LONDON (IT BOLTWISE) – Bank Leumi will über die mobile Banking-Arm „PEPPER“ erneut den Handel mit ausgewählten Krypto-Assets starten. Kunden sollen Bitcoin, Ether und Solana direkt innerhalb der Leumi-Trade-App kaufen, halten und verkaufen können. Der Dienst ist für Anfang 2027 geplant, sofern die Bank of Israel grünes Licht gibt. Damit folgt die Bank einem regulatorischen Rahmen, der seit 2026 niedrigere Hürden und klare Wallet- sowie Kapitalanforderungen vorsieht.

Bank Leumi setzt den nächsten Schritt in Richtung regulierter Krypto-Zugänge für Privatkunden: Über seine mobile Digital-Banking-Sparte PEPPER soll künftig der Handel mit ausgewählten digitalen Assets in der Leumi-Trade-Kapitalmarktanwendung möglich werden. Im Zentrum stehen dabei nicht irgendwelche „Crypto-Kosmetik“-Features, sondern ein eingebetteter Markt-Flow: Kunden sollen laut Mitteilung „buy, hold and sell“ innerhalb der App ausführen können – also Kauf, Halten und Verkauf, jeweils im Kontext eines Bank-Workflows. Für die praktische Nutzererfahrung ist entscheidend, dass der Handel in einem dedizierten, abgesicherten Bereich der Anwendung stattfinden soll; damit rückt die Datensegmentierung und der Zugriff auf Markt- und Ordersysteme in den Vordergrund.
Technisch und prozessual knüpft das Vorhaben an ein konkretes Partner-Setup an, das auch die Architektur beider Seiten erklärt: Bank Leumi arbeitet für die Umsetzung mit Galaxy Digital. Das Transaktions- und Ausführungsmodell läuft dabei über GalaxyOne Institutional, eine Plattform, die speziell für Banken und Asset Manager gebaut wurde. Die Verwahrung (Custody) übernimmt GK8, ein Anbieter von Air-Gapped Wallets, der laut Unternehmenskontext nach dem Zusammenbruch von Celsius übernommen wurde; „air-gapped“ heißt in der Praxis vor allem, dass die Wallet-Umgebung nicht dauerhaft ans Internet angebunden ist. Genau diese Trennung ist für Banken der Kern, weil sie nicht nur Handelsfunktionen bereitstellen, sondern auch den sicheren Umgang mit Kundensätzen und Vermögenswerten in der gesamten Kette nachweisen müssen.
Der Zeitplan ist ambitioniert, aber nicht überraschend: Leumi und Galaxy erwarten, dass der Service Anfang 2027 in Leumi Trade verfügbar wird – allerdings vorbehaltlich der Zustimmung der Bank of Israel. Damit nimmt die Bank bewusst die entscheidende „Gatekeeper“-Instanz in den Blick, die bereits beim ersten Versuch 2022 der Engpass war. Damals hatte Pepper Invest angekündigt, über Paxos BTC und ETH handeln zu lassen; dieser Start blieb aus, weil die notwendige regulatorische Freigabe nicht erteilt wurde. Auch eine frühere Planung aus dem Jahr 2022 scheiterte später daran, dass der Deal bei der Bank of Israel ins Stocken geriet. Diese Historie erklärt, warum der zweite Anlauf heute deutlich anders wirkt: Es geht weniger um die Frage, ob Krypto grundsätzlich erlaubt ist, sondern um die Frage, welche Standards für Wallet-Sicherheit, Kapitalunterlegung und Kundenvermögensabgrenzung inzwischen als „Pflicht“ gelten.
Der entscheidende Unterschied liegt im regulatorischen Zustand Mitte 2026 und den folgenden Klarstellungen: Bis dahin konnten israelische Banken kryptobezogene Einlagen weitgehend automatisch verzögern und außerdem pauschal Gelder aus dem Krypto-Umfeld ablehnen. Lizenzierte Firmen wiederum mussten sich auf eine kurze Liste von Coins beschränken, ohne dass es klare, durchgängige Regeln zu Verwahrung und Kapitalunterlegung gab. Diese Blockaden wurden durch mehrere Bausteine reduziert: Die Bank of Israel entfernte deposit delays und untersagte pauschale Ablehnungen von Geldern lizenzierter Anbieter. Parallel setzte die Capital Market Authority Standards für Wallet-Sicherheit und Kapitalanforderungen fest – unter anderem 2 Millionen New Israeli Shekels für Nicht-Custody-Modelle, 2,5 Millionen New Israeli Shekels bei Custody sowie eine verpflichtende Trennung der Kundenassets. Zusätzlich öffnete ein Rundschreiben ab dem 1. August den Handel auf die Top-50-Coins nach Marktkapitalisierung, allerdings oberhalb einer Schwelle von 500 Millionen US-Dollar. Für Leumi bedeutet das: Der Markt ist nicht nur „zugänglich“, sondern vor allem prozessual planbar, weil die Anforderungen für die eigene Bilanzlogik und für das technische Sicherheitsdesign messbar geworden sind.
Auch auf Counterparty-Ebene reduziert sich das Risiko, weil Galaxy bereits regulative Anbindungen mitbringt. Die Organisation verfügt über eine BitLicense des US-Bundesstaats New York und zusätzlich über eine Money-Transmission-Lizenz, die im Mai 2026 erteilt wurde. Für eine Bank wie Leumi zählt das in der Umsetzung vor allem als Teil der Gegenparteidokumentation: Wer Order- und Custody-Komponenten für Bankprodukte bereitstellt, muss nicht nur liefern, sondern auch in einem regulatorischen Rahmen abschirmbar bleiben. Insofern ist die Kombination aus einer Institutional-Handelsplattform und einer „nicht-internetverbundenen“ Verwahrungsinfrastruktur ein nachvollziehbarer Ansatz, um die Lücke zwischen „Trading-Funktion“ und „Bankenfähiger Vermögenssicherung“ zu schließen.
Der Go-to-Market-Ansatz folgt zudem einem typischen Muster der letzten Jahre: Kunden sollen in derselben App handeln, in der sie bereits Aktien und Anleihen verwalten. Leumi bedient nach eigenen Angaben etwa 2,5 Millionen Retail-Kunden – damit wird aus einem Nischenexperiment potenziell eine Routinefunktion im Tagesgeschäft. Für die Marktstruktur ist das relevant, weil Banken damit nicht nur Krypto „anzeigen“, sondern in eine bestehende UX- und Compliance-Kette integrieren. Dass die Bank dabei eine Auswahl „including Bitcoin, Ether and Solana“ nennt und der Rest über den regulatorisch geöffneten Katalog der Top-50-Coins plus Schwellenwert laufen soll, reduziert die Komplexität für den Erstbetrieb. Gleichzeitig bleibt die wichtige Frage, wie sich das Order-Handling in der Praxis verhält, etwa bei hoher Volatilität oder wenn Kunden gleichzeitig Fiat-Ein- und -Auszahlungen nutzen wollen.
Aus Branchensicht signalisiert der zweite Versuch, dass KI-getriebene Technologien nicht nur im Handel selbst eine Rolle spielen, sondern auch im Hintergrund bei Risikosteuerung, Betrugsprävention und operativer Automatisierung. Zwar liefert die Mitteilung keine konkreten Modellnamen oder KI-Parameter, aber der Trend zur „programmierbaren“ Finanzinfrastruktur ist klar: Galaxy stellt seine Aussage in den Kontext offener, programmierbarer Schienen und positioniert den frühen Schritt als Signal für die nächste Phase der Interaktion zwischen Banken und Krypto-Liquidität. Für Entscheider in Banken und Fintechs ist daran vor allem zweierlei spannend: Erstens kann ein sauber segmentierter App-Flow und eine stärker formalisiierte Custody-Architektur die Hürde senken, mit der Produkte in regulierte Vertriebskanäle wechseln. Zweitens verschiebt sich der Wettbewerb weg vom reinen „Asset-Listing“ hin zu robusten Betriebsmodellen, in denen Verwahrung, Kapitalunterlegung und Kundenvermögensabgrenzung von Beginn an mitgedacht werden.
Unterm Strich ist Leumis geplanter Start im Jahr 2027 weniger eine „neue Idee“, sondern die zweite Iteration eines zuvor blockierten Vorhabens. Entscheidend ist, dass der regulatorische Rahmen seit 2026 eine Art Blaupause liefert: geringere Ablehnungsmechanismen, definierte Wallet-Security- und Kapitalstandards sowie ein regelbasiertes Coin-Universum. Wenn die Bank of Israel ihre Zustimmung erteilt, dürfte der Weg in den Retail-Markt über eine etablierte App-Umgebung und eine klare Partnerkette deutlich schneller und planbarer sein als 2022. Für den Rest des Marktes bleibt das ein Signal: Wer Krypto in großem Maßstab für Kunden anbieten will, braucht nicht nur Liquidität und Marktzugriff, sondern vor allem einen nachweisbaren Sicherheits- und Betriebsansatz, der auch in Prüf- und Freigabeprozessen standhält.
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