ERLANGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Auf der AMB 2026 nutzte Dormer Pramet den Messeauftritt in Stuttgart, um nicht nur Produkte, sondern konkrete Zerspanungsprobleme direkt mit Kunden zu besprechen. Im Mittelpunkt standen Werkzeugauswahl, Schnittparameter, Standzeit, Prozesssicherheit und Produktivität entlang kompletter Bearbeitungsprozesse. Ergänzt wurde das Gesprächsformat durch neue Entwicklungen beim Drehen, Fräsen und Bohren sowie eine Ausstellung für das dynamische Schienenfräsen in Originalgröße. Die begleitende Automationslösung zielte zudem auf einen sichereren Werkzeugzugriff und Echtzeit-Transparenz im Bestandsmanagement.

AMB 2026: Dormer Pramet setzt auf echte Zerspanungsprobleme aus der Praxis
AMB 2026: Dormer Pramet setzt auf echte Zerspanungsprobleme aus der Praxis (Foto: IT BOLTWISE)
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Die AMB 2026 hat bei vielen Ausstellern den typischen Fokus auf Neuheiten aus Software, Maschinensteuerung oder Werkstoffentwicklung. Bei Dormer Pramet verschob sich die Gewichtung spürbar in Richtung der alltäglichen Realität an der Maschine: Welche Werkzeuge funktionieren unter konkreten Schnittdaten, wie stabil bleibt die Prozesssicherheit über Schichten hinweg, und warum weichen Ergebnisse in der Produktion manchmal vom Laborversprechen ab. Laut den Messeberichten begann diese Diskussion nicht erst im Anschluss an technische Vorträge, sondern direkt am Stand – mit Bestandskunden, Vertriebspartnern und weiteren Akteuren aus der Werkzeugmaschinenbranche, die ihre Anwendungsfälle bereits mit Zeichnungen und Prozessrandbedingungen mitbrachten. Genau diese Art von „vom Problem her denken“ ist in der Zerspanung entscheidend, weil Werkstoff, Bauteilgeometrie, Maschinensteifigkeit und Spannkonzept die optimale Werkzeugwahl und die sinnvollen Schnittparameter gemeinsam determinieren.

Technisch betrachtet dreht sich die Leistungsfähigkeit eines Zerspanprozesses selten um einen einzigen Stellhebel. Dormer Pramet beschreibt den Gesprächsrahmen daher entlang einer durchgängigen Kette: von der Auswahl der Werkzeuge über die Festlegung von Schnittparametern bis hin zu Themen wie Standzeit und Produktivität. Für die Praxis bedeutet das: Selbst wenn ein Werkzeug für einen Werkstoff grundsätzlich geeignet ist, können Abweichungen bei Vorschub, Drehzahl, Kühlstrategie oder Werkzeuggeometrie die Standzeit und damit die Stückkosten spürbar verschieben. Besonders deutlich wird das, wenn Kunden nicht nur „welches Werkzeug“ fragen, sondern auch „warum“ – etwa im Hinblick auf Prozessstabilität oder die Frage, wie sich Ergebnisse bei wechselnden Aufträgen reproduzieren lassen. Im gleichen Kontext gewinnt Anwendungstechnologie an Relevanz, weil sie das Wissen aus der Parameterwahl in eine wiederholbare Entscheidungsvorlage übersetzt.

Bemerkenswert war zudem die klare Struktur der Ansprechpersonen: Neben Anwendungsingenieuren traten Markt- und Vertriebsspezialisten aus dem DACH-Raum auf, sodass Besucher gleichzeitig über konkrete Zerspanungsprobleme und über allgemeine Produktionsanforderungen sprechen konnten. Diese Verzahnung ist gerade dort hilfreich, wo technische Entscheidungen nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern in Einkaufszyklen, Qualitätsziele und Lieferfähigkeit eingebettet sind. Dass am Stand auch neue Kontakte entstanden, wurde dabei nicht als reines Marketingziel dargestellt, sondern als Gelegenheit, unterschiedliche Fertigungsanforderungen zu verstehen und technisches Know-how auszutauschen. Der Marktleiter DACH, Helmut Depner, fasste das Umfeld mit Blick auf die Qualität der Gespräche so zusammen: „Die Leute kamen mit echten Herausforderungen im Bereich der Zerspanung, mit Zeichnungen und Anwendungsfällen zu uns, die sie besprechen wollten. Das gab unserem Team die Gelegenheit, zuzuhören, Fragen zu stellen und herauszufinden, wo unsere Erfahrung und unsere Werkzeuge von Nutzen sein könnten.“

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den vorgestellten technologischen Ansätzen für das Jahr 2026, die sich auf Drehen, Fräsen und Bohren beziehen. Damit adressiert der Auftritt gleich mehrere Ebenen: Erstens können Kunden neue Werkzeuge kennenlernen, zweitens lässt sich an konkreten Anwendungen diskutieren, wie sich die Leistung in den jeweiligen Einsatzbereichen verbessern soll. Besonders anschaulich wirkte dabei die Schienenausstellung, bei der ein Fräser für das dynamische Schienenfräsen in Originalgröße und Spezialwerkzeuge die spezifischen Herausforderungen bei der Schienenherstellung sowie -instandhaltung verdeutlichen. Solche Anwendungen zeigen typischerweise eine Mischung aus engen Toleranzen, wechselnden Zustandsbildern am Bauteil und hohen Anforderungen an die Standzeit. Wenn hier sowohl Standard- als auch individuell angefertigte Werkzeuglösungen thematisiert werden, wird deutlich, dass die Werkzeugentwicklung in der Praxis oft genau dann am meisten bringt, wenn sie als Antwort auf real variierende Bedingungen gestaltet wird.

Daneben verschob sich die Diskussion auch auf die Verfügbarkeit der richtigen Werkzeuge zur richtigen Zeit. Die „intelligente Automatenlösung“ wurde dabei nicht als isoliertes Automationsprojekt eingeordnet, sondern als Erweiterung der Zerspanungsthematik hin zu Werkzeugzugriff, Bestandsmanagement und operativer Steuerbarkeit. In vielen Werkstätten ist die Werkzeuglogistik ein Engpass, der Qualitätsprobleme indirekt verstärken kann: Wenn bestimmte Werkzeuge nicht rechtzeitig verfügbar sind oder Bestände schwer nachvollziehbar sind, entstehen Umrüstzeiten, Probenläufe und unnötige Sicherheitsaufschläge bei der Prozessplanung. Genau hier setzt das Argument der Echtzeit-Transparenz an: Sicherer Zugriff, automatische Nachschubversorgung und ein aktueller Überblick sollen dem Kunden laut Beschreibung bessere Kontrolle über die Werkzeugverfügbarkeit in der Produktion ermöglichen. Für Unternehmen ist das relevant, weil Produktionssicherheit nicht nur aus der Standzeit der Schneiden entsteht, sondern auch aus der Fähigkeit, stabile Prozessketten ohne Unterbrechungen zu betreiben.

Am Ende lässt sich der Messeauftritt als anwendungsorientierter Ansatz zusammenfassen: Zuerst wird die Herausforderung präzise erfasst, danach werden passende Werkzeuge, technisches Know-how und unterstützende Serviceelemente zusammengeführt. Der wiederkehrende Ton in den Gesprächen zielte auf einen kontinuierlichen Dialog, der über den Messestand hinausgeht. Für die Kunden ist das vor allem dann wertvoll, wenn sie konkrete nächste Schritte definieren wollen – etwa bei der Optimierung von Standzeit und Produktivität, bei der Verbesserung von Prozesssicherheit oder bei der Festlegung von Schnittdaten für anspruchsvolle neue Anwendungen. Dormer Pramet betont, dass die Gespräche nach der AMB nicht beendet seien, sondern mit dem Team am Standort beziehungsweise im laufenden Jahresgeschäft weitergeführt werden können. Damit verbindet der Anbieter die technische Beratung stärker mit dem operativen Alltag, und genau diese Kopplung dürfte auch in kommenden Beschaffungs- und Optimierungsprojekten eine zentrale Rolle spielen.


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