BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Anker zeigt auf der IFA 2026 mit „MindBase“ einen Smart-Home-Hub, der als Matter-Controller 1.5 komplett eigenständig arbeitet. Zusätzlich integriert das Gerät lokal erweiterbaren Speicher im NAS-ähnlichen Stil und verarbeitet Video-Mitschnitte für Sicherheitsfunktionen direkt auf der Hardware. Als KI-Element nennt Anker einen „TrueSmart Agent“, der Ereignisse in Echtzeit bewertet und je nach Risiko über Beobachtung, Lichtsignale oder Warnungen reagiert. Unklar bleibt zunächst der Preis und der Verkaufsstart, während der Konzern zudem seine Eufy- und Soundcore-Marken unter das Anker-Dach überführen will.

Anker nutzt die IFA 2026 in Berlin, um den nächsten Schritt in Richtung „Smart Home als zentrale Bedienoberfläche“ zu zeigen: Mit dem MindBase positioniert sich der Hersteller nicht nur als Controller, sondern als Mischung aus Matter-Zentrale, Kamera-Basisstation und lokaler KI-Workstation. Der Kern ist ein Matter 1.5 Controller, der die Rolle des Hubs übernimmt, ohne dass zwingend ein zusätzliches Gate- oder Bridge-Gerät nötig ist. Wer bereits smarte Beleuchtung, Garagentor-Öffner, Robotervakuums oder Sensoren im Matter-Ökosystem nutzt, kann diese an MindBase anbinden und dann über die Anker-App steuern.
Technisch entscheidend ist dabei die Interoperabilität über mehrere Plattformen hinweg. Neben Matter-kompatiblen Geräten lässt sich das MindBase laut Hersteller auch in Apple Home, Google Home, Amazon Alexa und Home Assistant integrieren. Genau diese Mehrwegbindung wird häufig dort relevant, wo Haushalte nicht „neu“ anfangen, sondern heterogene Setups zusammenwachsen lassen. Mit dem MindBase verschiebt sich dann der Fokus vom einzelnen Hersteller-Produkt hin zu einem gemeinsamen Steuerungspunkt, der den Alltag abbildet: Geräte hinzufügen, Zustände überwachen, Automationen anstoßen und dabei möglichst konsistente Zugriffswege für unterschiedliche Ökosysteme behalten.
Daneben spielt Ankers Sicherheitsstrategie eine große Rolle, weil MindBase als leistungsfähigere Variante der bestehenden HomeBase-Kamera-Hubs verstanden werden kann. Der Hub unterstützt bis zu 16 drahtlose Sicherheitskameras, und über ein externes PoE-Netzwerkswitch-Setup kommen laut Angaben weitere vier Kameras per Power over Ethernet hinzu. Für Bestandsnutzer der HomeBase S380 verspricht Anker eine Datenmigration: Die Nutzer sollen ihre vorhandenen Aufnahmen auf MindBase übertragen können. Damit zielt Anker auf einen klassischen Hersteller-„Lock-in“-Hebel ab, diesmal aber flankiert durch offene Steuerungsstandards wie Matter und den Zugriff über mehrere Smart-Home-Frontends.
Im Mittelpunkt steht jedoch die Kombination aus On-Device-KI und lokaler Auswertung. Anker benennt diese Funktion als „TrueSmart Agent“ und setzt dabei auf ein in-house LLM, das laut Hersteller für die Verarbeitung von Videodaten aus angeschlossenen Kameras auf einem 26 TOPS-Compute-Niveau basiert. Zum Einordnen nennt Anker als Kontext, dass Microsoft Copilot PCs typischerweise mindestens 40 TOPS bereitstellen; wie sich das im Alltag bei unterschiedlichen Auflösungen, Bildraten und Modellvarianten auswirkt, ist aber letztlich eine Frage der konkreten Implementierung. Anker beschreibt den Agenten so, dass er Ereignisse in Echtzeit bewertet und anschließend je nach Einschätzung reagiert – etwa durch Beobachtung, Lichtsignale, verbale Warnungen oder aktive Abschreckung.
Für Unternehmen und technisch versierte Privatanwender ist außerdem interessant, dass MindBase eine NAS-nahe Speicherstrategie verfolgt, statt ausschließlich auf Cloud-Aufbewahrung zu setzen. Das Gerät startet mit 64 GB internem Flash und unterstützt laut Anker zusätzliche Speichermedien bis zu 48 TB über Erweiterungslaufwerke. Zusätzlich soll die Suche in gespeicherten Dokumenten, Aufnahmen und Dateien per natürlicher Sprache möglich sein, ohne dass persönliche Daten in die Cloud ausgelagert werden. Außerdem ist kein Abo für die MindBase-Funktionen vorgesehen. Genau diese Kombination adressiert zwei Spannungsfelder gleichzeitig: Speicher und Ereignis-Intelligenz sollen lokal bleiben, während die Bedienung über KI-Suche und Agenten möglichst einfach wirken soll.
Zum Start bringt Anker außerdem ein MindBase Security Kit in den Handel, das mit der neu angekündigten Eufy TrackLight Cam S1 und einer Video Doorbell S4 sowie Ein- und Bewegungsmeldern ergänzt wird. Zusätzlich ist ein „Smart Security Shield“ Teil des Pakets: Anker beschreibt ihn als Sensor, der „strangers“ bis zu 15 Meter erkennen könne; über ein DSKey-Digitalzertifikat soll das System Familienmitglieder bis zu 30 Meter unterscheiden können. Wie genau die Zuordnung erfolgt, bleibt zunächst offen, was bei biometriefreien Ansätzen auch an der Frage hängt, welche Identifikationssignale (etwa aus Geräten, Codes oder Berechtigungsdaten) konkret genutzt werden. Zugleich kündigt Anker an, dass die Submarken Eufy und Soundcore „bald“ nicht mehr weitergeführt werden sollen und künftig alles unter dem Anker-Namen läuft – eine Konsolidierung, die die Produktlogik vereinfachen kann, aber auch zeigt, wie sehr der Konzern die MindBase-Plattform als gemeinsamen Markenkern ausbauen will.
Offen sind zum aktuellen Stand vor allem zwei Punkte: der Preis sowie der genaue Termin für den Verkaufsstart. Für die Marktdynamik ist das trotzdem ein Signal, weil MindBase gleich mehrere Trendrichtungen in einem Gerät bündelt: Matter als Verbindungsstandard, lokal erweiterbaren Speicher als Alternative zu cloudlastigen Workflows und On-Device-KI als Schutz- und Komfortschicht für Sicherheitsanwendungen. Wenn Anker später weitere Agenten ankündigt – etwa für Energie-Management oder für die Steuerung smarter Reinigung – dürfte der Wettbewerb weniger auf „welche Kamera“ als vielmehr darauf hinauslaufen, wie gut ein Hub-Ökosystem Ereignisse versteht, lokal auswertet und sich in heterogene Haushalte einfügt.
Für den praktischen Rollout bedeutet das: Wer jetzt ein Matter-Setup plant, kann mit MindBase auf eine zentrale Schaltstelle zielen, statt mehrere Geräte-„Inseln“ zu betreiben. Wer bereits Kamerasysteme im Anker-Umfeld besitzt, bekommt zumindest einen Pfad zur Migration. Und wer Wert auf lokale Datennutzung legt, achtet besonders darauf, ob die versprochene „no offload to cloud“-Position in der tatsächlichen Produktlogik und bei wiederkehrenden Updates stabil bleibt.
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