LONDON (IT BOLTWISE) – Das ASUS ROG Xbox Ally X20 wirkt vor allem wie ein durchdachter „Iterationen“-Schritt: größeres OLED, hochwertigere Haptik und neue TMR-Analogsticks. Im Alltag liefert das Gerät ein sehr komfortables Spielerlebnis, gerade weil sich die neuen Bedienelemente natürlicher anfühlen. Technisch bleibt es aber nahe an seinem Vorgänger und erreicht bei aktuellen AAA-Titeln nicht die gleiche Bildrate wie stärkere Alternativen. Damit steht das X20 zwischen Premium-Wohlgefühl und spürbaren Performance-Grenzen.

Beim Thema Handheld-PC gibt es zwei Wege: entweder man packt mehr Leistung in das gleiche Gehäuse, oder man optimiert das Nutzungserlebnis so stark, dass sich kleinere Leistungseinbußen im Moment „wegfühlen“. Das ASUS ROG Xbox Ally X20 spielt eindeutig die zweite Karte aus. Der 20th-Anniversary-Anspruch zeigt sich nicht nur an den goldenen Akzenten und den reduzierten Farbmarkern im Gehäuse, sondern auch daran, wie konsequent ASUS Komfort und Bediengefühl priorisiert. In der Hand wirkt das Gerät weniger wie ein Kompromiss für unterwegs, sondern eher wie ein Mini-Controller mit PC-Fähigkeiten. Genau deshalb entsteht beim Blick auf Alternativen schnell ein Spannungsfeld: Wer vor allem ein OLED- und Haptik-Upgrade sucht, bekommt beim X20 starkes Material; wer dagegen maximale FPS für neue AAA-Spiele erwartet, muss mit Einschränkungen leben.
Technisch beginnt der auffälligste Schritt beim Display. Das neue OLED ist leicht größer als beim Vorgänger und kommt auf 7,4 Zoll statt 7 Zoll; zudem reduziert ASUS die Ränder entlang der oberen und seitlichen Bereiche. An der Auflösung bleibt das X20 jedoch bei 1080p und 16:9, was den Wechsel für bestehende Steam-ähnliche Workflows und Spiele-Setups vereinfacht. Auch die Bildwiederholrate darf bis zu 120 Hz hoch, außerdem unterstützt das Gerät VRR (Variable Refresh Rate). In der Praxis ist das wichtig, weil OLEDs zwar farblich überzeugen, aber bei direktem, sehr hellem Umgebungslicht schneller an Lesbarkeit verlieren können. Laut Test kommt es im direkten Licht zu einem „Wash-out“, und zusätzlich gibt es Reflexivitätseffekte, die zwar vorhanden sind, aber nicht die schlimmsten Eindrücke erzeugen. Dafür punktet der Screen für HDR-Inhalte mit einer behaupteten Spitzenhelligkeit von 1.400 nits und einer typischen Maximalhelligkeit von 600 nits.
Damit das OLED-Erlebnis nicht nur auf dem Datenblatt gut aussieht, greift ASUS auch bei den Eingabegeräten an. Die neuen TMR-Joysticks (Tunneling Magnetoresistance) sollen driftresistenter sein als ältere Mechanismen und damit über längere Nutzungszeit stabile Eingaben ermöglichen. Noch konkreter wird der Effekt in der haptischen Rückmeldung: Im Vergleich zu Hall-Effect-Lösungen wirkt der Stick am X20 etwas „stärker“ und weniger spindlig. Ergänzend sind die physischen Taster flacher in das Gehäuse integriert: Die „B“-Taste steht nicht mehr über das Shell-Niveau hinaus, was die Bedienbarkeit spürbar verbessert, weil man den Druckpunkt schneller und präziser trifft. Ebenso werden die Bumper-Schalter als klickiger wahrgenommen – ein Detail, das in der Handhaltung während langer Sessions oft mehr zählt als man denkt. Der größte Umbau bei den Bedienelementen ist jedoch der „transformierende“ D-Pad: per Anheben und Drehen wird aus dem standardmäßigen vier Richtungen umfassenden Pad ein acht Richtungen unterstützendes Element. Gleichzeitig bleibt dieses D-Pad laut Beschreibung nicht in jeder Stellung zuverlässig fixiert; wer häufig „über“ die Richtungsbereiche wischen muss, könnte dadurch ungewolltes Zurückdrehen erleben.
Beim Gewicht und der thermischen Auslegung zeigt sich, dass ASUS das neue Display nicht „nebenbei“ mitnimmt. Das X20 liegt mit 1,66 Pfund um 0,08 Pfund über dem früheren Modell (1,58 Pfund), wobei die Differenz vor allem auf ein umkonfiguriertes Kühlsystem zurückgeführt wird. In der Hand ist die Mehrmasse zwar nicht extrem spürbar, aber das Gerät bleibt natürlich kein „One-Finger-Device“: Wer es längere Zeit mit gestreckten Armen hält, braucht trotzdem eine stabile Auflage. Für die Medienwiedergabe setzt ASUS ebenfalls auf Komfort: Frontseitige Lautsprecher liefern spürbare Lautstärke, und das System unterstützt Dolby Atmos. Auf dem Anschlussbereich gibt es ebenfalls eine praxisrelevante Einschränkung: Zwei USB-C-Ports sitzen oben und unterstützen Power Delivery; nur einer ist USB4 und zudem kompatibel mit Thunderbolt 4. Wer also mit eGPU-Setups arbeiten möchte, muss auf den richtigen Port achten. Der microSD-Slot oben ist außerdem relevant, wenn man das Basis-Storage von 1 TB erweitern will.
Spannend wird es, sobald man den Blick vom „wie fühlt es sich an?“ auf „wie performt es?“ richtet. In der beschriebenen Bewertung ist das X20 funktional dem Vorgänger von 2025 sehr ähnlich: Es nutzt weiterhin die AMD Ryzen Z2 Extreme APU und 24 GB LPDDR5X-RAM mit 8.000 MHz. Trotz anderer thermischer Abstimmung liefern CPU- und GPU-Benchmarks demnach insgesamt ein vergleichbares Bild; in synthetischen Tests gibt es höchstens kleine Vorteile, in Spielen schwankt die Differenz oft im Bereich von wenigen FPS. Das wird besonders deutlich bei Titeln, bei denen die Grafiklast ohne Upscaling kaum spielbar bleibt: Bei einem Beispiel mit Gears of War: E-Day werden unter Maximal-1080p und mittleren Settings Werte um etwa 16 fps genannt, wenn keine Upscaling-Technik zum Einsatz kommt. Für ein flüssigeres Erlebnis muss das Gerät dann auf TSR, FSR oder XeSS umschalten, wodurch sich die Werte im Schnitt zwar verbessern, aber in intensiveren Momenten in die Bereiche der hohen 20er rutschen.
Während ASUS beim X20 auf „nah am Vorgänger, aber besser im Komfort“ setzt, zeigen andere Handheld-Plattformen, wo zusätzliche GPU-Leistung und Plattformvorteile wirklich sichtbar werden können. Als Gegenspieler wird unter anderem das MSI Claw 8 EX AI+ mit dem Intel G3 Extreme Chip genannt: Dort seien in vielen der genannten Szenarien 30 bis 40 Prozent bessere Frame-Rates möglich. Konkrete Beispiele aus dem Test heben diesen Effekt hervor, etwa bei Forza Horizon 6 und Cyberpunk 2077, bei denen das MSI-Gerät deutlich vorne liegt. Auch bei den Leistungsbudgets gibt es Unterschiede: Das ROG X20 bleibt beim genannten 30W TDP-Frame, das MSI könne Spitzen bis 35W erreichen. Dadurch wird klar, warum sich das X20 in reinen „FPS pro Euro“-Vergleichen schwerer tut – es liefert ein hochwertiges Gesamtpaket, aber es ist nicht das „Maximal-FPS“-Gerät seiner Klasse.
Auf der Softwareseite bleibt ein zweiter, oft unterschätzter Faktor: UX und Betrieb. Die Xbox-Pipeline für Handheld-PCs wird seit mehr als einem Jahr als Zielbild „Full Screen Experience“ vermarktet, doch in der Praxis gibt es weiterhin wiederkehrende Probleme, etwa beim Sleep-Wake-Verhalten. Zwar werden die Beschwerden im Vergleich zu früheren Generationen als geringer beschrieben, aber vollständig gelöst ist das nicht. Darüber hinaus betont der Bericht, dass Microsoft zwar Default-Performance-Profile für bestimmte Xbox-Titel verbessert hat, die grafische Stabilität bei Basiseinstellungen unterstützen sollen, das UI aber weiterhin in Teilen als zu dunkel oder „leer“ empfunden wird. Schon jetzt steht laut Beschreibung eine frühe Version einer neuen PC-App („Garrison“) im Raum, die offenbar eine sauberere, controller-first Navigation bringen soll. Entscheidend für Käufer ist jedoch: Solange zentrale Display- und Power-Settings nicht direkt und bequem im Hauptmenü erreichbar sind, bleibt ein Stück Alltagskomfort zwischen „Premium-Hardware“ und „Software-Reibung“ hängen. Bis zur nächsten Generation gilt daher: Das ASUS ROG Xbox Ally X20 ist besonders dann überzeugend, wenn OLED-Qualität und Bediengefühl die Hauptrolle spielen; für Nutzer, die primär die neuesten AAA-Titel mit hoher Bildrate ohne häufiges Upscaling genießen wollen, rücken leistungsstärkere Alternativen stärker in den Fokus.
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