CAPE TOWN / LONDON (IT BOLTWISE) – Energie-Entscheider treffen sich in Kapstadt zur African Energy Week und rücken Investitionen in Öl, Gas und Energie-Finanzierung in den Fokus. Die Analyse zeigt, wie groß Afrikas Vorräte an Rohöl und Erdgas sind und welche Länder besonders viel Kobalt, Mangan, Lithium und Graphit fördern. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu Strom höchst ungleich: Mehr als 560 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika leben ohne Elektrizität. Damit wird klar, dass der Übergang zur Energiewende vor allem beim Netzausbau und bei der Versorgungsplanung entschieden wird.

Afrikas Energiepotenzial im Blick: Öl, Gas, Rohstoffe und 560 Mio. ohne Strom
Afrikas Energiepotenzial im Blick: Öl, Gas, Rohstoffe und 560 Mio. ohne Strom (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer sich in den vergangenen Monaten mit der Energiewende beschäftigt hat, stößt schnell auf einen Widerspruch: Afrikas Rohstofflage ist in vielen Kategorien enorm, doch die Alltagserfahrung vieler Menschen bleibt energiearm. Genau diesen Spannungsbogen legt ein aktuelles Visual Explainer im Umfeld der African Energy Week offen, die in Kapstadt bis zum 16. Oktober läuft. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Öl und Gas, sondern auch kritische Mineralien für Batterien sowie die Frage, wie Elektrizität tatsächlich erzeugt wird – und wer sie in der Praxis erreicht.

Beim Erdöl fällt die geografische Konzentration besonders auf. Afrika verfügt den Angaben zufolge über rund 125 Milliarden Barrel an nachgewiesenen Rohölreserven, das entspricht 7,2 % des globalen Bestands. Fast 70 % entfallen auf nur zwei Länder: Libyen (48,4 Milliarden Barrel) und Nigeria (36,9 Milliarden Barrel). Algerien folgt mit 12,2 Milliarden Barrel, danach Angola mit 7,78 Milliarden, während Südsudan (3,75 Milliarden) und Ägypten (3,3 Milliarden) vergleichsweise kleiner ausfallen. Interessant ist dabei auch die Produktions-Korrelation: Nigeria lag 2024 als größter Förderstaat Afrikas bei etwa 23 % des Kontinentsausstoßes, obwohl Libyen als Land mit den größten Reserven nur auf Platz vier der Produktion kam. Das verweist auf einen Kernpunkt, der sich in der gesamten Energiekette wiederholt: Verfügbarkeit im Boden ist nicht automatisch gleichbedeutend mit verlässlicher Förderung – politische Konflikte und operative Blockaden können Output wiederholt dämpfen, wie der Verweis auf Produktionsstörungen im Umfeld ausländischer Beteiligungen in Libyen zeigt.

Auch beim Erdgas dominiert eine ähnliche Schieflage zwischen Vorräten und realer Nutzbarkeit. Ende 2023 hatte Afrika laut den Daten fast 18 Billionen Kubikmeter an nachgewiesenem Erdgas. Nigeria und Algerien halten zusammen rund 58 %; auf Mosambik entfallen 2,84 Billionen, auf Ägypten 2,21 Billionen und auf Libyen 1,51 Billionen Kubikmeter. Der Engpass entsteht häufig nicht in der reinen Lagerstatistik, sondern in der Wertschöpfungskette: Während Algerien und Nigeria zu den führenden Exporteuren zählen, bleiben große Teile mosambikanischer Reserven – die offshore und bereits in den 2010er-Jahren entdeckt wurden – offenbar weitgehend unerschlossen. Für Unternehmen, die in Energie- und Infrastrukturprojekte investieren, ist das ein Hinweis darauf, dass Zeitpläne weniger von geologischen Potenzialen als von Genehmigungen, Transportwegen, Umsetzungsrisiken und Finanzierung abhängen.

Während Öl und Gas häufig als „klassische“ Energiequellen eingeordnet werden, verschiebt sich der Schwerpunkt der Energiewende auf kritische Rohstoffe. Für 2025 werden für Afrika hohe Anteile an der globalen Produktion genannt: 71,2 % bei Kobalt und 72,4 % bei Mangan. Kobalt spielt eine Rolle in wiederaufladbaren Batterien, Mangan stärkt vor allem Stahl, findet aber auch in einigen Batterie- und Energiespeicheranwendungen Verwendung. Besonders stark ist die Lage in der Demokratischen Republik Kongo: Der Anteil an der weltweiten Kobaltproduktion wird dort mit nahezu 70 % beziffert. Gleichzeitig wird auf Risiken in der Lieferkette hingewiesen, etwa durch gefährliche Arbeitsbedingungen in manchen Minen, inklusive Berichten über besonders schwere Folgen in Teilen des Abbaus durch handwerkliche Strukturen. Bei Mangan liegt Südafrika bei fast 38 % und Gabun bei nahezu 25 %; zusammen mit Ghana erreichen die drei Länder 72,4 % der globalen Förderung. Bei Lithium werden für 2025 9,6 % des Weltoutputs für Simbabwe genannt, Graphit wiederum kommt 2025 auf 222.000 Tonnen (11,9 % des Weltanteils) in einer Kombination aus Madagaskar, Mosambik und Tansania – entscheidend für die Anoden von vielen Lithium-Ionen-Batterien sowie für weitere industrielle Anwendungen.

Der Blick auf Stromerzeugung zeigt anschließend, warum Rohstoffdaten allein nicht genügen. In 2024 deckten erneuerbare Energien laut den Angaben in Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo die gesamte Stromerzeugung ab. Uganda, Namibia und Eswatini lagen jeweils über 96 % aus erneuerbaren Quellen, überwiegend aus Wasserkraft. Am anderen Ende stehen Länder wie Algerien, Libyen, Niger und Tunesien, wo Erneuerbare weniger als 5 % ausmachten und die Erzeugung hauptsächlich auf Gas oder Öl beruht. Äthiopiens Strommix ist zudem durch ein konkretes Großprojekt geprägt: Die Elektrizität kommt überwiegend aus Wasserkraft, angeführt vom Grand Ethiopian Renaissance Dam am Blauen Nil. Laut den Daten begann das Projekt 2022 mit der Stromerzeugung und wurde im September 2025 offiziell eingeweiht. Technisch zeigt das: Kraftwerksentwicklung, Netzintegration und die Bereitschaft zu langfristiger Betriebsplanung sind für die Wirkung erneuerbarer Anlagen mindestens so wichtig wie die Ressource selbst.

Am klarsten wird die Diskrepanz zwischen Potenzial und Lebensrealität bei der Frage nach dem Stromzugang. Für 2024 nennt der Explainer sechs Länder mit „universellem Zugang“: Algerien, Ägypten, Mauritius, Marokko, Seychellen und Tunesien. Zusammenleben dort rund 215 Millionen Menschen, also etwa 14 % der Bevölkerung Afrikas. Wo der Zugang fehlt, sind die Unterschiede drastisch: In Südsudan haben den Zahlen zufolge nur 5,4 % der Menschen Elektrizität. Malawi erreicht 15,6 %, die Demokratische Republik Kongo 22,5 % – obwohl sie ihren Strom laut Darstellung vollständig aus erneuerbaren Quellen gewinnt. Nigeria, mit Abstand das bevölkerungsreichste Land, liegt bei 62,5 % Zugang und lässt damit ungefähr 85 Millionen Menschen ohne Strom zurück; das sei die höchste absolute Zahl weltweit. In ländlichen Regionen, in denen die Erschließung oft deutlich schwieriger ist als in Städten, nutzen viele Haushalte nach Sonnenuntergang weiterhin Kerosinlampen, Kerzen oder Taschenlampen. Damit werden aus Zahlen direkt operative Herausforderungen: Netzausbau, Stromverteilung und Finanzierung müssen dort ansetzen, wo die Infrastruktur sozial wie geografisch am stärksten auseinanderläuft.

Für die Industrie und für politische Entscheider in den kommenden Investitionsrunden ergibt sich daraus eine klare Priorität: Nicht nur Produktion, sondern Verfügbarkeit zählt. Afrikas Öl- und Gasreserven sowie die Rohstoffbasis für Batterien zeigen, dass der Kontinent gut positioniert ist, um Teil der globalen Energiewende zu sein. Doch solange der Zugang zu Elektrizität nicht flächendeckend gelingt – mehr als 560 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika sollen laut Weltgesundheitsorganisation ohne Strom leben und damit 86 % der weltweiten Nicht-Versorgung ausmachen – bleibt der Wirkungskreis begrenzt. In Kapstadt stehen daher Investitionsentscheidungen in Energie-Finanzierung und die Beendigung von Energiearmut im Fokus: Wer Projekte plant, muss Transport- und Verteilnetze, verlässliche Betriebsmodelle sowie die Risiken in Rohstoff-Lieferketten zusammen betrachten. Genau diese Kopplung aus Technik, Marktlogik und Umsetzungsrisiko entscheidet darüber, ob aus Energie-Reichtum tatsächlich Energie-Sicherheit für breite Bevölkerungsgruppen wird.


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