LONDON (IT BOLTWISE) – Der Air-Force-Secretary Troy Meink fordert mehr Tempo für die Verteidigung gegen KI-gestützte Bedrohungen und verknüpft das mit einer Budgetlogik, die laut ihm bisher nicht zur Geschwindigkeit moderner Kriegsführung passt. Im Kern geht es um den Ausbau kostengünstiger, hochautonomer Systeme, die skaliert werden sollen, darunter tausende One-Way-Angriffsdrohnen und autonome Jäger. Gleichzeitig kündigt er neue Schritte bei Point Defense, Ausbildungsanpassungen sowie eine tiefgreifende Reform der Beschaffung durch Open-Systems-Architecture und Portfolio Acquisition Executives an. Für die nächsten Jahre nennt er konkrete Ziele bis 2032 – und startet Parallelprogramme im Weltraum von proliferierten Konstellationen bis zu einem Space Data Network.

Die Aussage von Troy Meink zielt weniger auf eine einzelne Waffengattung, sondern auf ein Grundproblem: Die Air Force und die Space Force müssten auf Bedrohungen reagieren, die sich schneller verändern als die Planungs- und Beschaffungszyklen klassischer Streitkräfte. In seiner Keynote beim 2026 Air and Space Cyber Conference stellte er die Lage als Mischung aus dynamischen Technologien, aggressiv einsetzenden Gegnern und einem Budgetprozess dar, der laut seinen Worten für ein anderes Tempo des Konflikts gebaut wurde. Entscheidend ist dabei der Gedanke, dass Künstliche Intelligenz nicht nur die eigenen Systeme verbessert, sondern auch die Fähigkeiten der Gegenseite in Bereichen wie Softwareentwicklung, Cyber-Operationen und Hacking intensiviert.
Technisch betrachtet verschiebt sich damit der Schwerpunkt weg von wenigen, teuren Plattformen hin zu Systemen, die sich schneller aktualisieren und in größeren Stückzahlen bereitstellen lassen. Meink nannte als Beispiel den Einsatz sogenannter One-Way-Attack-Drohnen im europäischen Einsatzraum, die dort Artillerie als maßgeblichen „Kill“-Faktor ersetzen sollen, während Panzerungen häufig im Hintergrund blieben. Übertragen auf Engineering-Entscheidungen heißt das: Die Luftkriegskonzepte müssen die industrielle Realität abbilden, dass die „kill chain“ zunehmend durch autonome Sensorik und Wirkmittel bestimmt wird – und dass KI-gestützte Anpassungen sowohl auf Seiten der Zielerfassung als auch im Bereich der Einsatzplanung schneller iterieren.
Für die nächsten Jahre beschreibt Meink genau diesen Rollout entlang mehrerer „Skalen“: Einerseits soll die operative Kampfkraft durch autonome, attritable Systeme massiv wachsen. Meink sagte, dass Spezialeinsatzkräfte in der nahen Zukunft die Fähigkeit erhalten sollen, tausende autonome One-Way-Angriffswaffen einzusetzen. Andererseits sollen autonome Fighter-Designs wie die Collaborative Combat Aircraft, kurz CCA, in den Dienst kommen; als Ziel nannte er mindestens 500 CCA bis 2032, die viele Missionen übernehmen sollen, die bislang von bemannten Jägern ausgeführt werden. Dazu kommen neue Bezeichnungen für zwei autonome Flugzeuge (FQ-42 „Vengeance“ und FQ-44 „Fury“), während parallel an einer neuen Generation unbemannter Multi-Purpose-Fahrzeuge gearbeitet wird.
Besonders greifbar wird der Beschaffungs- und Kostenansatz bei der geplanten Mass Modular Aircraft (MMA): Meink führte aus, dass MMA als bezahlbare, „attritable“ Langstrecken-Kampfleistung eingesetzt werden sollen und in Skaleneffekten geliefert werden. Für 2029 nannte er das Ziel, 100 MMA mit Budgetunterstützung bereitzustellen – und er machte dabei einen Vergleich auf Kostenebene: etwa die Hälfte der Kosten einer CCA und ein Zehntel der Kosten eines Fünftgen-Jägers. Bis 2032 sollen dann 500 solcher Plattformen zum operativen Bestand hinzukommen. Im Kern ist das ein Wechsel in der Produktlogik: Nicht jede Rolle wird durch „die eine“ High-End-Plattform abgedeckt, sondern durch eine Kombination aus bemannten Systemen und stark automatisierten unbemannten Gegenstücken, die gemeinsam skaliert werden sollen.
Damit verbunden ist auch eine Neupositionierung bei der Abwehr gegen Luftbedrohungen, die Meink unter „Point Defense“ zusammenfasst – also die Verteidigung von Basen, Flugplätzen und laufenden Operationen. Er betonte neue Trainings- und Fokusmaßnahmen, damit diese Funktion in einer Welt von Drohnen und KI nicht an Schnittstellen reißt. Auch die Ausbildung wird angefasst: Basic Military Training soll laut Meink umgestaltet werden, um Airmen früh an Flightlines, Trainingsbereiche und das operative Umfeld heranzuführen; zudem werde die Air Force Academy reorganisiert, um stärker auf den „Beruf der Waffen“ auszurichten. Parallel gibt es laut den Ausführungen bereits „hunderte“ KI-Tools, die Aufgaben von der Sortieplanung bis zur Datenfusion unterstützen.
Der organisatorische Unterbau, der solche Programme überhaupt in Bewegung hält, besteht aus einer Beschaffungsreform. Meink sagte, dass 26 Portfolio Acquisition Executives eingesetzt wurden, die für definierte Missionsbereiche beschleunigte Lieferungen verantworten – und dass ihnen „fast jede“ Befugnis übertragen werde, die rechtlich möglich ist. Für die meisten Programme soll das sogar die Milestone Decision Authority einschließen, ein Schritt, der als bedeutend für die Beschaffungscommunity bezeichnet wurde. Im Ergebnis verfolgt das Department laut Meink auch Konzepte wie Open Systems Architecture, um die Beschaffung zu beschleunigen und die Industrie stärker gegeneinander antreten zu lassen: mehr Wettbewerb, bessere Auswahl, bessere Preise – und damit mehr Kampfkraft. Meink warnte zugleich vor möglichen Barrieren, etwa wenn Waffen, Komponenten oder Systeme die Kostenkurve überholen; trotz sehr guter Leistung würden die Kosten schneller wachsen als die Inflation.
Auch im Weltraum wird diese Logik in die Architektur übersetzt. Meink erwähnte, dass die Space Force bereits Waffen im Orbit eingesetzt habe und die Einsatzbereitschaft gegen bestehende Bedrohungen erhöhe; zudem verwies er auf on-orbit Space-Control-Waffen, die die Joint Force vor feindlichen Handlungen schützen sollen. Zusätzlich nannte er Programme wie den Space-Based Interceptor, der laut seinen Angaben von einem ersten Vertrag bis hin zu flugfähiger Hardware in weniger als einem Jahr gereicht habe. Weiter kündigte er Fortschritte beim Space Data Network an sowie den Start der Air Moving Target Indication-Konstellation „diesen Monat“. Insgesamt zeichnete er damit ein Bild, in dem Künstliche Intelligenz und autonome Systeme nicht nur Fähigkeiten im Kampf verändern, sondern auch die Art, wie Streitkräfte planen, trainieren und beschaffen.
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