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LONDON (IT BOLTWISE) – US-Spot-Bitcoin-ETFs mussten Abflüsse von 635,6 Mio. US-Dollar verkraften. Laut SoSoValue stoppte das den zuvor dreitägigen Zufluss und fiel damit auch mit fallenden Bitcoin-Kursen zusammen. Besonders IBIT von BlackRock und FBTC von Fidelity dominierten die Verkäufe. Entscheidend wird nun, ob die Nettoflüsse in der Woche ab dem 26. Oktober wieder ins Positive drehen.

Bitcoin-ETFs verzeichnen größter Abfluss seit Juni – setzt sich der Druck fort?
Bitcoin-ETFs verzeichnen größter Abfluss seit Juni – setzt sich der Druck fort? (Foto: IT BOLTWISE)
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US-Spot-Bitcoin-ETFs haben einen spürbaren Stimmungswechsel abbekommen: Am 22. Oktober zogen Anleger insgesamt 635,6 Mio. US-Dollar aus den Fonds ab. Damit handelt es sich um den größten Einmalabfluss seit dem 25. Juni, wie aus den von SoSoValue ausgewerteten Tagesdaten hervorgeht. Der Abfluss beendete zudem eine dreitägige Serie mit Nettozuflüssen und fiel in eine Phase, in der auch der Bitcoin-Kurs nachgab. Für viele Marktteilnehmer ist das weniger eine isolierte Schlagzeile als ein Signal: Der Markt entscheidet kurzfristig oft nicht nur über Kursniveaus, sondern über die Richtung des Kapitalstroms in die Vehikel.

Beim Blick auf den Kursverlauf wird die zeitliche Kopplung besonders greifbar. Nach einem Schlusskurs von rund 84.025 US-Dollar am 21. Oktober fiel Bitcoin am Folgetag auf 81.307 US-Dollar und bewegte sich am Morgen des 24. Oktober nahe 80.483 US-Dollar. Selbst in der darauf folgenden Sitzung setzten sich laut den Berichten die Abflüsse fort, was die Frage aufwirft, ob die Verkäufe bereits „durch“ sind oder ob sich erst eine zweite Welle formiert. Genau hier trennt sich die Interpretation: Zuflüsse gelten häufig als Treiber für steigende Nachfrage nach dem Basiswert, während Abflüsse den Fondsmechanismus in Richtung Liquidität und Zurückhaltung drücken.

Technisch betrachtet hängt die Wirkung von Nettoabflüssen eng mit dem Konstruktionsprinzip von Spot-Bitcoin-ETFs zusammen. Wenn Anleger mehr Fondsanteile zurückgeben, als neue Käufe nachkommen, entsteht ein Nettoabfluss. In der Praxis bedeutet das: Die Emittenten müssen den Bedarf an Bitcoin für die Rücknahme abdecken oder zumindest die Positionen entsprechend anpassen. Das kann je nach Ausführungskette zur Folge haben, dass Bitcoin zur Deckung veräußerungsnah gehandhabt wird, was kurzfristig zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Gleichzeitig zeigt die Tages-zu-Tages-Volatilität, wie schnell sich Erwartungen ändern können: Die wöchentlichen Summen wirken oft glättend, während Tagesdaten eher Stimmungen und Positionierungen widerspiegeln.

Unter den größten Fonds konzentrierten sich die Abflüsse stark. iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock verlor am 22. Oktober 254,1 Mio. US-Dollar, während Fidelitys Fidelity Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) 217,5 Mio. US-Dollar abgab. Zusammen machten diese beiden Vehikel rund 74% des Tagesvolumens aus. Weitere, kleinere Fonds zeigten ebenfalls Abgaben: ARK 21Shares Bitcoin ETF (ARKB) verlor 109,4 Mio. US-Dollar, der Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) rund 29,5 Mio. US-Dollar und Bitwise Bitcoin ETF (BITB) etwa 27,4 Mio. US-Dollar. Auffällig ist dabei das vergleichsweise „milde“ Minus von GBTC. Seit der Umwandlung zu einem ETF im Januar 2024 verzeichnete der Fonds den Angaben zufolge insgesamt etwa 28 Mrd. US-Dollar mehr Abfluss als Zufluss – ein Effekt, der häufig mit der Gebührenstruktur in Verbindung gebracht wird: GBTC nennt eine höhere Gebühr von 1,5% im Vergleich zu 0,25% bei IBIT.

Dass der Kapitalabfluss nicht automatisch in ein „einheitliches“ Muster am Markt mündet, zeigt der Blick auf die Coinbase-Depotebene. Coinbase fungiert als Custodian für viele dieser Produkte; sie hält die Coins, die den Spot-Bitcoin-ETFs als Basis dienen. Trader beobachten daher auch institutionelle Wallet-Bewegungen. Whale Alert dokumentierte im Umfeld dieser Berichte Zuflüsse in Coinbase Institutional in der Größenordnung von 1.909 BTC (155,7 Mio. US-Dollar) und 789 BTC (64,3 Mio. US-Dollar) sowie Abflüsse von 2.163 BTC (176,3 Mio. US-Dollar) in eine neue Wallet. Unterm Strich deutet das auf gemischte Aktivität hin: Insgesamt summierten sich die eingehenden Mengen auf etwa 2.698 BTC, also grob 535 BTC mehr als die abgezogenen Beträge. Das Bild ist damit differenzierter als „Abfluss im ETF bedeutet automatisch Abfluss aus dem Custody-System“.

Auch die Unternehmensseite liefert Kontext, zumindest indirekt. Coinbase selbst bekam laut den Zahlen im Umfeld der Berichte eine Belastung zu spüren: Am 23. Oktober schloss die Aktie bei 164,45 US-Dollar, das entspricht einem Tagesrückgang von 2,7% und einem Minus von 17% über den letzten Monat. In seinem zweiten Quartalsbericht nannte das Unternehmen, dass die Vermögenswerte auf seiner Plattform auf 246 Mrd. US-Dollar zurückgingen, nachdem sie zuvor bei 294 Mrd. US-Dollar gelegen hatten; als Teilfaktor werden dabei ETF-Abflüsse genannt. Für die Marktdynamik ist das relevant, weil Custody- und Infrastrukturdienstleistungen häufig eng mit dem realen Bestandswachstum der Fonds gekoppelt sind.

Die Folgefrage lautet deshalb nicht nur „Sind Verkäufe schon beendet?“, sondern auch, wie der nächste Takt entscheidet. Laut den Daten verzeichnete IBIT am 23. Oktober erneut Nettoabflüsse von 110,3 Mio. US-Dollar, während FBTC 31,8 Mio. US-Dollar verlor. Zwar war die vollständige Erhebung über alle Fonds für diesen Tag zum Zeitpunkt der Darstellung noch nicht komplett, doch die Wochenbilanz stimmt insgesamt optimistischer: Für die Woche bis zum 22. Oktober soll es einen Nettozufluss von 442,7 Mio. US-Dollar gegeben haben, nach zuvor 228,6 Mio. US-Dollar Nettoabflüssen in der Woche davor. Solche schnellen Richtungswechsel sind historisch für Bitcoin-ETFs besonders wichtig, weil Kapitalströme oft reflexartig auf Kursbewegungen, Makro-Erwartungen und kurzfristige Erwartungskorrekturen reagieren.

Damit bleibt als operative Leitfrage vor allem der zeitliche Horizont: Beobachter richten den Fokus darauf, ob die ETF-Flüsse in der Woche ab dem 26. Oktober wieder ins Positive drehen. Drehen Nettoflüsse nach oben, könnte der Abfluss am 22. Oktober eher als temporäres Zurücksetzen interpretiert werden. Bleiben die Abflüsse hingegen über mehrere Sitzungen dominant, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt erneut wichtige Unterstützungszonen testet. In dem genannten Kontext rückt dabei auch ein Tief vom 15. Oktober (79.676 US-Dollar) in den Blick, rund 1% unter dem damaligen Kursniveau. Für Unternehmen, die Krypto-Kapitalmarktprodukte oder Custody-nahe Prozesse nutzen, ergibt sich daraus eine einfache, aber praktische Konsequenz: Nicht nur Kurscharts, auch die wöchentlichen und täglichen Flussdaten sollten als Frühindikator in Risiko- und Liquiditätsmodelle einfließen.

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