LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bio-Lebensmittelmarkt legt im zweiten Quartal 2023 weiter zu und erreicht 4,75 Milliarden Euro Umsatz. Das entspricht einem Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig summiert sich der Umsatz im ersten Halbjahr auf mehr als 9,6 Milliarden Euro. Vor allem Drogeriemärkte treiben die Entwicklung, während der Bio-Fachhandel stagniert.

Im zweiten Quartal 2023 zeigt der Bio-Lebensmittelmarkt eine auffällig stabile Entwicklung: Der Umsatz steigt um 3,8 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro. Damit setzt sich eine Dynamik fort, die auch in wirtschaftlich herausfordernden Phasen nicht abreißt. Für die Planung in Handel und Industrie ist das mehr als nur ein Stimmungsbarometer, weil Bio-Umsätze in vielen Kategorien zugleich als Indikator für Markenbindung und Einkaufsmuster gelten. Entscheidend ist dabei, dass die Entwicklung nicht nur auf einzelne Warengruppen beschränkt bleibt, sondern sich als breiter Trend über das Quartal hinweg abzeichnet.
Besonders relevant ist die Halbjahresbetrachtung: Aufaddiert liegt der Umsatz im ersten Halbjahr 2023 bei mehr als 9,6 Milliarden Euro. Genau diese Verankerung über mehrere Monate hinweg macht den Markt für Investoren und Geschäftskunden interessant, denn kurzfristige Ausschläge wirken hier weniger prägend als die Grundnachfrage. Der Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ordnet die Entwicklung als Zeichen dafür ein, dass Bio-Produkte in der Wahrnehmung der Verbraucher einen festen Platz haben. Das lässt sich auch an der Zusammensetzung der Nachfrage ablesen: Während der Lebensmitteleinzelhandel insgesamt unter Preisdruck steht, übertrifft das Wachstum der Bio-Umsätze die reinen Preis- und Kosteneffekte.
Aus Marktsicht rückt damit die Frage in den Vordergrund, welche Vertriebskanäle diese Resilienz tragen. Laut BÖLW-Chefin Tina Andres stehen Bio-Lebensmittel selbst in Krisenzeiten oben auf der Einkaufsliste der Deutschen. Diese Aussage ist für Unternehmen deshalb so wichtig, weil sie auf eine Erwartungshaltung hinausläuft, die über reine Rabattsignale funktioniert. In der Folge gewinnen Händler, die Bio sichtbar und planbar in ihre Regale integrieren, an Reichweite. Besonders deutlich wird das bei Drogeriemärkten: Anbieter wie dm und Rossmann haben ihr Bio-Sortiment signifikant ausgebaut, unter anderem in Bereichen wie Snacks, vegane Produkte, Babynahrung und Tee.
Die Effekte sind im Umsatz messbar: In diesen Drogeriemärkten stieg der Bio-Umsatz um fast 20 Prozent. Gleichzeitig wirkt der Marktanteil dieser Vertriebsschiene mit etwa 12,5 Prozent am gesamten Bio-Lebensmittelhandel noch ausbaufähig. Das ist ein wichtiger Hebel, weil zusätzliche Regalfläche in der Praxis oft nicht automatisch kommt, sondern über Sortimentstiefe, Promotion und Planogramm-Steuerung entsteht. Der Bio-Fachhandel dagegen zeigt ein anderes Bild: Dort stagniert die Nachfrage bei einem Umsatz von 0,82 Milliarden Euro. Der BÖLW führt das auf eine verhaltene Konsumstimmung sowie auf den Strukturwandel zurück, bei dem Verbraucher Bio zunehmend in Supermärkten und Drogerien kaufen statt ausschließlich im spezialisierten Handel.
Dass Supermarktketten das Wachstum ebenfalls stützen, unterstreichen die Zahlen: Rewe und Edeka verzeichnen im zweiten Quartal 2023 ein Umsatzwachstum von 5 Prozent im Bereich Bio-Produkte. Ein wiederkehrender Treiber in solchen Phasen ist der Ausbau von Bio-Eigenmarken, weil er Skalenvorteile in der Beschaffung, eine stärkere Preissetzung und eine engere Abstimmung auf Kundenerwartungen erlaubt. In der Marktbewertung spielt zudem die Datenbasis eine Rolle: Die Angaben gehen auf eine Zusammenarbeit mit der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AIG) zurück und basieren auf Daten von Marktforschungsinstituten wie Yougov und NIQ Nielsen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sich die Dynamik nicht nur aus den Umsätzen einzelner Händler ableiten lässt, sondern auch aus der Kombination von Handelsdaten und Konsumentenmessungen.
Für die nächsten Budget- und Sortimentsentscheidungen lässt sich aus der Entwicklung ein klarer Handlungsrahmen ableiten: Wer Bio profitabel skalieren will, muss neben Produktqualität auch Vertriebsarchitektur und Auffindbarkeit berücksichtigen. Drogeriemärkte zeigen, dass Bio als Teil eines breiteren Alltagssortiments funktioniert, besonders in Impulskategorien wie Snacks oder Tee. Gleichzeitig übt der Druck auf den Bio-Fachhandel die Notwendigkeit aus, Differenzierung über Beratungstiefe, Auswahl oder Service sichtbar zu machen, statt nur über die Bio-Zertifizierung. Unterm Strich wirkt der Bio-Markt im Jahr 2023 damit weniger wie eine Nische, die unter Krise leidet, sondern eher wie ein Segment, das sich über mehrere Kanäle hinweg stabilisiert – und gerade deshalb Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil die Preislage und die Angebotsstrategien der Händler parallel geplant werden müssen.
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