SHANGHAI / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Active Technology hat eine Angel-Runde über 330 Millionen RMB abgeschlossen und damit einen Rekord für Angel-Finanzierungen in Chinas BCI-Sektor gesetzt. Das Unternehmen setzt auf invasive Hirn-Computer-Schnittstellen und will damit Kapazitäten ausbauen, Ausrüstung verbessern und klinische Studien beschleunigen. Bis Ende 2026 soll außerdem ein neues Hauptquartier mit mehr als 10.000 Quadratmetern entstehen. Im Produktfahrplan stehen motorische, visuelle und emotionale BCI-Anwendungen im Fokus.

Active Technology aus Shanghai setzt in der aktuellen Finanzierungsrunde ein klares Signal: Invasive Hirn-Computer-Schnittstellen bleiben zwar risikoreich, ziehen aber gerade wegen ihres Potenzials weiterhin Kapital an. Laut den Angaben des Startups umfasst die Angel-Runde 330 Millionen RMB und gilt als Rekord im Segment der Angel-Finanzierungen für die BCI-Branche in China. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, weil das Unternehmen erst im Februar 2026 gegründet wurde und sich damit ungewöhnlich schnell auf die nächste Ausbauetappe konzentriert. Für den Markt ist das vor allem deshalb relevant, weil frühe klinische Skalierung und technische Serienreife bei invasiven Systemen typischerweise eng mit Infrastruktur, Fertigung und Messkaskaden verzahnt sind.
Technisch betrachtet baut Active Technology seine Entwicklungsarbeit offenbar entlang einer vollständigen Prozesskette auf: vom Interface bis zur Signalverarbeitung. Der Fahrplan umfasst flexible Elektroden, eigene Chips, spezialisierte Decoding-Algorithmen sowie die Systemintegration. Genau diese Aufteilung ist in invasiven BCI-Ansätzen entscheidend, weil sich die Leistung nicht nur auf die Signalqualität an der Elektrode stützt, sondern auch darauf, wie zuverlässig das Gesamtsystem Rauschen, Drift und individuelle Variationen in der Hirnaktivität abbildet. In der Praxis bedeutet das, dass Algorithmen und Hardwarekomponenten simultan optimiert werden müssen, statt sie später „von außen“ zu koppeln. Gerade bei klinischen Anwendungen verschiebt sich dadurch auch der Fokus: Statt reinem Prototyping rückt die reproduzierbare Performance über Geräte- und Patientenszenarien hinweg in den Mittelpunkt.
Die Runde ist zudem eng mit der angekündigten Infrastruktur verknüpft. Active Technology verweist auf einen bereits aufgebauten Standort mit 2.500 Quadratmetern, der Büroräume und eine GMP-Umgebung (Good Manufacturing Practice) kombiniert. Diese Kombination ist mehr als eine Standortmeldung: GMP-nahe Workflows adressieren typischerweise die Herausforderung, dass medizinisch relevante Komponenten nicht nur technisch funktionieren, sondern auch prozessseitig nachvollziehbar hergestellt werden müssen. Für ein junges Unternehmen heißt das, dass die Finanzierung nicht ausschließlich in Personal oder Grundlagenforschung fließt, sondern direkt in Geräteausstattung, Produktions- und Testkapazitäten sowie in den Übergang zu klinischen Studien. Bis Ende 2026 plant das Startup außerdem ein neues Hauptquartier mit mehr als 10.000 Quadratmetern, was auf einen Aufbau von Teamgrößen und Parallelisierung von Entwicklungssträngen schließen lässt.
Auch die Investment-Struktur liefert Kontext dafür, wie ernst die Entwicklung offenbar bereits in frühen Phasen genommen wird. Laut Angaben des Startups wird die Runde von Zhongke Chuangxing angeführt; beteiligt sind außerdem Lenovo Star, 9 Capital, Daotong Investment, Inno Angel Fund, Huada Songhe Biotech Fund, Jifeng Capital und Jiadao Capital. Die Mischung aus strategischem und finanziellem Kapital ist für BCI-Startups häufig ein Indikator dafür, dass neben der Forschung auch eine mittelfristige Go-to-Market-Perspektive mitgedacht wird, selbst wenn konkrete Produkte zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Detail benannt werden. Für andere Teams in der Branche erhöht das den Wettbewerbsdruck indirekt: Wer in invasiven BCI-Feldern weiter investieren will, muss meist schneller an kliniknahe Meilensteine und an belastbare Systemintegrationsdaten gelangen.
Der Produktfahrplan adressiert dabei gleich mehrere Zielbereiche: motorische, visuelle und emotionale BCI. Diese Kategorien zeigen, dass Active Technology nicht nur auf eine einzelne Nutzerfunktion fokussiert, sondern in Richtung einer breiteren Signalinterpretation arbeitet. Motorische Schnittstellen gelten häufig als besonders greifbar, während visuelle und emotionale Anwendungen zusätzliche Anforderungen an Trainingsdaten, Modellrobustheit und Interpretierbarkeit mit sich bringen. Gerade bei emotionbezogenen Signalen ist die Herausforderung, dass Messgrößen oft stärker von Kontext, Personenunterschieden und Datenverarbeitungswegen beeinflusst werden. Gleichzeitig kann eine Plattformarchitektur, die Elektroden, Chips und Decoding-Logik modular zusammenbringt, helfen, Erkenntnisse aus einer Domäne in die nächste zu übertragen, statt jedes Szenario komplett neu zu erfinden.
Für Unternehmen, die KI-gestützte Lösungen im Gesundheits- und Medizintechnikbereich evaluieren, steckt in der Meldung ein praktischer Lernpunkt: KI-Performance entsteht bei BCI nicht erst im Modelltraining, sondern schon bei der technischen Datenerzeugung und beim Signalweg. Wenn flexible Elektroden, dedizierte Chips und Algorithmen wie angekündigt gemeinsam entwickelt werden, kann das die Latenzen im System reduzieren und die Qualität der Rohdaten stabilisieren. Daneben wird die klinische Dimension wichtiger: Active Technology nennt ausdrücklich, dass die Mittel in die Erweiterung von Einrichtungen, die Verbesserung von Ausrüstung, die Förderung klinischer Studien und die Vergrößerung des Teams fließen sollen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die nächsten Fortschritte nicht nur in Forschungsblogs abzeichnen, sondern auch in belastbareren Studiendesigns, die für spätere Kooperationen und Produktentscheidungen entscheidend sind.
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