NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Baron Capital weitet seine Investment-Kompetenz von klassischen Fonds auf aktiv gemanagte ETFs aus und startet dafür mehrere Produkte zwischen Dezember 2025 und Juni 2026. Im Gespräch erklärt Matt Camuso, warum vor allem Kundennachfrage nach steuerlich effizientem „Wrapper“-Zugang und dem Wunsch nach echter, bottom-up finanzanalytischer Arbeit den Ausschlag gab. Gleichzeitig ordnet der ETF-Manager ein, wie stark der Markt bereits überfüllt ist und warum sich echte aktive Strategien von synthetischen, eher systematischen Konstruktionen abgrenzen müssen. Im Fokus steht zudem ein siebter Fonds mit „Risk Optimized“ im Large-Cap-Growth-Universum.

Baron Capital macht den nächsten Schritt in einem ETF-Markt, der zwar weiter wächst, aber zunehmend von Produktneustarts überrollt wird. Der New-Yorker Asset Manager, der über Jahrzehnte vor allem mit Mutual Funds bekannt wurde, hat seit Dezember 2025 bereits sechs aktiv gemanagte ETFs an den Start gebracht und plant mit einem siebten Produkt den nächsten Launch im späten Mai oder frühen Juni 2026. Die zentrale Botschaft lautet dabei nicht „mehr ETFs“, sondern „bessere Passung“: mehr Wahlmöglichkeiten für bestehende Kunden, neue Anlegergruppen im institutionellen und Zwischenhändler-Umfeld sowie eine Portfolio-Philosophie, die auf langfristigem Wachstum und hoher Überzeugung (High-Conviction) basiert. Dieser Ansatz trifft auf ein Marktumfeld, in dem etablierte Wettbewerber wie BlackRock ETFs zunehmend als Vehikel für Liquiditäts- und Risikomanagement positionieren.
Technisch und regulatorisch ist der ETF-Schritt jedoch nicht nur eine Marketingfrage, sondern betrifft die Art, wie Wertpapierbestände gehalten und in ein börsengehandeltes Vehikel überführt werden. Besonders sichtbar wird das an einem Beispiel: Im Baron First Principles ETF (RONB) wurde ein relevanter Anteil der Assets in SpaceX-Aktien allokiert. Damit stellt sich die Frage, wie illiquide Positionen in der ETF-Struktur gehandhabt werden, ohne gegen die üblichen regulatorischen Grenzen zu laufen. Laut Berichten wurde die Hürde dadurch abgemildert, dass SpaceX-Aktien über einen aktiven Sekundärmarkt handelbar sind und die Wertpapiere in der Einordnung als „weniger illiquid“ klassifiziert wurden. Für die Produktentwicklung bedeutet das: Handelsfähigkeit, Liquiditätsannahmen und fortlaufende Compliance-Prüfungen werden Teil der täglichen Betriebsrealität.
Auch das Produktdesign selbst folgt einem Muster, das Baron als „Baron DNA“ bezeichnet: Wachstum, langfristige Ausrichtung und aktiv-konzentrierte Strategien statt trendgetriebener Experimente. Von den sechs bis dato gestarteten Fonds sind zwei bei Launch als Umwandlungen von Mutual Funds in ETFs entstanden, die übrigen vier entsprechen Weiterentwicklungen bereits etablierter Konzepte. Als konkretes Beispiel nennt Camuso den Emerging Markets Select ETF (BCEM), der eine konzentriertere Variante der Baron-Emerging-Markets-Strategie abbildet. Entscheidend ist dabei weniger das Etikett als die interne Prozesskette: Portfolio-Management-Team, Research-Workflow und Anlageprinzipien werden von der Fondswelt in die ETF-Welt gespiegelt, nur mit subtilen Anpassungen an den börslichen Wrapper. So reduziert sich das Risiko, dass ein ETF „neu“ wirkt, aber im Kern keine saubere Umsetzung erfährt.
Im Markt steht Baron damit in direkter Konkurrenz zu einer breiten Palette aktiv „gelabelter“ ETF-Angebote, die häufig nicht das liefern, was klassische Active-Fonds-Investoren erwarten. Camuso beschreibt die Lage mit Blick auf 2025 und bis in den April hinein: Es kamen laut Marktbeobachtung über 1.200 neue aktiv vermarktete ETFs in den Markt. Gleichzeitig betont er, dass ein großer Teil davon nicht als echte aktive, bottom-up gesteuerte Portfolios zu verstehen ist. Vieles seien eher Single-Stock- oder inverse/levered Strukturen, die im Marketing zwar „aktiv“ heißen, aber funktional andere Strategien darstellen. Diese Differenzierung ist für Berater und OCIO-Provider (Outsourced Chief Investment Officer) besonders wichtig, weil dort Due Diligence über viele Mandate hinweg organisiert wird und in der Praxis Zeit und Standardisierung zählen.
Aus dieser Perspektive erklärt sich auch, wer ETFs bevorzugt: OCIO-gestützte Modellportfolio-Anbieter und Asset Manager, die Investitionen als Service auslagern, benötigen einfache Verfügbarkeit, gute Auffindbarkeit und klare Share-Class-Entscheidungen. Camuso verweist darauf, dass Mutual Funds in der täglichen Umsetzung häufig mehr Reibung erzeugen, während ETFs Flexibilität bieten und sich gut in Modellportfolios integrieren lassen. Gleichzeitig hat sich die Landschaft vor allem in den letzten fünf Jahren verändert: Die Verfügbarkeit „echter“ aktiver ETFs stieg stark, allerdings mit der Tendenz, dass viele neue Produkte stärker systematisch oder outcome-orientiert auftreten, zum Beispiel als Einkommens- oder Drawdown-optimierende Lösungen. Baron will hier mit langfristiger, fundamentalsbasierter aktiver Selektion als Ergänzung zu passiven Kernstrategien punkten und potenziell Alpha liefern sowie Diversifikation zu einem marktkapitalisierungsgewichteten Benchmark hinzufügen.
Für die Distribution legt Baron besonderen Wert auf die tatsächlichen Vertriebsmechaniken des US-Marktes: Neben RIA-Umfeldern (Registered Investment Advisors), unabhängigen Broker-Dealern und Wirehouse-Plattformen spielt auch der institutionelle Bereich eine Rolle. Der Grund ist pragmatisch: Viele Plattformen verlangen eine belastbare Track-Record-Historie sowie Skalierungsnachweise bei Assets Under Management, bevor sie Produkte breit freigeben. Entsprechend setzt Baron aktuell laut eigener Planung schwerpunktmäßig auf den RIA- und institutionellen Kanal, um die nötigen Zulassungen schrittweise zu erweitern. Strukturell bleibt das Team laut Camuso dasselbe, nur dass es nun sowohl Mutual Funds als auch ETFs aktiv distribuiert. Damit soll der ETF-Aufbau nicht als paralleles Geschäft, sondern als Erweiterung vorhandener Prozesse verstanden werden.
Die nächste Produktstufe zeigt, wie Baron auf Nachfrage und Marktsignale reagiert, ohne das Kernprofil zu verwässern. Bereits eingereicht und in Registrierung befindlich ist der Baron Risk Optimized Large Cap Growth ETF, der in den nächsten Wochen an den Start gehen soll. Camuso kann zu Details der Risikooptimierung noch nicht viel verraten, ordnet aber die Idee ein: Der Fokus liegt auf Large-Cap-Wachstum, kombiniert mit einer Art Risikosteuerung, die als Antwort auf Kundenfeedback entsteht. Ähnlich verlief die Ableitung des Emerging-Markets-Select-ETFs: Kunden wollten eine ETF-Option zur länger laufenden Emerging-Markets-Mutual-Fund-Strategie, und das Design wurde so angepasst, dass es sich konzentrierter, aber weiterhin charakteristisch ähnlich anfühlt. In Summe unterstreicht das den Anspruch, nicht in jedes Trend-Thema „hineinzuspringen“, sondern gezielt Lücken im Angebot für differenzierte aktive Manager zu adressieren.
Im weiteren Ausblick stellt sich damit vor allem die Frage, ob und wie Baron im überfüllten ETF-Laborumfeld Substanz gegen Komplexität ausspielen kann. Camuso signalisiert, dass der siebte ETF voraussichtlich nicht das Ende ist, aber kurzfristig keine weiteren Registrierungen geplant seien; intern laufen dennoch Gespräche zu Verlängerungen und zu möglichen Umwandlungen weiterer Fonds in ETFs. Entscheidend wird dabei, ob der Markt weiter hin zu „Wrappern“ mit echten Anlageprozessen tendiert, statt sich auf systematisch klingende Etiketten zu verlassen. Ergänzend zur regulatorischen Compliance und Liquiditätsthematik wird auch die Sicherheits- und Datenperspektive wichtiger: Die Handels- und Abwicklungsfähigkeit in ETF-Strukturen erfordert stabile Betriebsprozesse, transparente Bewertungslogiken und ein durchgängiges Risikoreporting, damit Anlegerentscheidungen jederzeit nachvollziehbar bleiben. Wenn Baron diesen Qualitätsanspruch hält, könnten sich für Entwickler und Plattformanbieter Chancen ergeben, aktive Strategien stärker in Open-Architecture-Workflows zu integrieren, während Wettbewerber wie BlackRock den ETF-Wrapper parallel weiter als Standardbaustein verankern.
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