LONDON (IT BOLTWISE) – BASF peilt bis 2029 Netto-Einsparungen im Kerngeschäft von bis zu 20 Prozent an. Dafür sollen Transformationsprojekte greifen, die alle Kerngeschäfte, Service-Einheiten sowie die Konzernzentrale abdecken. Das Programm „CoreShift“ wird von Julia Raquet geleitet, direkt in die Linie von Konzernchef Markus Kamieth eingebunden. Während die Aktie zeitweise nachgibt, signalisiert die Planung vor allem: Kostenhebel und Portfolio-Schärfung sollen die Wettbewerbsfähigkeit stabilisieren.

BASF „CoreShift“: Fixkosten sollen bis 2029 deutlich sinken
BASF „CoreShift“: Fixkosten sollen bis 2029 deutlich sinken (Foto: IT BOLTWISE)
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BASF treibt seine Strategie in Richtung Kosten- und Effizienzschub sichtbar voran: Bis 2029 sollen im Kerngeschäft Netto-Einsparungen von bis zu 20 Prozent gegenüber 2024 erzielt werden. Aus Unternehmenssicht geht es dabei nicht nur um kurzfristige Kürzungen, sondern um ein konsistentes Transformationsprogramm über mehrere Ebenen hinweg. Damit adressiert das Ludwigshafener Chemieunternehmen strukturelle Kostenblöcke, die in einem Branchenumfeld mit Preisdruck, volatilen Rohstoffkosten und schwankender Nachfrage schnell zur Gewinnbremse werden. Die Aktie reagierte laut XETRA-Kurs zeitweise mit einem Rückgang, was die Märkte typischerweise dann abwägen, wenn Zusagen zwar ambitioniert, aber in der Umsetzung noch nicht „voll in den Zahlen“ sichtbar sind.

Technisch betrachtet ist „CoreShift“ weniger als einzelne Maßnahme zu verstehen, sondern als Umbau der Betriebslogik: Transformationsprojekte sollen alle Kerngeschäfte, die Service-Einheiten sowie die Konzernzentrale umfassen. Das bedeutet häufig, dass Fertigungs- und Supply-Chain-Prozesse enger gekoppelt werden, etwa über standardisierte Planungszyklen, klare Verantwortung entlang von Produktions- und Logistikschnittstellen und eine stärker datenbasierte Steuerung von Auslastung und Beständen. Gerade im Chemiegeschäft entscheidet die Stabilität von Batch-Prozessen über Kosten pro Tonne. Der Ansatz zielt damit auf Fixkostenhebel wie indirekte Aufwände, Instandhaltungs- und Prozessgemeinkosten, ohne dabei die notwendige Anlagenverfügbarkeit zu gefährden.

In der Unternehmensorganisation spiegelt sich der Anspruch in der Führung des Programms: „CoreShift“ wird von Julia Raquet geleitet und untersteht direkt Konzernchef Markus Kamieth. Damit wird das Programm in eine Linie integriert, die bereits aus der ersten Phase der „Winning Ways“-Strategie Impulse erhalten hat. Kamieth hatte demnach in einem früheren Schritt Geschäfte außerhalb des Kernbereichs vorbereitet bzw. angestoßen, darunter das Lack- und das Agrargeschäft, die laut Mitteilung nahezu abgeschlossen seien. Solche Portfolio-Bereinigungen wirken wie ein Fundament: Wenn Nebensparten reduziert oder veräußert werden, lassen sich Budgets, Einkaufsvolumen und Steuerungsprozesse neu ausrichten, sodass die verbleibenden Einheiten effizienter „durchgerechnet“ werden können.

Auf der Marktebene steht BASF damit in einer Wettbewerbsdynamik, in der Effizienzprogramme zunehmend zum Standard werden. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass sowohl US-amerikanische als auch europäische Wettbewerber seit Jahren versuchen, Fixkosten durch Automatisierung, Werksharmonisierung und straffere IT-Landschaften zu senken. Namen wie Dow oder Evonik tauchen in diesem Kontext regelmäßig auf, weil sie ähnliche Reaktionsmuster zeigen: Kosten senken, Betriebsmargen schützen und die Organisation modularer machen, um schneller auf Marktphasen zu reagieren. Der entscheidende Unterschied liegt meist in der Geschwindigkeit der Umsetzung und in der Frage, ob Einsparungen aus Prozessoptimierung, aus Strukturmaßnahmen oder aus reinem Working-Capital-Abbau entstehen. BASF versucht offenbar, beides zu kombinieren: Portfoliofokus plus operative Transformation.

Dass „bis zu 20 Prozent“ als Zielgröße genannt werden, erhöht gleichzeitig die Erwartungshaltung an die Nachweisbarkeit in Kennzahlen wie Ergebnisbeitrag, EBITDA-Marge und Cashflow. Für Anleger ist die Abwägung zwischen Planungsoptimismus und Umsetzungsrisiken schwierig: Transformationsprogramme können interne Abwicklungs- und Investitionskosten zunächst erhöhen, bevor die Einsparkurve sichtbar wird. In den ersten Quartalen entscheidet daher oft das Verhältnis zwischen Projektkosten und erwarteter nachhaltiger Entlastung. Laut Branchenanalysen aus dem Chemiesektor wird ein belastbarer Business-Case dann besonders wahrscheinlich, wenn Kostenhebel an konkrete Operativ-Kennzahlen gekoppelt sind, etwa Ausschussquoten, Energiekosten je Tonne, Wartungsdauer oder Durchlaufzeiten in der Logistik. Genau diese Kopplung dürfte „CoreShift“ adressieren, auch wenn Details in der Mitteilung naturgemäß begrenzt bleiben.

Regulatorisch und im Sinne von Corporate Governance ist zudem ein wichtiger Aspekt zu beachten: In der Chemie sind Einsparziele stets mit Anforderungen an Arbeitssicherheit, Umwelt- und Anlagenstandards verknüpft. Effizienzprogramme dürfen deshalb nicht primär auf Kosten der Compliance laufen. Gerade bei Transformationsprojekten, die indirekte Bereiche umfassen, rücken häufig Aspekte wie Auditierbarkeit von Prozessen, Dokumentationsqualität und die Absicherung von Risikosteuerung in den Vordergrund. Dazu kommt ein Datenschutz- und IT-Gesichtspunkt: Wenn Service-Einheiten und Steuerungsfunktionen stärker integriert werden, muss die Datenverarbeitung sauber geregelt sein, inklusive Zugriffsrechten, Protokollierung und Datenminimierung. Für Unternehmen ist das nicht nur „Pflicht“, sondern auch ein Beschleuniger: Wer Prozesse compliant gestaltet, kann schneller und stabiler skalieren.

Für die Zukunft bedeutet das Programm vor allem eines: BASF versucht, die Ausgabenstruktur so zu verändern, dass die Ergebnisflexibilität in verschiedenen Marktphasen steigt. Wenn die Einsparungen planmäßig bis 2029 in die Rechnung einfließen, kann das die Preissetzungsmacht in ausgewählten Bereichen stärken und Spielraum für Investitionen schaffen, etwa in produktionsnahe Effizienz, Energie-Reduktion oder neue Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig entsteht für den Arbeitsmarkt und für Zulieferer eine Nachfrage nach Fähigkeiten in Prozessautomatisierung, Datenintegration und Programmsteuerung. Für Entwickler und IT-nahe Teams kann das bedeuten, dass sich Datenpipelines, Reporting-Workflows und Monitoring-Modelle stärker durchsetzen. Der nächste Schritt wird sein, ob BASF die Transformation in messbaren Zwischenzielen belegt und wie konsequent das Unternehmen die Projektlogik über Unternehmensgrenzen hinweg standardisiert.


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