WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Notenbank hat erneut den Leitzins gesenkt, um den schwächelnden Arbeitsmarkt zu stützen. Doch die Aussagen von Notenbank-Präsident Jerome Powell sorgten für Verwirrung an den Märkten, da er eine weitere Zinssenkung im Dezember als unsicher bezeichnete. Dies steht im Widerspruch zu den Erwartungen vieler Analysten, die mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik gerechnet hatten.

Die US-Notenbank hat angesichts der anhaltenden Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt erneut den Leitzins gesenkt. Mit einer Reduzierung um 0,25 Prozentpunkte bewegt sich der Zins nun in einer Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent. Diese Entscheidung war von den meisten Volkswirten erwartet worden, doch die anschließenden Kommentare von Notenbank-Präsident Jerome Powell sorgten für Überraschung. Powell stellte klar, dass eine weitere Zinssenkung bei der nächsten Sitzung im Dezember keineswegs sicher sei, was viele Analysten verunsicherte.
Die Entscheidung der Fed, den Leitzins zu senken, wurde vor allem mit den Risiken für den Arbeitsmarkt begründet. Bereits bei der letzten Zinssenkung hatte die Fed auf die Schwäche des Arbeitsmarktes hingewiesen. Allerdings fehlen derzeit wichtige Konjunkturdaten, da der andauernde Shutdown in den USA die Veröffentlichung verzögert hat. Ein Ende der Haushaltssperre ist bislang nicht in Sicht, was die Unsicherheiten weiter verstärkt.
Interessanterweise spielte die Inflation in der aktuellen Entscheidung der Fed eine untergeordnete Rolle. Obwohl die Inflation im September auf 3,0 Prozent gestiegen ist und damit über dem mittelfristigen Ziel der Fed von 2,0 Prozent liegt, wurde dieser Anstieg als weniger bedrohlich angesehen. Experten hatten einen noch stärkeren Anstieg befürchtet, sodass die Sorgen um den Arbeitsmarkt schwerer wogen. Powell führte die steigende Inflation teilweise auf die Zollpolitik von Präsident Donald Trump zurück, die die Preise in einigen Warengruppen in die Höhe treibt.
Nach der Zinsentscheidung legte der Dollar deutlich zu, was darauf hindeutet, dass die Märkte bereits mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet hatten. Diese Entwicklung könnte deutsche Touristen verärgern, da sie nun weniger Dollar für ihren Euro erhalten. Präsident Trump hingegen bevorzugt eine schwächere US-Währung, da eine starke Währung ausländische Touristen abschrecken und den Export erschweren könnte. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den Bemühungen, die Inflation zu bekämpfen, da eine schwächere Währung die Importpreise erhöht.
Die aktuelle Zinssenkung ist die zweite in diesem Jahr und könnte die letzte sein, wenn man Powells Aussagen Glauben schenkt. Im September hatte die Fed erstmals nach neun Monaten den Leitzins gesenkt und weitere Senkungen in Aussicht gestellt. Doch nun gibt es innerhalb des Zentralbankrats unterschiedliche Meinungen über das weitere Vorgehen. Von den zwölf stimmberechtigten Mitgliedern stimmten zehn für die aktuelle Senkung, während Jeffrey Schmid aus Kansas City für die Beibehaltung des bisherigen Zinsniveaus plädierte.
Präsident Trump hat in der Vergangenheit wiederholt Druck auf die Fed ausgeübt, die Zinsen zu senken, und macht Powell persönlich für die bisherige Stabilität des Leitzinses verantwortlich. Trumps Einflussnahme auf die Fed ist umstritten, da die Notenbank unabhängig von politischem Druck agieren soll. Dennoch hat Trump versucht, über seine Berater und Nominierungen Einfluss zu nehmen. Finanzminister Scott Bessent plant, Trump bis Ende des Jahres eine Liste mit Nachfolgekandidaten für Powell vorzulegen, dessen Amtszeit im Mai 2026 endet.
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