LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Bitcoin-ETF verteilt aktuell monatlich eine Ausschüttungsrendite von 25,61%, obwohl Bitcoin selbst keine Dividenden zahlt. Möglich macht das ein aktiv verwalteter Optionsansatz auf Basis von Spot-Bitcoin-ETFs und Optionen rund um den Cboe Bitcoin U.S. ETF Index. Die Konstruktion verwandelt einen Teil der extremen Kursvolatilität in laufende Prämien, kostet dafür aber auch Chancen auf Kursanstiege. Zusätzlich deutet eine 19(a)-1-Meldung auf eine Ausschüttung von rund 95% als Rückzahlung von Kapital hin, während die Gesamtrendite dennoch hinter einem Bitcoin-Index zurückbleiben kann.

Auf den ersten Blick wirkt die Rechnung schief: Bitcoin zahlt keine Dividenden, keine Coupons und keine Mieten. Trotzdem wirbt ein spezieller Fonds für eine laufende Ausschüttung, die in der Größenordnung hoch verzinster Anleihen oder ausschüttender Aktien liegt. Der NEOS Bitcoin High Income ETF (BTCI) nennt aktuell eine Verteilungsrate von 25,61% und zahlt monatlich aus. Genau an dieser Stelle wird klar, warum die Geldflüsse nicht aus Unternehmensgewinnen kommen, sondern aus der Preisbewegung des Basiswerts – und aus der Frage, wer bereit ist, für diese Bewegung heute einen Aufschlag zu zahlen.
Der entscheidende Mechanismus sitzt im Options-Overlay. BTCI hält die Bitcoin-Exponierung nicht primär durch „Buy-and-Hold“ von Bitcoin selbst, sondern über Spot-Bitcoin-ETFs. Darauf setzt der Fonds anschließend eine aktiv gemanagte Optionsstrategie: Er kann Optionen auf die Spot-Bitcoin-ETFs schreiben und zusätzlich Optionen nutzen, die an den Cboe Bitcoin U.S. ETF Index (CBTX) gekoppelt sind. Wichtig ist dabei die Flexibilität: Der Fonds beschränkt sich nicht auf das mechanische Verkaufen von Covered Calls gegen nur eine Put- oder Call-Seite. Stattdessen können Calls und Puts verkauft und auch zurückgekauft werden, um mehrteilige („multi-leg“) Positionsstrukturen aufzubauen. Verkaufen bringt Prämien in das Portfolio, während gekaufte Optionen die Exponierung über bestimmte Strikes hinaus verschieben und Risiken aus den Short-Positionen steuern können.
Dass gerade Bitcoin solche Prämien ermöglicht, liegt weniger an „Magie“ als an der Optionsmechanik. Bitcoin ist im Markt dafür bekannt, dass die implizite Volatilität bei Optionen häufig deutlich höher ausfällt als bei breiten Aktienindizes. Für eine Optionskäuferseite bedeutet das: Sie zahlt faktisch mehr „für die Möglichkeit“, dass der Kurs stärker schwankt als erwartet. Für den Verkäufer entsteht dadurch ein attraktiver Prämientopf – vorausgesetzt, die Preisbewegung bleibt in einem für die Strategie günstigen Rahmen. Genau diese doppelte Realität ist unbequem: Die großen Prämien entstehen, weil Bitcoin tatsächlich große Sprünge macht. BTCI nimmt damit bewusst eines der zentralen Risiken der Anlage – Volatilität – und versucht, einen Teil davon in laufenden Ertrag zu verwandeln, statt ausschließlich auf Kurssteigerungen zu setzen.
Die 25,61% Ausschüttungsrate sind dabei nicht gleichbedeutend mit einer 25,61% Rendite für den langfristigen Vermögensaufbau. Der Fonds nennt eine Ausschüttungsrate und zahlt monatlich, aber die Strategie hat systematisch einen „Opportunitätskosten“-Charakter. Wenn der Fonds wiederholt Optionen aufschreibt und dadurch Exponierung zugunsten von Prämien teilweise abgibt, kann er bei starken Kursrallyes Upside verschenken. Dazu kommt die laufende Kostenbelastung: BTCI erhebt eine Expense Ratio von 0,99%. In Summe bezahlt der Anleger also für die Umsetzung einer Income-Strategie, obwohl Bitcoin als Basiswert selbst keine laufenden Cashflows liefert und der Ertrag aus einer aktiven Markttechnik kommt.
Auch auf der steuerlichen Seite spielt die Konstruktion eine Rolle. In der September-Section-19(a)-1-Notiz wird geschätzt, dass etwa 95% der jüngsten Ausschüttung als Rückzahlung von Kapital („return of capital“, ROC) bestehen. ROC reduziert typischerweise den angepassten Einstandskurs, ohne sofort eine unmittelbare Steuerlast auszulösen; die steuerliche Wirkung kann sich damit auf den späteren Verkauf der Anteile verschieben oder einsetzen, sobald die Basis auf null fällt. Gleichzeitig bleibt diese Einordnung eine vorläufige Schätzung: Die finale steuerliche Charakterisierung kann sich im entsprechenden Steuerformular (im US-Kontext auf Form 1099-DIV bezogen) ändern. Für einkommensorientierte Anleger ist das relevant, weil „Cashflow“ und „Gesamtertrag nach Kosten und Steuern“ nicht automatisch deckungsgleich sind.
Gerade deshalb sollte man statt der Ausschüttungsrendite den Blick auf die Total Return-Entwicklung richten. Laut Angaben zur Performance hat BTCI seit Auflegung den S&P Bitcoin Index auf einer kumulativen Basis mit Total Return bisher hinter sich gelassen. Das ist ein wichtiger Kontext für alle, die wegen der hohen laufenden Ausschüttung einsteigen: Bitcoin kann sehr starke Aufwärtsphasen durchlaufen, und eine Options-Income-Strategie kann in solchen Phasen Rendite über Prämien hinaus teilweise begrenzen. Für den Investor, der Ausschüttungen entnimmt und sie tatsächlich ausgeben will, kann das trotzdem einen Zweck erfüllen. Wer dagegen „Akkumulation“ priorisiert und alles reinvestieren möchte, steht vor einer härteren Abwägung: Er trägt das Bitcoin-Risiko weiterhin, zahlt aber eine höhere Gebühr und könnte zusätzlich einen Teil des kurzfristig verfügbaren Upsides abgeben, um Ertrag zu erzeugen, den er möglicherweise gar nicht benötigt.
Für die Praxis in Portfolios bedeutet das: BTCI ist weniger ein Ersatz für eine klassische Bitcoin-Position als vielmehr ein Instrument, das ein bekanntes Profil – hohe Volatilität – in eine andere Nutzenform übersetzt. Wer die Strategie nutzt, sollte verstehen, dass „Income“ hier nicht durch laufende Wertschöpfung entsteht, sondern durch die Verwertung von Marktpreisschwankungen. Damit verschiebt sich die Erfolgsdefinition: Nicht nur die Richtung des Bitcoin-Preises zählt, sondern auch das Volatilitätsregime, die Optionspreise und die Frage, wie gut Prämien Verluste aus eingeschränkter Upside ausgleichen. Genau hier liegt der Kern der Aussage: Bitcoin selbst zahlt nichts – die Strategie verkauft dagegen die Schwankungsenergie, und die Renditelogik hängt daran, wie sich der Markt im Jahresverlauf bepreist.
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