ORLANDO / LONDON (IT BOLTWISE) – BAE Systems beschreibt, wie das Unternehmen die Lücke zwischen Technologieentwicklung und Einsatzreife („Valley of Death“) geschlossen hat und dafür bereits flugfähige Hardware-Ansätze aus dem Erprobungsstadium skaliert. Beim AIAA SciTech Forum 2026 in Orlando ordnet Jeanette Domber die Standardisierung über Bus-Architekturen wie Summit, Trek und Ascent ein. Besonders deutlich wird der nächste Innovationssprung bei Orbit-Teleskopen: Während das James-Webb-Konzept auf Nanometer ausgerichtet war, fordert das Habitable Worlds Observatory Stabilität im Picometerbereich. Entscheidend sei dabei die Umstellung von Nanometer-Regelaktuatoren auf ein NASA-gestütztes „Ultra“-Programm, um die nötige Präzision kontrollierbar und für Missionen einsatzbereit zu machen.

BAE Systems überbrückt die „Valley of Death“-Kluft bei Weltraumteleskopen
BAE Systems überbrückt die „Valley of Death“-Kluft bei Weltraumteleskopen (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Wettlauf um leistungsfähigere Raumfahrttechnik ist das sogenannte „Valley of Death“ weniger eine poetische Metapher als ein wiederkehrendes Engineering-Problem: Zwischen dem ersten Nachweis im Labor und der späteren Serienreife für den Einsatzbetrieb klafft eine Lücke, in der Kosten, Nachweise und Spezifikationen selten gleichzeitig im grünen Bereich liegen. Jeanette Domber, Senior Manager für Technical Solutions und Strategic Pursuits bei BAE Systems’ Space and Mission Systems, hat diese Lücke auf dem AIAA SciTech Forum 2026 in Orlando konkret aufgemacht und dabei gezeigt, wie sich aus Prototypen verlässliche Hardware machen lässt. Der Kern ihrer Aussage: Nicht jedes Detail muss „neu erfunden“ werden, sondern entscheidend ist, dass Architektur und Regelung so gestaltet werden, dass sie sich vom Demonstrator in die Mission übersetzen lassen.

Dabei spielt Standardisierung eine zentrale Rolle. Domber verwies auf einen wiederholbaren Hardware-Baukasten, der über Bus-Ansätze wie Summit, Trek und Ascent umgesetzt wird. Diese Konzepte waren nicht nur als Prototypen gedacht, sondern laut Darstellung bereits auf einer Raumwetter-Folgemission im Einsatz und gleichzeitig auf eine spätere Mission vorbereitet. Der technische Effekt ist greifbar: Wenn Schnittstellen, Kommunikationsmuster und Integrationspfade über mehrere Programme hinweg ähnlich bleiben, sinkt das Risiko, dass bei jedem Projekt von vorn harte Qualifizierungsarbeit anfällt. Gleichzeitig entsteht so eine Art „Heritage“, die sich später auch in neuere Missionstypen übertragen lässt – sowohl bei Regierungsaufträgen als auch bei kommerziellen Kunden.

Die eigentliche Messlatte verschiebt sich allerdings, sobald es um Präzisionsoptik im Orbit geht. Domber erinnerte an ihre Arbeiten im Umfeld des James-Webb-Space-Teleskops, bei denen cryo-Elektronik und Hexapod-Aktuatoren so ausgelegt wurden, dass 18 Spiegelsegmente auf Nanometer-Niveau ausgerichtet werden konnten. Das klingt nach „hoher Genauigkeit“, wird aber im nächsten Schritt fast schon entwertet: Das Habitable Worlds Observatory (HWO) verlangt Stabilität, die um den Faktor tausend besser sein muss – aus Nanometern werden im Betrieb Picometer. Für das Engineering bedeutet das vor allem: Regelschleifen, Mechanik-Dynamik, thermische Ausdehnung und Messrauschen müssen in einem System zusammenpassen, dessen Fehlertoleranzen nicht mehr im Bereich „gut genug“, sondern im Bereich „präzise reproduzierbar“ liegen.

Wie groß die Anforderung ist, bringt Domber mit einem anschaulichen Skalierungsbild auf den Punkt. Sie sagte wörtlich: „If we scaled a one-meter mirror to the size of the continental United States, we’d need that surface flat within 10 millimeters, held steady to the width of a single red blood cell.“ Diese Aussage übersetzt das abstrakte Picometer-Ziel in eine Geometrie, die man sich im Kopf bildlich vorstellen kann. Das unterstreicht zudem einen typischen „Valley-of-Death“-Knackpunkt: Bei solchen Ordnungssprüngen reicht eine funktionierende Demonstration im Kleinen nicht mehr, wenn die Regeln für Präzision auf Systemebene umgesetzt, getestet und für den Flugbetrieb validiert werden müssen.

Genau dort setzt der von BAE Systems beschriebene Weg an. Domber skizzierte, dass das Team Nanometer-Steuerungsaktuatoren in das NASA-finanzierte „Ultra“-Programm überführt hat, um Picometer-level Control nachzuweisen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Regelgüte an sich, sondern die Frage, wie sich diese Präzision in einer flugnahen Architektur realisieren lässt: Aktuator-Charakteristik, Kalibrierung, thermische Stabilität und die Art, wie das System Störungen kompensiert, müssen zusammen funktionieren. Dass diese Entwicklung laut Darstellung kürzlich patentiert wurde und „ready to fly“ ist, bedeutet in der Praxis vor allem, dass die Lösung nicht nur physikalisch plausibel, sondern in einem Reifegrad präsentiert wird, der für Missionen in der heißen Projektphase nutzbar ist.

Ein weiterer Punkt betrifft die Schutz- und Nutzungslogik für die eingesetzte Schlüsseltechnologie. Domber erklärte, dass das Unternehmen die zugrunde liegende Intellectual Property aus IRAD-Investitionen vorhält und Regierungsverträge so gestaltet, dass die für die Anwendung erforderlichen Rechte bereitstehen. Damit entsteht ein zweischichtiger Ansatz: Proprietäre Innovationen können auf öffentlichen Missionen eingesetzt werden, ohne die spätere kommerzielle Verwertung unlösbar zu blockieren. Für die Branche ist das relevant, weil genau solche Rechte- und Lizenzmodelle oft im Projektverlauf zu Verzögerungen führen, wenn das technische „Go“ schon da ist, aber die rechtliche Nutzbarkeit für den nächsten Auftrag fehlt.

In Summe zeigt die Darstellung von BAE Systems ein Muster, das für viele Raumfahrtprogramme entscheidend ist: Wer die Kluft zwischen Entwicklung und Betrieb schließen will, braucht wiederholbare Plattformen für Integration und Tests, zugleich aber auch einen klaren Engineering-Plan für den nächsten Präzisionssprung. Summit, Trek und Ascent wirken dabei wie ein organisatorisch-technischer Unterbau; cryo-Elektronik und Hexapod-Aktuatoren stehen für die anspruchsvolle Umsetzung. Und der Schritt von Nanometer auf Picometer, umgesetzt über das „Ultra“-Programm, adressiert den Punkt, an dem sich zukünftige Orbit-Teleskope entscheiden: Nicht die Idee, sondern die Fähigkeit, Präzision im System dauerhaft zu liefern, wird zum Wettbewerbsvorteil.


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