LONDON (IT BOLTWISE) – Apple meldet deutlich steigenden Gewinn und ein kräftiges iPhone-Wachstum, doch zwei Geschäftsbereiche treffen nicht die Erwartungen. In China bleibt der Umsatz unter den Prognosen, und auch die Einnahmen aus Dienstleistungen liegen hinter den Schätzungen. Amazon legt derweil dank AWS spürbar zu und zeigt, wie stark die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur weiter läuft.

Apple hat im abgelaufenen Quartal zwar insgesamt überzeugende Zahlen geliefert, die Börse reagierte dennoch nervös. Der Gewinn kletterte zwischen April und Juni um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden US-Dollar. Getrieben wurde das Wachstum vor allem von den iPhone-Verkäufen, während andere Sparten für Anleger offenbar weniger berechenbar wirkten.
Im iPhone-Geschäft meldet Apple im Jahresvergleich einen Umsatzsprung um nahezu 22 Prozent auf 54,25 Milliarden US-Dollar. Damit lag das Unternehmen über den durchschnittlichen Erwartungen, die Analysten zuvor an das Segment geknüpft hatten. Auch der Smartphone-Bereich blieb ein Hauptmotor: Die Geräte trugen rund die Hälfte des Gesamtumsatzes bei, der insgesamt um 16 Prozent auf gut 109,4 Milliarden US-Dollar stieg.
Weniger positiv fiel dagegen der Blick auf das restliche Ergebnisbild aus. Apples Ergebnis im Quartal profitierte zwar zusätzlich von bereits verbuchten Rückzahlungen aus US-Importzöllen, nachdem einige Maßnahmen in den USA vom Obersten Gericht der Vereinigten Staaten gekippt worden waren. Gleichzeitig verfehlte der Konzern jedoch in zwei Bereichen die Erwartungen: Dienstleistungen sowie das China-Geschäft. Beim Umsatz in China nennt Apple 18,8 Milliarden US-Dollar; prognostiziert waren 19,6 Milliarden. Bei Dienstleistungen erwarteten Analysten im Schnitt 31,4 Milliarden US-Dollar, tatsächlich lagen die Einnahmen bei 30,7 Milliarden.
Für die Bewertung der Aktie ist besonders relevant, dass der Kurs nach der Bekanntgabe im nachbörslichen US-Handel zeitweise um rund acht Prozent nachgab. Solche Bewegungen sind an Quartalsstichtagen weniger ein Urteil über den bisherigen Geschäftsbetrieb als über die Preisgabe zukünftiger Erwartungen. Wenn ein iPhone-Wachstum zwar liefert, aber China und Services abkippen, entsteht für Investoren schnell die Frage, ob das Muster auch im nächsten Quartal gilt oder ob der Konzern stärker auf nur einen Wachstumstreiber angewiesen ist.
Das Gegenbild liefert Amazon, das in derselben Berichtssaison vor allem mit seiner Cloud-Sparte AWS überzeugt. Während das Unternehmen von außen oft als Versender wahrgenommen wird, achten Investoren bei den Quartalszahlen besonders auf die Entwicklung von AWS, weil dort die Skalierung von Rechenleistung, Speicher und Datenbanken über das Internet zentral ist. Amazon meldete für AWS einen Umsatzanstieg um 37 Prozent im Jahresvergleich auf 42,2 Milliarden US-Dollar und nannte das als stärkstes Wachstum seit 18 Quartalen. Die erwarteten Erlöse lagen im Schnitt bei rund 40,5 Milliarden US-Dollar.
Auch auf Konzernebene wächst Amazon weiter: Die Erlöse stiegen im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn sprang von 18,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf knapp 62,65 Milliarden US-Dollar nach oben. Allerdings enthält die Zahl laut Bericht zusätzliche Buchgewinne, unter anderem durch die Neubewertung der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic; vor Steuern lagen diese bei 53,4 Milliarden US-Dollar. Für die operative Einordnung bleibt damit wichtig, wie stark sich die Cloud-Performance ohne solche Effekte trägt.
Aus technischer Sicht zeigt der Vergleich zwischen Apple und Amazon vor allem zwei unterschiedliche Wachstumshebel. Apple hängt im Kern am Geräte-Absatz und muss zusätzlich die wiederkehrender wirkenden Einnahmen aus Services und regionalen Märkten stabilisieren. Amazon hingegen skaliert Infrastruktur über standardisierte Cloud-Leistungen und profitiert davon, dass Unternehmen Rechen- und Speicherressourcen zunehmend mieten statt eigene Server zu betreiben. In der Praxis heißt das: KI-Workloads landen häufiger in Cloud-Architekturen, weil Unternehmen dadurch schneller Kapazität bereitstellen und die Lasten flexibler verteilen können.
Der Markt liest solche Quartale daher oft als Signal für die nächsten Monate. Apple muss nun plausibel machen, wie es die Abweichungen bei Dienstleistungen und China perspektivisch reduziert, während Amazon mit AWS-Wachstum und Investitionen in KI-Infrastruktur eine klarere Kontinuität vermittelt. Für IT-Leitungen und Software-Teams bedeutet das vor allem: Die Entscheidung zwischen eigenen Plattformen und gemieteter Infrastruktur wird zugleich stärker an Service-Level, Latenz und Kostenkurven gekoppelt. Wer KI- und Datenpipelines betreibt, wird dabei zunehmend auf belastbare Auswertungen aus dem Cloud-Geschäft achten, weil dort die Skalierbarkeit im Alltag am schnellsten messbar wird.
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