BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bafin hat angekündigt, die Meldepflichten für Managerkäufe zu lockern, was zu weniger Transparenz für Investoren führen könnte. Ab 2026 müssen Transaktionen erst ab einem Volumen von 50.000 Euro gemeldet werden, was die Anzahl der Meldungen um bis zu ein Drittel reduzieren könnte. Diese Änderung könnte insbesondere bei kleineren Unternehmen zu einem Informationsdefizit führen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat beschlossen, die Meldepflichten für sogenannte Directors’ Dealings zu ändern. Ab dem 1. Januar 2026 müssen Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige Aktienkäufe oder -verkäufe ihres Unternehmens erst ab einem Jahresvolumen von 50.000 Euro melden. Diese Entscheidung folgt den Vorgaben der europäischen Wertpapierbehörde ESMA, die den nationalen Behörden mehr Spielraum bei der Regulierung solcher Pflichten einräumt.
Für Investoren sind diese Managerkäufe oft mehr als nur eine Formalität. Sie gelten als psychologischer Frühindikator: Wenn ein CEO in eigene Aktien investiert, signalisiert das Vertrauen in das Unternehmen. Umgekehrt wird ein Verkauf oft als Warnsignal interpretiert. Die neue Regelung könnte daher zu weniger Einblicken in die Einschätzungen des Managements führen, insbesondere bei kleineren Transaktionen, die oft erste Hinweise auf eine sich ändernde Einschätzung geben.
Die Bafin argumentiert, dass der bisherige Aufwand für viele Unternehmen unverhältnismäßig hoch gewesen sei, insbesondere für kleine und mittlere Emittenten. Im Durchschnitt liegen die Managergeschäfte ohnehin über 100.000 Euro im Jahr, so die Begründung. Doch Kritiker befürchten, dass eine höhere Schwelle Verstöße erleichtert, wie der Fall Evotec zeigt, bei dem ein Vorstandschef Aktiengeschäfte im Volumen von über zwölf Millionen Euro nicht gemeldet hatte.
Die Meldepflicht für Eigengeschäfte ist ein zentrales Element des Wertpapierhandelsgesetzes und der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Sie soll Insiderhandel verhindern und Anlegern ermöglichen, Managerentscheidungen transparent nachzuvollziehen. Indem die Schwelle nun angehoben wird, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Kontrolle und Bequemlichkeit. Was die Bafin als Entlastung für Unternehmen verkauft, könnte in der Praxis zu Informationsdefiziten am Markt führen und das Vertrauen untergraben.
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