PFORZHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Amazon weitet seinen Standort in Pforzheim deutlich aus und will das Personal dort bis Ende 2029 mehr als verdoppeln. Dafür sind über 300 Millionen Euro Investitionen geplant. Der Standorttyp verschiebt sich: Statt größere Artikel sollen dort künftig vor allem kleine bis mittlere Waren bereitgestellt werden. Auch der Umbau mit rund 20.000 Lagerplätzen und mobilen Transportrobotern steht im Fokus der Planungen.

In Pforzheim wird aus einem klassischen Lagerstandort zunehmend ein stärker automatisierter Kommissionier- und Bereitstellbereich. Amazon kündigt an, den bestehenden Standort in der Stadt im Südwesten deutlich zu erweitern und dabei nicht nur Kapazitäten auszubauen, sondern auch den Zuschnitt der gelagerten Artikel zu verändern. Im Kern geht es um eine Ausrichtung auf kleine bis mittlere Produkte: Vom USB-Stick bis hin zum Bügeleisen, wie es aus dem Unternehmen hieß. Der Umbau betrifft damit weniger das „ob“ der Logistikflächen als vielmehr das „wie“ der Materialflüsse im Betrieb.
Technisch betrachtet verschiebt die Entscheidung den Schwerpunkt weg von großen Lagergütern hin zu einer feineren Bereitstellung für die Mitarbeitenden. Amazon beschreibt den Wechsel als Standorttyp-Änderung: Statt wie bisher eher mittelgroße Artikel zu lagern, sollen künftige Prozesse auf kleinere bis mittlere Artikel ausgelegt werden. Nach Abschluss der Umstellung soll dafür Platz für rund 20.000 dieser Artikelkategorien bzw. -positionen vorhanden sein. Gleichzeitig wird der Materialtransport im Arbeitsalltag neu organisiert, denn „hunderte“ Transportroboter bringen dann mobile Regale zu den Beschäftigten. Dadurch sollen Laufwege entfallen, was vor allem für die Effizienz pro Schicht relevant ist.
Mit dem Ausbau steigt auch die geplante Personalkapazität deutlich. Bislang arbeiteten am Standort nach Unternehmensangaben über 1.000 Menschen; Ziel ist es, die Zahl in den nächsten drei Jahren auf deutlich mehr als 2.000 Mitarbeitende zu erhöhen. Wichtig ist dabei die Aussage zur Übergangsphase: Während der Umbauzeit sollen den Angaben zufolge alle bisherigen Arbeitsplätze bestehen. Damit setzt Amazon auf eine Parallelisierung von laufendem Betrieb und Bauphase – eine organisatorisch anspruchsvolle Kombination, weil logistische Prozesse während der Inbetriebnahme neuer Zonen meist nur in abgestimmten Zeitfenstern „durchgängig“ laufen können.
Die Größenordnung der Investition wird in der Region vor allem als Standortsignal gelesen. Aus der Stadtverwaltung wird die Maßnahme als starkes Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Pforzheim eingeordnet. Oberbürgermeister Peter Boch sagte dazu: „In keiner anderen Kommune in Baden-Württemberg sind in den letzten Jahren derart hohe ausländische Direktinvestitionen geflossen, die auch tatsächlich baulich am Standort in Wert gesetzt wurden“. Solche Aussagen zeigen, wie eng Investitionsentscheidungen in der Logistik nicht nur mit Arbeitsplätzen, sondern auch mit Infrastruktur, Flächenentwicklung und lokalen Lieferketten verbunden sind.
Auch der Kontext innerhalb des Bundeslands ist ein Teil des Bildes. Amazon betreibt in Baden-Württemberg eigenen Angaben zufolge zehn Standorte mit derzeit 3.000 Beschäftigten. Für Pforzheim bedeutet das: Der Ausbau ist weniger ein vollständiger Neubeginn als vielmehr eine strategische Verdichtung innerhalb eines bestehenden Standortnetzes. Für Betreiber und Fachkräfte heißt das vor allem, dass sich Qualifikationsprofile weiter verschieben: Wo früher eher klassische Lager- und Bestandsarbeit dominierte, werden Kompetenzen rund um automatisierte Transportprozesse, Schnittstellen zwischen Robotik und Lagerverwaltung sowie das Zusammenspiel von Technik und operativen Abläufen wichtiger.
Für die Markt- und Industrieperspektive ist entscheidend, dass der Umbau auf ein deutlich anderes Artikelprofil zielt. Kleine bis mittlere Waren lassen sich in der Regel anders „taktieren“ als größere Güter: Die Wahrscheinlichkeit für häufigere Bewegungen pro Einheit steigt, während die Bedeutung von schnellen Zugriffen und konsistenter Bereitstellung an den Arbeitsplätzen wächst. Genau hier setzen mobile Transportroboter typischerweise an, weil sie Regale statt Personen bewegen. Damit wird der Standort nicht nur größer, sondern auch prozessual neu kalibriert – ein Schritt, der sowohl im Wettbewerb um Liefergeschwindigkeit als auch im Blick auf Effizienzkennzahlen im Fulfillment relevant ist.
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