GIESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In der ZDF-Trodelshow „Bares für Rares“ landet eine minimalistische Bronzefigur des Schweizer Künstlers Schang Hutter bei den Experten – und sorgt trotz anfänglicher Skepsis für ein überraschend positives Ergebnis. Die „Stehende Figur“ stammt aus dem Jahr 1983 und ist als Exemplar 5 von 30 Exemplaren ausgewiesen. Während Horst Lichter erst von der Kunst überzeugt werden muss, kippt sein Urteil in Begeisterung – am Ende bleibt ein deutlicher Wertsprung. Der Fall zeigt, wie stark Provenienz, Edition und Einschätzung im Kunsthandel wirken.

„Bares für Rares“: Horst Lichter stolpert über eine Schang-Hutter-Bronze
„Bares für Rares“: Horst Lichter stolpert über eine Schang-Hutter-Bronze (Foto: IT BOLTWISE)
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Horst Lichter hatte in „Bares für Rares“ zunächst genau den Blick, den man bei moderner Kunst oft erwartet: erst Distanz, dann langsam mehr Neugier. Anlass war eine äußerst reduzierte Bronzefigur, die in der Sendung in der Freitagsausgabe vor ohm auf den Tisch kam. Colmar Schulte-Goltz, als Experte eingeordnet, brachte früh die Deutung ins Spiel: „Ich würde sagen, das ist Kunst“, und genau diese Einordnung setzte den Rahmen. Dass Lichter daraufhin doch „anfinden“ konnte, ist für die Dynamik der Sendung entscheidend. Denn hier entscheidet sich nicht nur die Frage nach dem Preis, sondern nach der Bereitschaft, die formale Sprache einer Figur zu akzeptieren, obwohl sie nicht „realistisch“ wirkt.

Technisch betrachtet wirkt die Skulptur auf den ersten Blick wie ein „Low-Detail“-Objekt – ein Stil, der Bewertungsexperten in den richtigen Kontext rückt. Schulte-Goltz verwies darauf, dass der Schweizer Künstler Schang Hutter die Bronze 1983 entwarf. Ein zentraler Parameter war zudem die Signatur am Sockel, die den Ursprung untermauerte. Der Verkäufer hoffte auf 3.000 Euro; festgelegt wurde ein Schätzwert von 2.000 bis 2.500 Euro. Die Einschätzung blieb dabei nicht rein emotional: Lichter erkannte immerhin ein Gesicht und ordnete die Figur als „einen Hauch weg“ von realistischem Porträtieren ein. Genau solche Beobachtungen sind im Handel oft ein Ersatz für fehlende Datensätze – bevor verifizierbare Merkmale (Edition, Nummer, Signatur) die Bewertung tragen.

Der größte Hebel lag allerdings im Editionsteil. Schulte-Goltz bestätigte, dass es sich um das Exemplar 5 von 30 Exemplaren handelt. Damit sinkt die Austauschbarkeit: Während bei unlimitierten Arbeiten häufig schwerer zu differenzieren ist, schafft die Nummerierung eine Art „Serien-ID“. Die Sendung machte außerdem deutlich, wie der Titel den Eindruck lenkt – „Stehende Figur“ wirkt bewusst schlicht. Dass die Figur als „modern“ eingeordnet wurde und gleichzeitig technisch besonders sein soll, bringt eine klassische Marktspannung auf den Punkt: Sammler erwarten bei moderner Gestaltung entweder eine entsprechende Historie oder eine plausible Einbettung in den Stil des Künstlers. Als „Vergleichsobjekt“ innerhalb des Medienformats zeigte sich zudem, wie andere TV-Formate mit ähnlicher Zielgruppe konkurrieren: Wer schon „Kunst & Krempel“ oder vergleichbare Händlerformate kennt, weiß, dass hier weniger die Ware, sondern die Erzählung und die Expertise den Preisanker setzen.

Im Bieterprozess verschob sich die Stimmung von neutral bis begeistert. Raimund hatte die Bronze vor drei Jahren in einem Sozialkaufhaus für 35 Euro entdeckt – ein Beispiel für den typischen „Wertbildungs-Sprung“ bei Sekundärmärkten. Zuerst wurden sogar Einwände laut: Susanne Steiger wollte „So Picasso-Style irgendwo auch“ erkennen; Julian Schmitz-Avila zeigte zunächst wenig Begeisterung. Doch mit zunehmendem Blickwinkel stieg das Interesse spürbar. Sarah Schreiber überbot direkt, und Schmitz-Avila machte schließlich mit 2.000 Euro den Sack zu. Seine Begründung war bemerkenswert nüchtern: Er kaufe gern Sachen, die er noch nicht kannte, und Schweizer Künstler seien beliebt. So entsteht Marktfeedback: Nicht nur „Gefällt mir“, sondern „Ich lerne und investiere“ wird zur Kauflogik.

Aus Expertensicht ist dabei weniger die einzelne Meinung ausschlaggebend, sondern die Kombination aus Wiedererkennbarkeit und Risikoabsicherung. In der Sendung wird klar, warum: Eine limitierte Edition reduziert zwar die Varianz, aber sie ersetzt nicht die Prüfung der Echtheit. Im analogen Kunsthandel sind dafür Signaturen am Sockel, die Formkonsistenz und die plausible Provenienz entscheidend. Übertragen auf die Unternehmenswelt lässt sich daraus ein technischer Vergleich ziehen: Wie bei der Software-Qualitätssicherung sind es nicht nur Features, sondern Nachweise, Auditierbarkeit und Monitoring. Wo im KI-Umfeld Hashes, Signaturen oder Modellevaluierungen die Integrität stützen, sind im Kunsthandel die dokumentierten Merkmale die „Trust Layer“. Genau solche Mechanismen entscheiden, ob ein scheinbar günstiger Fund ein Risiko oder ein Investment ist.

Dass der Käufer später keine Luft mehr „zum Einordnen“ braucht, zeigt auch die Preiswirkung: Der Experte setzte trotz Skepsis einen Schätzwert von 2.000 bis 2.500 Euro, und selbst der Humor über die Gegenüberstellung von 35 Euro Einkauf und deutlichem Verkaufsniveau blieb im Rahmen. Horst Lichter schließlich zeigte eine Mischung aus Staunen und Erstaunen über die eigene Zufriedenheit: „Alter! Ich bin echt geplättet!“, so die Tonlage in der Szene. Im Marktkontext ist das relevant, weil es zeigt, wie schnell sich Kaufbereitschaft ändern kann, wenn eine vermeintlich unklare Ware in eine belastbare Bewertungskette rutscht. Für Händler und Sammler ist das ein Lehrbeispiel: Ohne Edition, Signatur und glaubwürdige Expertise bleibt moderne Kunst häufig ein „Geschmacksprodukt“; mit diesen Bausteinen wird sie zunehmend investierfähig.

Parallel zur Bronzefigur liefen weitere Fälle, die ähnliche Muster illustrieren. Eine alte Brotschneidemaschine von Zassenhaus aus den 1930er- bis 50er-Jahren wurde zunächst auf 100 bis 120 Euro geschätzt; in der Sendung ging sie für 60 Euro an die neue Besitzerin. Das Collier mit Diamanten und einer Perle des Magdeburger Hoflieferanten Robert Lucke aus der Zeit um 1910 wurde auf 1.000 Euro geschätzt – am Ende gewann Susanne Steiger bei 1.100 Euro. Solche Kontraste machen deutlich, dass der Markt je Kategorie unterschiedlich „springt“: Haushaltsdesign kann trotz Verfallsrisiko stabil nachgefragt sein, Schmuck mit nachvollziehbarer Herstellerhistorie reagiert oft zielsicher auf Marken- und Lieferantenbezug. In einer stärker digitalisierten Welt würden genau solche Eigenschaften heute zusätzlich über Datenbanken, Bild- und Metadaten-Checks abgesichert, um Fehlbewertungen zu reduzieren.

Für die Zukunft lässt sich daraus eine klare Branchenimplikation ableiten: Je transparenter sich Herkunft, Auflage und Expertise in standardisierten Workflows darstellen, desto geringer wird die Schwankung zwischen Schätzung und realem Zuschlag. Für Sammler und Händler bedeutet das praktisch mehr als nur „besser fühlen“ – es bedeutet, dass die Begründbarkeit von Preisen stärker in den Vordergrund rückt. Aus Unternehmenssicht wäre das vergleichbar mit der Audit-Trail-Logik in Compliance-Prozessen: nachvollziehbare Belege senken das Risiko, selbst wenn das Produkt nicht in eine klassische „Gewinnformel“ passt. Regulatorisch und datenschutznah bleibt dabei vor allem der Umgang mit personenbezogenen Informationen im Handel und bei TV-Formaten relevant, etwa bei Kontakt- und Bewertungsdaten. Wer die Bewertung künftig stärker mit strukturierten Nachweisen verknüpft, schafft Vertrauen – und Vertrauen ist im Sammlermarkt oft der größte Werttreiber.


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