geplante Kombination von Landemodulen verschiedener Anbieter im Rahmen einer gemeinsamen Andock-Generalprobe ist ein Beispiel dafür, wie sich die Technik- und Prozesskette organisatorisch aufteilt. Für Unternehmen und Entwickler bedeutet das wiederum, dass Schnittstellen, Datenflüsse und Betriebsabläufe an Bedeutung gewinnen: Roboter, Energieversorgung und Logistik müssen so gestaltet sein, dass sie auch im Mehranbieter-Setup stabil funktionieren. Wer sich für KI-gestützte Assistenzsysteme, autonome Inspektionen oder robuste Steuerungs- und Planungssoftware interessiert, findet hier einen mittelfristigen Bedarf – weniger als „einmalige Demo“, eher als langfristige Betriebsfähigkeit.
Am Ende bleibt für die Kandidaten eine nüchterne Erkenntnis: Artemis ist ein mehrstufiges Programm, und „Geduld“ ist keine Floskel, sondern Teil der Systemlogik. Die Ausbildung startet 2028, die Rückkehr zur Mondoberfläche ist für denselben Zeitraum als Ziel genannt, und bis dahin muss das Training so wirken, dass Astronauten im Ernstfall nicht nur fliegen, sondern auch Prozesse beherrschen, die über Missionen hinweg skaliert werden. Für NASA ist es zudem eine strategische Personalplanung, um die Lücke zwischen Aufgabenportfolio und verfügbarer Crew zu schließen. Wer sich bewerben will, hat jetzt die Frist im Blick – und zugleich einen langen Atem für die technische und operative Realität dahinter.
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