MANNHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Blookery bekommt in der „Höhle der Löwen“ 500.000 Euro von Johannes Kliesch, aber nicht als klassischer Deal um jeden Preis. Zwei Tage nach der Ausstrahlung ordnet Mitgründer Kevin Kiesewetter ein: Kliesch steigt vor allem als Partner mit Netzwerk und Expertise ein. Entscheidend sei für das Reiseportal aktuell weniger Kapital als der Aufbau der Nachfrage über die Zeit nach dem TV-Peak. Das Startup setzt dafür auf Remarketing, weil Blind Booking keine Impulskäufe auslöst.

Der größte Deal wirkt im Rückblick fast wie ein Nebenschauplatz: In der vierten Folge der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ ging Blookery am 28. September mit 500.000 Euro von Johannes Kliesch aus dem Studio, statt wie zuvor angeboten mit 12 Prozent. Im Text des Startups wird jedoch betont, dass der finanzielle Hebel nicht der Kern der Zusammenarbeit ist. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft für Gründerteams mit einem datengetriebenen Geschäftsmodell: Der Fernsehmoment bringt Reichweite, doch erst danach entscheidet sich, ob aus Aufmerksamkeit nachhaltige Buchungen werden.
Technisch betrachtet steht hinter Blookery ein Geschäftsablauf, der sich deutlich von „ein Klick, ein Kauf“-Produkten unterscheidet. Das Reiseprinzip heißt Blind Booking: Kunden geben Abflughafen, Zeitraum und Präferenzen vor, das Ziel erfährt man erst kurz vor der Abreise. Damit entsteht eine längere Entscheidungs- und Abstimmungsphase, in der nicht nur die Nutzererfahrung zählt, sondern auch die Timing-Logik von Marketing und Vertrieb. Wenn während der Ausstrahlung Besucher auf die Website strömen, heißt das noch nicht, dass die Buchung in der gleichen Session landet; die Reiseplanung braucht meist eine zweite Person, gemeinsame Daten und passende Rahmenbedingungen.
Die Reaktion auf dem Bildschirm war trotzdem sichtbar: Laut Mitgründer Kevin Kiesewetter stiegen die Besucherzahlen während der Ausstrahlung sofort. Gleichzeitig beschreibt er, warum das Startup aus dem Peak nicht automatisch Buchungen ableitet. Für Produkte, die man nur „nebenbei“ kauft, reicht oft ein kurzfristiger Impuls. Bei einer Reise hingegen läuft die Reiseentscheidung typischerweise über mehrere Schritte und Absprachen. Blookery setzt deshalb auf Remarketing: Werbung, die frühere Besucher später wieder anspricht, wenn die nächste Urlaubsplanung konkret wird. Damit verschiebt sich der Fokus von Reichweite am Sendetag hin zu einer planbaren Akquisekurve über Wochen.
Nach der Show folgt dann der zweite Teil der Geschichte, der im Startup-Umfeld selten so klar formuliert wird: Die Verhandlung endet nicht im Studio. Zwei Tage nach der Ausstrahlung hat das Team den weiteren Kurs mit Kliesch und seinem Unternehmen SNOCKS in Mannheim besprochen. Im Ergebnis wird Kapital ausdrücklich nicht als der entscheidende Engpass dargestellt, sondern als ein Baustein unter mehreren. Kliesch unterstütze Blookery demnach vor allem mit Netzwerk und Know-how; genau dafür wollten sie ihn an Bord holen. Für Unternehmen ist das eine wichtige Einordnung, weil ein erfahrener Unternehmer als Partner insbesondere dann stark ist, wenn es um Positionierung, Distribution und organisatorisches Lernen geht – also um Dinge, die sich nicht einfach „gegen Prozentpunkte“ einkaufen lassen.
Auch die Produktlogik zeigt, wie konsequent Blookery den Blind-Booking-Ansatz durchzieht. Das Startup setzt nicht auf ein festes Reiseziel, sondern wählt aus den passenden Kombinationen aus Flugzeiten, Aufenthaltsdauer und Hotelqualität den Kandidaten mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Interessant ist dabei nicht nur, was angeboten wird, sondern was bewusst ausgeschlossen wird: Zagreb wird aktuell am häufigsten als Ziel genannt, das man den Nutzern nicht macht. Solche Ausschlusskriterien sind in der Praxis häufig ein Mix aus Verfügbarkeiten, Qualitätsschwankungen und operativen Grenzen; sie helfen, die Erfahrung möglichst konsistent zu halten, obwohl das Ziel im Überraschungsprinzip erst später festgelegt wird.
Dass der TV-Auftritt nicht nur Kunden, sondern auch den Markt bewegt hat, zeigt ein weiterer Effekt: Einige Hotels hätten sich nach der Ausstrahlung gemeldet und Partnerschaften angefragt. Für ein Reiseportal ist das mehr als „PR“; direkte Hotel-Kooperationen können Verfügbarkeit und Konditionen verbessern, also genau die Stellschrauben, die das Ranking von Angeboten beeinflussen. Gleichzeitig bleibt der Schritt anspruchsvoll, weil Partnerauswahl nicht beliebig ist. Das Team führt laut eigener Aussage erste Gespräche und prüft, welche Häuser ins Angebot passen – ein Prozess, bei dem Qualitätsstandards und operative Prozesse zusammenkommen müssen.
Am Ende zieht das Startup aus der Episode drei Lehren, die auch für andere Gründerteams im Reise- und Plattformumfeld relevant sind. Erstens: Der Deal im Fernsehen ist Startsignal, keine Ziellinie. Zweitens: Reichweite ist nicht automatisch umsatznah; bei erklärungsbedürftigen Produkten braucht es einen Plan für den Zeitraum nach dem Peak. Drittens: Eine klare Positionierung zieht Partner an – selbst solche, die man im Vorfeld gar nicht aktiv adressiert. Für die Weiterentwicklung von Blookery bedeutet das konkret, dass die Marke nicht nur am Abend der Ausstrahlung wachsen muss, sondern über wiederkehrende Nutzeransprache, saubere Partnerbeziehungen und einen Ablauf, der Buchungsentscheidungen im realen Leben abbildet.
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