DENVER / MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Die Raumfahrtindustrie steht vor einem spannenden Wandel, da das Unternehmen Albedo kurz vor dem Start seines ersten Satelliten steht, der in einer sehr niedrigen Erdumlaufbahn (VLEO) operieren soll.

Die Idee, Satelliten in extrem niedrigen Erdumlaufbahnen zu betreiben, ist nicht neu. Bereits in den 1950er Jahren umkreisten die ersten US-Spionagesatelliten im Rahmen des Corona-Programms die Erde in Höhen von nur 120 bis 160 Kilometern. Diese niedrige Umlaufbahn bot den Vorteil, hochauflösende Bilder der Erde zu liefern, stellte jedoch auch Herausforderungen wie den atmosphärischen Widerstand dar. In den letzten Jahrzehnten haben sich die meisten Satelliten in höhere Umlaufbahnen zwischen 400 und 800 Kilometern bewegt, um diesen Widerstand zu minimieren und gleichzeitig eine gute Kommunikationsqualität zu gewährleisten. In jüngster Zeit haben einige neue Raumfahrtunternehmen Pläne angekündigt, Satelliten zu entwickeln, die in sehr niedrigen Erdumlaufbahnen operieren können. Eines dieser Unternehmen ist das in Denver ansässige Startup Albedo. Gegründet von ehemaligen Ingenieuren von Lockheed Martin und einem Softwareentwickler von Facebook, hat Albedo seit 2021 über 100 Millionen US-Dollar gesammelt, um Satelliten zu entwickeln, die Bilder mit einer Auflösung von 10 cm liefern können. Diese Auflösung ist deutlich höher als die derzeit verfügbaren kommerziellen Satellitenbilder und konkurriert mit den besten Spionagesatelliten der USA. Der erste große Test für Albedo steht kurz bevor, da der Satellit Clarity-1 im Rahmen der “Transporter-13”-Mission auf einer SpaceX Falcon 9-Rakete starten soll. Der Satellit wird in einer Höhe von 500 bis 600 Kilometern ausgesetzt und soll sich dann auf eine Betriebsbahn von 274 Kilometern absenken. Clarity-1 ist größer als ein Kühlschrank und soll eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren haben. Albedo hat kürzlich einen Vertrag mit dem US Air Force Research Laboratory gewonnen, um VLEO-spezifische Daten zu teilen und Analysen zur Unterstützung neuer Missionen bereitzustellen. Die Vorteile einer solchen Plattform umfassen eine überlegene Bildqualität und eine natürliche Entfernung von Weltraummüll. Allerdings gibt es auch Herausforderungen, wie die reaktive und energiereiche atomare Sauerstoffumgebung, die die Materialien der Satelliten angreifen kann. Die Steuerung und Ausrichtung der Satelliten ist in VLEO ebenfalls schwieriger, da die Erdrotation schneller wirkt. Albedo plant, in den nächsten Jahren eine Konstellation von etwa 24 Satelliten zu erreichen, abhängig von der Kundennachfrage. Das Unternehmen hat bereits mehrere kommerzielle Kunden, die Clarity-1 für verschiedene Zwecke einsetzen wollen, darunter die Überwachung von Energie- und Pipelines sowie die Wartung von Solarfarmen.
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