LONDON (IT BOLTWISE) – Anduril soll offenbar eine neue Finanzierungsrunde planen, die die Bewertung von rund 61 Milliarden US-Dollar deutlich anheben könnte. Laut Berichten aus dem Marktumfeld wird die Bewertung dabei in Richtung 100 Milliarden US-Dollar gezogen. Entscheidend ist dabei offenbar ein zweistufiges Vorgehen, bei dem später eintretende Investoren zu einem höheren Preis einsteigen. Für die Verteidigungs- und KI-Branche ist das ein weiteres Signal, dass Kapital jetzt stärker in skalierbare Fertigung und kostengünstige Systeme fließt.

Anduril steht offenbar kurz vor einem nächsten Schritt in Richtung „Jahrhundertwert“: Berichten aus dem Marktumfeld zufolge verhandelt das Unternehmen eine neue Finanzierungsrunde, die seine Bewertung um rund 40 Milliarden US-Dollar auf etwa 100 Milliarden US-Dollar steigern könnte. Dass dabei überhaupt so viel Spielraum entsteht, liegt auch an der Dynamik des Geschäfts. Bereits im Mai hatte Anduril eine Finanzierungsrunde über 5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, verbunden mit einer Bewertung von 61 Milliarden US-Dollar. In derselben Meldelinie wird die Größenordnung sogar noch deutlicher, weil diese 61 Milliarden US-Dollar als deutlich über dem Wert eingeordnet werden, der im Juni 2025 in einer Serie-G-Runde erzielt wurde.
Für die Preisbildung ist besonders relevant, wie der Deal ausgestaltet sein soll. Laut den Berichten aus dem Marktumfeld könnte das Funding als zweistufiger Prozess geplant sein: eine erste Tranche zu einer niedrigeren Bewertung und eine zweite Tranche zu einem höheren Bewertungspreis. Solche gestaffelten Strukturen werden in der Praxis genutzt, um kurzfristige Mittelzuflüsse zu sichern, ohne den Maximalpreis im späteren Teil zu verlieren. Wenn beide Teile noch innerhalb des Jahres geschlossen werden, kann das außerdem dazu beitragen, Investoren früh und gleichzeitig mit klaren Bedingungen nachzuladen.
Die Finanzierungsthemen passen wiederum in ein breiteres Bild, das die Verteidigungsbranche derzeit prägt: Eine Nachfragewelle nach Drohnen, autonomen Plattformen und KI-gestützter Kriegsführung beschleunigt nicht nur den Umsatz, sondern auch die Risikobereitschaft im Startup-Ökosystem. In den ersten sechs Monaten des Jahres soll sich das Venture-Capital für Verteidigungstechnologie auf über 12 Milliarden US-Dollar verdoppelt haben. Damit wird ein Vergleichsmaßstab sichtbar, der aus Investorensicht entscheidend ist: In einem „normalen“ Marktzyklus wären solche Anstiege selten, in dieser Phase werden sie aber gerade durch den Ausbau günstiger Systeme und durch den Druck auf Lieferketten plausibel.
Genau diese Verschiebung weg von teuer-ersetzbaren Komponenten hin zu häufigeren, eher „auswechselbaren“ Einsätzen zieht sich durch mehrere Deals, die im selben Kontext genannt werden. Berichtet wird von dem Trend zu „attritable systems“, bei denen weniger der einzelne High-End-Wert im Vordergrund steht als vielmehr die Skalierbarkeit in großen Stückzahlen. Anduril wird in diesem Zusammenhang als Nutznießer genannt: Das Unternehmen soll Verträge mit dem US-Verteidigungsministerium sowie Teilstreitkräften, mit europäischen Verteidigungsbehörden, mit NATO-Umfeldern und mit weiteren staatlichen Akteuren abgeschlossen haben. Auch die internen Kennzahlen werden konkret angeführt: Anduril habe den Umsatz 2025 auf 2,2 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt.
Technisch betrachtet wird der Attrition-Ansatz nur dann wirtschaftlich, wenn das gesamte Systemdesign die Kostenstruktur stützt – von der Sensorik bis zur Einsatzlogik. Im Marktvergleich wird deshalb häufig auf autonome Drohnen als Referenzverwiesen, weil sie den Charakter moderner Gefechtsfelder mit begrenzter Vorhersagbarkeit abbilden: Fahrzeuge müssen operativ flexibel sein, während die Stückkosten niedrig bleiben. In der Meldelinie werden zudem zwei weitere Themen gekoppelt: eigene Kontrolle über den Antrieb und die Absicherung gegen Lieferengpässe. Während Mach eine Übernahme eines Herstellers für Festbrennstoff-Raketentriebwerke für 50 Millionen US-Dollar im Mai nennt, wird für Anduril beschrieben, dass staatliche Finanzierung auf den Ausbau der inländischen Fertigung von Festbrennstoff-Raketentriebwerken zielt. Das ist strategisch, weil der Engpasscharakter bei Motoren lange vor dem konkreten Trend zu „billig genug, um sie öfter zu nutzen“ bestanden hat und Lieferketten realistisch oft langsamer reagieren als Produktanforderungen.
Auch die Kapitalgeberseite zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne Wetten handelt, sondern um eine breitere Priorisierung. In der Berichtsfolge werden Investoren wie Thrive Capital, Andreessen Horowitz, Founders Fund, ICONIQ, Flux Capital, Greycroft, Altimeter sowie 1789 Capital genannt; außerdem wird JD Vance als Teil der Investorengruppe erwähnt. Für Unternehmen in der gleichen Phase ist das signalstark: Wenn Bewertungen bereits im zweistelligen Milliardenbereich steigen und gleichzeitig Prozesse wie zweistufige Tranches genutzt werden, verschiebt sich der Wettbewerb um Kapital auf Fragen wie Time-to-Delivery, Produktionsskalierung und die Fähigkeit, den Betrieb unter Realbedingungen zu unterstützen.
Unterm Strich deutet die mögliche 100-Milliarden-Dollar-Bewertung auf ein Marktumfeld hin, in dem Verteidigungstechnologie zunehmend wie ein „Industrie-Scale“-Geschäft behandelt wird: nicht nur durch bessere Algorithmen oder neue KI-Workflows, sondern auch durch die Fähigkeit, Material, Antriebe und Systemintegration in Volumen umzusetzen. Für Anduril selbst bleibt die konkrete Ausgestaltung der Tranche entscheidend – vor allem, ob die zweite Stufe tatsächlich den Sprung in Richtung der 100 Milliarden US-Dollar trägt. Gleichzeitig liefern die genannten Beispiele aus anderen Startups einen Hinweis darauf, dass Anleger gerade nicht allein die Softwareleistung bewerten, sondern zunehmend das Gesamtpaket aus Plattform, Fertigung und Lieferkettenresilienz.
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