LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin steht unter spürbarem Abgabedruck, nachdem Tech-Aktien im Gleichschritt mit steigenden US-Renditen Liquidationen ausgelöst haben. Besonders auf der institutionellen Seite stocken die Zuflüsse in Spot-BTC-ETFs, während Anleger in sichere Staatsanleihen umschichten. Technisch testet die Kryptowährung eine 4-Stunden-Aufwärtstrendlinie; ein Bruch würde das psychologisch wichtige 60.000-Dollar-Niveau erneut in den Fokus rücken. Für Trader entscheidet jetzt vor allem, ob der Daily-Close unter der Unterstützung bleibt oder sie verteidigt.

Bitcoin rutscht unter Druck: Nasdaq-Liquidationen und steigende US-Renditen testen 60.000-Dollar-Boden
Bitcoin rutscht unter Druck: Nasdaq-Liquidationen und steigende US-Renditen testen 60.000-Dollar-Boden (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin bewegt sich am 25. Juli in einem Umfeld, das eher nach Risikoabbau als nach “Risk-on” aussieht. Der Kurs fällt auf 64.017,51 US-Dollar und liegt damit 2,49 % unter dem Niveau der vorherigen 24 Stunden. Auch die Marktmechanik wirkt belastet: Nach einem Intraday-Hoch nahe 66.900 US-Dollar vom 21. Juli nimmt der Verkaufsdruck spürbar zu, während die Tageshandelsumsätze laut CoinMarketCap auf 22,84 Milliarden US-Dollar steigen. Hinter dieser Kombination steckt ein Muster, das im Krypto-Markt seit Monaten wiederholt diskutiert wird: Bitcoin reagiert zunehmend mit einer höheren Sensitivität auf Bewegungen in hochbewerteten Technologiewerten.

Technischer betrachtet testet die Kryptowährung aktuell eine 4-Stunden-Aufwärtstrendlinie als dynamische Unterstützung. Genau hier ballen sich laut dem kurzfristigen Orderflow mehrere Sell-Orders; das ist weniger ein “ruhiges Auspendeln” als vielmehr aktives Hedging von Spot-Positionen durch kurzfristige Spekulanten. Der 4-Stunden-RSI fällt auf 35,85 und damit unter die gelbe gleitende Durchschnittslinie (42,67), was den Kurs nahe an den Bereich bringt, der oft als überverkauft interpretiert wird. Parallel zeigt die MACD-Logik im 4-Stunden-Chart eine klar bearish angelegte Konfiguration: Die blaue MACD-Linie kreuzt unter die orange Signal-Linie, mit Werten von -342,39 gegenüber -155,51, während die roten Histogrammbars breiter werden. Dieses Zusammenspiel spricht kurzfristig eher für taktische Dominanz der Verkäufer.

Der tiefere Treiber kommt allerdings aus dem Makro- und Tech-Umfeld. Der Nasdaq-100 schließt mit 28.128 Punkten auf einem elf Wochen tiefen Niveau, nachdem der Index in der laufenden Abwärtsphase in Richtung seines Mehrwochentiefs gedrückt wurde. In der Argumentationskette, die sich durch die aktuelle Risikoaversionsphase zieht, steht dabei die Erwartung, dass hohe Investitionen in KI-Infrastruktur zunächst den freien Cashflow der Unternehmen belasten und den Verschuldungsdruck erhöhen könnten. Als Beispiel wird genannt, dass Alphabet im Rahmen eines Juni-Deals Aktien im Volumen von 94 Milliarden US-Dollar an SpaceX gekauft hat. Der daraus abgeleitete Denkmodus lautet: Kapitalerhalt gewinnt an Priorität, bis aus großen Capex-Programmen echte, zeitnah messbare Erträge werden.

Wenn Tech-Aktien abverkauft werden, wirkt das in der Regel nicht nur über “Stimmung”, sondern auch über Liquiditäts- und Opportunitätskosten. Gleichzeitig steigt die Rendite der US-Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit auf 4,71 %, der höchste Stand seit Januar 2025. Für institutionelle Allokationen verändert das die Mathematik des Kapitaleinsatzes: Wer für vergleichsweise geringe Volatilität feste Renditen erhält, muss weniger aggressiv in hochbeta-riskante Assets wie Bitcoin wechseln. Genau in diesem Spannungsfeld zeigen sich auch die institutionellen Zuflüsse: Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen in der Woche bis zum 24. Juli nur 33 Millionen US-Dollar Nettozufluss und damit die schwächste Wochenbilanz über drei Wochen. Auch wenn Krypto nicht ausschließlich “Anleihe-Substitution” ist, lässt sich hier ein klarer Re-Allocation-Schub erkennen.

Die Chart-Ebenen machen deutlich, wo der Markt aktuell “entscheiden” will. Auf dem 1-Tages-Chart handelt Bitcoin knapp unter der gelben Moving-Average-Ribbon-Linie bei 64.266,14 US-Dollar. Längerfristig bleibt ein massiver Overhead-Bereich relevant: Eine rote Trendlinie liegt bei 77.301,64 US-Dollar und markiert damit eine Zone, die bei einem erneuten Rallye-Versuch vorerst als Widerstand wirken dürfte. Beim Blick auf den Aroon-Indikator ergibt sich ein zweigeteilter Eindruck: Aroon Up steht bei 71,43 %, während Aroon Down bei 14,29 % liegt. Das signalisiert zwar grundsätzlich noch Aufwärtsimpulse, die kurzfristige Schwäche kann aber gerade diese Signallogik in den nächsten Sitzungen überlagern.

Entscheidend wird jetzt die Gültigkeit der kurzfristigen bullischen Struktur. Wird die 4-Stunden-Aufwärtstrendlinie nicht nur “gestreift”, sondern in einem Tages-Schluss eindeutig gebrochen, kann das Setup kippen: Dann droht eine strukturelle Umkehr, bei der vor allem das psychologisch wichtige 60.000-Dollar-Niveau erneut als nächster Boden geprüft wird. Darunter liegt mit 60.688,54 US-Dollar eine weitere horizontale Stützzone, die im Falle weiterer Abgaben als nächster technischer Anker dienen könnte. Zusätzlich steigt das Risiko von Kaskaden in den Derivaten: Wenn die 63.000-Dollar-Marke nicht hält, können Long-Liquidationen die Abwärtsdynamik beschleunigen. In der Folge würde ein Durchbrechen zentraler horizontaler Basen den Weg zu tieferen Retests der Mai-Tiefs öffnen und damit die Erholungsbewegung der vergangenen drei Wochen weitgehend neutralisieren.

Für Marktteilnehmer heißt das: Die nächste Kursphase entscheidet sich weniger an einzelnen Candles, sondern an der Frage, ob Käufer auf “höherer Zeitebene” verteidigen können. Kurzfristig sprechen die technischen Signale im 4-Stunden-Umfeld für Momentum zugunsten der Verkäufer, während die längerfristigen Indikatoren zwar nicht vollständig ausgehebelt sind, aber unter Druck geraten. Gleichzeitig bleibt die Makro-Klammer bestehen: solange Renditen hoch bleiben und Tech-Aktien Liquidationen liefern, fehlt dem Kryptomarkt oft der Liquiditätspuffer, der sonst lokale Trendlinien stabilisieren würde. Dass Spot-BTC-ETFs zuletzt schwache Zuflüsse zeigen, verstärkt dabei den Eindruck, dass professionelle Nachfrage derzeit vorsichtig abwartet.


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