BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Entscheidung, die Fangquoten für Dorsch und Hering in der Ostsee stabil zu halten, sorgt für gemischte Reaktionen. Während Fischer die Nachricht begrüßen, warnen Umweltverbände vor den Risiken der Überfischung. Die EU-Staaten stehen vor der Herausforderung, wirtschaftliche Interessen und Naturschutz in Einklang zu bringen.

Die jüngste Entscheidung, die Fangquoten für Dorsch und Hering in der Ostsee unverändert zu lassen, hat sowohl Zustimmung als auch Kritik hervorgerufen. Fischer in Deutschland begrüßen die Stabilität, die ihnen Planungssicherheit für das kommende Jahr bietet. Diese Entscheidung steht jedoch im Widerspruch zu den Empfehlungen der Europäischen Kommission, die angesichts der bedrohten Bestände deutliche Reduktionen vorgeschlagen hatte.
Besonders die Bestände von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee bleiben von Kürzungen verschont, was von Agrarminister Till Backhaus als positive Nachricht für die regionale Fischerei bezeichnet wurde. Trotz der fortlaufenden Schließungen der gezielten Fischerei auf diese Arten dürfen Küstenfischer weiterhin Hering in kleinen Mengen mit passiven Fanggeräten wie Stellnetzen fangen. Dies bietet ihnen eine gewisse Kontinuität, auch wenn das Niveau der erlaubten Fischerei niedrig bleibt.
Auf Bundesebene betonte Landwirtschaftsminister Alois Rainer die kulturelle Bedeutung der Fischerei, die es zu bewahren gilt. Er hob hervor, dass es entscheidend sei, eine Balance zwischen dem Schutz der Bestände und ihrer Nutzung zu finden. Die bestehende Beifangregelung für westliche Ostsee-Heringe wird daher fortgesetzt, sodass eine geringe Menge beim Fang anderer Arten weiterhin erlaubt ist.
Dennoch warnen Umweltverbände wie der Nabu vor den ökologischen Risiken der fortgesetzten Fangquoten. Sie sehen keinen Fortschritt in Bezug auf den Schutz der Bestände und kritisieren die Entscheidung scharf. Dänemarks Fischereiminister Jacob Jensen, dessen Land aktuell den EU-Vorsitz innehat, mahnte zur Ernsthaftigkeit der Situation in der Ostsee. Langjährige Herausforderungen wie Klimawandel und Überfischung belasten weiterhin die Lebensräume vieler Arten.
Die EU-Staaten sind nicht verpflichtet, den Vorschlägen der Europäischen Kommission zu folgen, die auf wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung basieren. Am Ende liegt die Entscheidung bei den Fischereiministerinnen und -ministern der Länder, die das komplexe Spannungsfeld zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen ausbalancieren müssen. Diese Situation verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen die EU steht, um nachhaltige Fischereipraktiken zu fördern, ohne die wirtschaftlichen Grundlagen der Küstengemeinden zu gefährden.
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