BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die ersten 100 Tage der neuen Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz sind vergangen, und die Erwartungen an einen grundlegenden Wandel in der Wohnungspolitik bleiben unerfüllt. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) zieht eine kritische Zwischenbilanz und bemängelt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um den dringend benötigten Wohnungsbau anzukurbeln.

Die Wohnungspolitik der neuen Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz steht nach 100 Tagen im Amt unter scharfer Kritik. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) bemängelt, dass trotz der Aufnahme des Themas auf die politische Agenda, ein echter Kurswechsel ausbleibt. Die Verlängerung der Mietpreisbremse ist bisher die einzige konkrete Maßnahme, die Eigentümer und die Immobilienwirtschaft zu spüren bekommen haben.
Die Bautätigkeit in Deutschland stagniert weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau, weit entfernt von den jährlich benötigten 320.000 neuen Wohnungen. Die Hoffnung, dass der Wohnungsbau zur Chefsache erklärt wird, hat sich bislang nicht erfüllt. IVD-Präsident Dirk Wohltorf kritisiert, dass anstelle von Maßnahmen zur Ankurbelung des Wohnungsbaus vor allem neue Regulierungsansätze dominieren.
Ein viel diskutierter Ansatz ist der sogenannte Bau-Turbo, der im Bundestag beraten wird. Dieser könnte laut IVD ein kraftvoller Hebel für mehr Wohnraum sein, jedoch nur, wenn die Kommunen ihn aktiv nutzen. Wohltorf warnt, dass ohne die Unterstützung von Bürgermeistern, Stadträten und Bauämtern das Gesetz ein Papiertiger bleiben könnte.
Der IVD fordert zudem eine stärkere Förderung privater Bauherren und Selbstnutzer, die eine tragende Säule des Wohnungsbaus darstellen. Hohe Baukosten, komplexe Vorschriften und unsichere Förderbedingungen bremsen jedoch die Investitionsbereitschaft. Eine befristete Wiederherstellung der Förderfähigkeit des EH55-Standards könnte laut Schätzungen bis zu 51.000 Wohneinheiten realisieren.
Ein weiteres Problemfeld ist die Wärmewende, die ohne klare Leitplanken bleibt. Trotz der zentralen Zuständigkeit des Bundeswirtschaftsministeriums gibt es bislang keine klare Strategie, wie Klimaziele, Wirtschaftlichkeit und soziale Verträglichkeit in Einklang gebracht werden können. Der IVD fordert eine technologieoffene Wärmepolitik mit einfachen Regelungen und realistischen Umsetzungsfristen.
Nach der Sommerpause erwartet der IVD von der Politik eine schnelle Einführung und flächendeckende Umsetzung des Bau-Turbos durch die Kommunen, verlässliche Förderprogramme für private Bauherren und den Verzicht auf marktbremsende Regulierung. Wohltorf fasst zusammen, dass nun der Moment gekommen sei, den Rückenwind für Investitionen zu erzeugen, sonst bleibe der Wohnungsbau im Gegenwind stecken.
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