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USA / LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin pendelt in der Nähe von 75.000 US-Dollar und steckt damit nach dem Rückfall von über 80.000 US-Dollar in einer neuen Druckphase. Arthur Hayes erwartet kurzfristig wenig Entspannung, solange die Dollar-Liquidität nicht wieder stärker wächst. Gleichzeitig deuten On-Chain-Daten auf eine Supply-Konzentration im Bereich um 84.000 bis 85.000 US-Dollar hin. Dazu kommen erhöhte Hebel- und Liquidationsrisiken aus dem Derivatebereich, während die US-Politik den Fokus auf Krypto-Unternehmen verschiebt.

Bitcoin bleibt bei rund 75.000 US-Dollar unter Druck: Hayes warnt, On-Chain bremst
Bitcoin bleibt bei rund 75.000 US-Dollar unter Druck: Hayes warnt, On-Chain bremst (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin hat den breit angelegten Markddruck zum Jahresstart im November 2026 überraschend gut abgefedert, aber die Richtung bleibt vorerst unklar. Der größte Kurswert der Kryptowährungen pendelte zuletzt nahe 75.800 US-Dollar, nachdem er in den Wochen zuvor noch über 80.000 US-Dollar gehandelt worden war. Parallel dazu standen auch Risikoanlagen am traditionellen Kapitalmarkt unter Belastung: schwächere Unternehmenszahlen in Tech-nahem Umfeld trafen die Stimmung, und die politischen Folgen der US-Midterm-Wahlen wirkten wie ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Dass der Markt trotzdem nicht kollabiert ist, unterstreicht zwar die Stabilität vieler Marktteilnehmer, zeigt aber ebenso, wie fein das Gleichgewicht derzeit ist, wenn Liquidität und Risikoappetit gleichzeitig schwanken.

Technisch betrachtet lohnt sich der Blick auf die „Liquiditäts-Schalter“, die Hayes als zentralen Treiber für den weiteren Kursverlauf beschreibt. Arthur Hayes, Mitgründer von BitMEX und derzeit Chief Investment Officer bei Maelstrom, argumentiert, der Dollar-Liquiditätszyklus habe sich zwar nach einer zuvor schwächeren Phase wieder Richtung Erholung bewegt. Trotzdem erwartet er bis zur Ausweitung der Bilanzen durch die Federal Reserve oder kommerzielle Banken weiterhin Nachdruck. Wichtig ist dabei die Mechanik: Kreditvergabe im Bankensystem kann Einlagen schaffen, ohne dass die Notenbank dafür zwingend zusätzliche Assets kaufen muss. Diese Unterscheidung ist für Krypto-Anleger mehr als akademisch, weil Bitcoin in Phasen knapper werdender Finanzierung typischerweise empfindlicher reagiert als in „weiten“ Geldphasen.

Marktseitig kommt hinzu, dass die kurzfristige Erzählung nicht nur aus dem Makro-Teil besteht, sondern auch aus dem politischen und regulatorischen Taktwechsel in den USA. Nach den Midterm-Wahlen sollen Demokraten in beiden Kammern die Mehrheit erlangt haben; der neue Kongress tritt demnach im Januar in Kraft. In der Folge richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf den Kongress-Überwachungsapparat: In den Ausschussstrukturen werden laut einer Branchenanalyse insbesondere Unternehmen mit Bezug zu Präsident Donald Trump und seinem Umfeld sowie Krypto-Akteure im Umfeld von World Liberty Financial, dem USD1-Stablecoin sowie Token-Angeboten und Auslandsinvestitionsstrukturen stärker in den Fokus geraten. Gleichzeitig heißt das nicht, dass regulatorische Arbeit „stehen bleibt“: Auf Bundesebene könne unter bestehenden gesetzlichen Autoritäten weiter an der Konkretisierung von Digital-Asset-Regeln und Auslegungshinweisen gearbeitet werden – etwa durch SEC, CFTC und Aufsichtsbehörden im Bankenbereich. Daraus entsteht eher ein erhöhtes Unsicherheitsfenster, in dem Zeitpläne für Reformen schwerer planbar werden.

Für die Kursrichtung im laufenden Quartal liefern On-Chain- und Derivate-Daten zusätzliche Gegenkräfte. Glassnode verweist darauf, dass sich ein Teil des Angebots im Bereich von 84.000 bis 85.000 US-Dollar stark konzentriert hat: Rund 4,3 % der zirkulierenden Bestände entsprechen mehr als 860.000 BTC, die in diesem Preisfenster zuletzt auf der Kette gehandelt wurden. Bitcoin hat in 2026 nur wenige Tages-Schlusskurse oberhalb dieser Zone verzeichnet, und mehrere Versuche nach oben seien danach wieder abgeflaut. Gerade Long-Term Holder – definiert als Adressen, die Coins mindestens 155 Tage halten – kontrollieren demnach etwa vier Millionen BTC, die überwiegend im Bereich von 85.000 bis 118.000 US-Dollar gekauft wurden; mehr als die Hälfte liegt dabei oberhalb des aktuellen Preisniveaus. Eine nachhaltige Erholung Richtung unteres Ende dieser Range könnte dadurch erschwert werden, weil sich bei höheren Kursen eher „Verteilungs“-Entscheidungen verdichten: Käufer von damals versuchen dann, Erwerbskosten zurückzuholen.

Auch die Derivateebene passt in das Bild einer Situation mit erhöhtem Hebelrisiko. CoinGlass zeigt laut den vorliegenden Daten Cluster von Liquidationen über mehrere Prozentpunkte hinweg: Long-Positionen werden dabei teils unterhalb aktueller Kurse wahrscheinlicher liquidiert, während Short-Liquidationen in höheren Preisbereichen konzentriert sind. Wenn der Markt abwärts läuft, fallen Long-Liquidationen besonders in den Momenten stärkerer Rücksetzer an – ein Muster, das typischerweise zur Verstärkung der Volatilität beiträgt, weil Spotmärkte unter Druck geraten und sich Margin-Mechanismen selbst beschleunigen. Gleichzeitig schwanken Open Interest und Funding: Es gab Phasen, in denen Long-Interesse wieder zunahm, während der übergreifende Verkaufsdruck nicht verschwand. Diese Mischung erklärt, warum Bitcoin in Phasen gesunkener Korrelation zu riskanten Assets dennoch keine „freie Fahrt“ bekommt, sobald Risikoanlagen gleichzeitig nachgeben.

Unterm Strich treffen hier drei Faktoren aufeinander: makroseitige Liquiditätsbedingungen, eine politisch/regulatorische Neubewertung mit potenziell längeren Zeithorizonten, sowie eine technische Angebotsstruktur, die Erholungen kurzfristig begrenzen kann. Hayes’ Rahmen bleibt dabei klar: Erst wenn Bilanzen wieder stärker expandieren – oder Bankkredit tatsächlich als Liquidity-Quelle durchschlägt – sieht er solide Voraussetzungen für erneuten Aufwärtsdruck. Galaxy ordnet dem jedoch eine deutlich adversere Kongresshaltung zu, die legislative Fortschritte erschweren und damit indirekt die Planung vieler Marktteilnehmer beeinflussen könnte, während Regulierungsbehörden unter bestehenden Mandaten parallel weiter konkretisieren. Für Unternehmen, Fonds und Exchange-Partner heißt das vor allem: Wer auf „Schnellwiederkehr“ hofft, unterschätzt leicht den Zusammenhang aus Kostenbasis-Verteilung, Liquidationsclustern und dem Tempo, mit dem Politik und Aufsicht gleichzeitig den Rahmen neu justieren. Marktteilnehmer werden daher besonders auf Daten zur Federal-Reserve-Bilanz sowie auf Trends bei der Kreditvergabe der Banken achten – und darauf, wie früh die agenda-setzenden Schritte im neuen Kongress konkret werden.

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