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AUCKLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine spanische Ordnungsexpertin empfiehlt Frauen in den Wechseljahren, erst das vorhandene Mobiliar komplett auszuräumen und dann bewusst zu vereinfachen, statt ständig neu zu kaufen. Ihr Ansatz setzt auf weniger, dafür besser nutzbare Abläufe – bis hin zum „freien Schubfach“ als greifbare Ressource. Ergänzend ordnen Psychologinnen mentale Blockaden beim Wegwerfen ein und raten zu kleinen, schrittweisen Methoden. Eine Untersuchung an mehreren Haushalten und eine Schweizer Wohnstudie liefern zudem überraschend differenzierte Einblicke, wie viel Unordnung im Alltag tatsächlich hilfreich sein kann.

Aufräumen in den Wechseljahren: Warum Ausmisten entlastet
Aufräumen in den Wechseljahren: Warum Ausmisten entlastet (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn das Leben in Umbrüchen steckt, wirkt „Ordnung“ schnell wie ein Etikett, das man sich überstülpt. Der Beitrag stellt jedoch nicht die Frage nach der perfekten Wohnung, sondern nach der spürbaren Entlastung: In den Wechseljahren – also grob um das 50. Lebensjahr – soll das eigene Zuhause laut der spanischen Ordnungsexpertin Begoña Pérez (La Ordenatriz) gezielt vereinfacht werden. Ihr Kernargument ist dabei ungewöhnlich pragmatisch: Vor jeder Anschaffung neuer Ordnungssysteme oder Boxen empfiehlt sie, zuerst das bestehende Mobiliar komplett aus dem Raum zu räumen. Wer von außen nachkauft, bevor er innen sortiert, baut häufig nur zusätzliche Ablage, statt echte Engpässe zu lösen.

Technisch betrachtet verändert dieses Vorgehen die „Informationslast“ im Haushalt: Statt über Jahre gewachsene Entscheidungen im Alltag zu wiederholen, werden sie einmalig beim Ausmisten gebündelt. La Ordenatriz betont außerdem die Priorität der Nutzung gegenüber der Anschaffung – ein freies Schubfach kann ihrem Ansatz zufolge mehr Wert haben als ein neues Auto. Selbst bei Haushaltsgeräten wird diese Logik übertragen: Ein Hei luftfrittierer könne bei kleinen Portionen etwa Zeit und Energie gegenüber dem Backofen sparen, aber vor dem Kauf solle man kritisch prüfen, wie oft das Gerät real zum Einsatz kommt. Ebenso gehört zu ihrer Sicht auf Effizienz nicht nur der Betrieb, sondern die Nacharbeit: Wer später ständig reinigen muss, erkauft sich Komfort mit zusätzlichem Aufwand – und genau diese Rückkopplung wollen viele Menschen beim Kauf selten genug berücksichtigen.

Während La Ordenatriz vor allem auf Struktur im Alltag zielt, liefern die psychologischen Perspektiven eine zweite Erklärungsebene: Anhaltendes Chaos kann im Text als Indikator für emotionale Überlastung, fehlende Routinen oder unklare Prioritäten beschrieben werden. Esther Torras unterscheidet dabei vier Muster, die man in Haushalten wiederfindet – von der überlasteten Person über äußerlich „perfekt“ wirkende Gestaltung, bis hin zu geerbten Gegenständen Verstorbener und Minimalisten, die die Kontrolle verloren haben. Besonders interessant ist die Brücke zur Praxis: Der Beitrag verknüpft Organisation nicht nur mit Lifestyle, sondern mit Belastbarkeit; Torras wird zudem als Beispiel für strukturierte Haushaltsorganisation genannt, die ihr geholfen haben soll, eine Krebserkrankung eines Kindes zu bewältigen.

Auch die Psychologinnen Petra Jagow und Eva Wlodarek gehen direkt an die Ursache heran, warum Menschen das eigene Inventar oft nicht loslassen können. Jagow verweist darauf, dass Aussortieren schwerfällt, weil viele mehr besitzen als nötig – und dass Gegenstände sich wie „Druck“ auf die Besitzer auswirken können. Entscheidend ist hier der psychologische Effekt nach belastenden Einschnitten: Ordnung soll die Selbstwirksamkeit stärken, wenn Alltag ohnehin ins Wanken gerät. Wlodarek beschreibt das Wegwerfen dagegen als schmerzhafte Anerkennung einer Fehlinvestition oder als vage Hoffnung, die Dinge später doch noch zu brauchen. Ihr Vorschlag ist deshalb bewusst klein: in Schritten starten, etwa mit einem einzelnen Regalbrett oder einer Tüte pro Monat. Die Auswahl wird so weniger zu einer emotionalen Endentscheidung, sondern zu einer wiederholbaren Handlung.

Bei der Umsetzung rückt der Beitrag schließlich die Grenzen von „einfach weg damit“ in den Fokus. Nach einem Todesfall etwa sei die Bindung an persönliche Dinge hoch; Angehörige sollten laut Text das Ausmisten daher aufschieben, bis die akute Trauerphase abgeklungen ist. Und wenn Handlungsunfähigkeit anhält, werden Trauerbegleiter, Wohlfahrtsverbände oder psychologische Beratungsstellen als mögliche Unterstützung genannt – ein Hinweis darauf, dass Ordnung in solchen Situationen nicht der „Lösungsweg“, sondern eher Teil einer größeren Fürsorgekette ist. Gleichzeitig zeigt der Text, dass Unordnung nicht automatisch schlechtes Management bedeutet: Eine Untersuchung der Auckland University of Technology unter Leitung von Jamal Abarashi untersuchte 22 Haushalte und kommt zu dem Ergebnis, dass temporäre Unordnung Alltagsaufgaben sogar erleichtern kann. Die Leserinnen und Leser bekommen damit ein realistisches Bild: Viele Menschen profitieren offenbar von sichtbaren Gegenständen als Gedankenstütze – etwa auf Esstischen oder Kücheninseln – weil sie Informationen im Raum „verankern“.

Wie stark das Ordnungsempfinden dann kippen kann, zeigen die Zahlen aus dem Wohnmonitor von Ikea Schweiz und dem Institut Sotomo: Im April 2024 wurden 2410 Personen befragt, und fast zwei Drittel geben demnach an, sich nur in einer aufgeräumten Wohnung wohlzufühlen. Besonders relevant für das Konfliktpotenzial sind laut Beitrag die Unterschiede zwischen Räumen: Küche (86 Prozent) und Wohnzimmer (76 Prozent) sind meist am besten organisiert, während Keller (29 Prozent) und Abstellräume (21 Prozent) am häufigsten Probleme machen. Dazu kommt die „Chaos-Schublade“: Drei Viertel aller Haushalte besitzen sie. Auch als Streitursache wird Ordnung im Text quantifiziert: 56 Prozent berichten von mindestens monatlichen Spannungen, und bei der Frage nach der Aufrumarbeit sehen 65 Prozent der Männer eine gleichmäßige Verteilung, während 57 Prozent der Frauen die Hauptlast bei sich verorten. Genau hier wird klar, warum es nicht reicht, nur Regale „voll“ zu denken; man muss auch berücksichtigen, wer welche Verantwortung trägt und wie Entscheidungen über das Inventar im Alltag verhandelt werden.

Für Unternehmen und Organisationen, die ihre Teams mental entlasten wollen, lässt sich aus dem Beitrag eine übertragbare Grundidee mitnehmen: Ordnung ist nicht nur ein physischer Zustand, sondern eine Reihe von wiederkehrenden Entscheidungen. Das Ausräumen vor dem Kauf neuer Systeme wirkt dabei wie ein konsolidierter „Decision-Checkpoint“ – einmal gründlich, statt dauerhaft halbherzig. Ebenso zeigt der Mix aus psychologischer Barriere (Fehlinvestitionsgefühl, Hoffnung auf späteren Nutzen) und praktikablem Mikro-Plan (Tüte pro Monat), dass Gewohnheiten und Verhalten in kleinen Iterationen besser steuerbar sind als durch radikale Vorhaben. Unterm Strich entsteht so ein Bild, in dem Kisten, Schubladen und Geräte zwar konkret sind, aber die eigentliche Wirkung über mentale Entlastung und nachvollziehbare Routinen entsteht.

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