WALL STREET / LONDON (IT BOLTWISE) – Für 2026 zeichnet sich an der Wall Street ein kräftiger Bonus-Schub ab, der laut Johnson Associates breit über die Branche ausgreift. Das Beratungsunternehmen hat seine Bonusprognosen im Schnitt um 3 Prozentpunkte gegenüber dem bereits optimistischen ersten Quartal angehoben. Vor allem große Banken sollen dabei den Vorsprung ausbauen: Bonuszahlungen für viele Rollen steigen, während alternative Player wie Private Credit unter Druck geraten. Die Dynamik markiert zudem eine spürbare Umkehr zum Trend der vergangenen Jahre.

Der Blick auf 2026 fällt an der Wall Street gerade so leicht wie seit Jahren nicht: Nicht nur die Deal-Landschaft wirkt aktiv, auch die Erwartung an höhere Bonuszahlungen bekommt neuen Rückenwind. Laut Johnson Associates spiegelt sich die Stimmung in einer angehobenen Prognose wider – durchschnittlich um 3 Prozentpunkte gegenüber dem ohnehin positiven Ausblick aus dem ersten Quartal. Grundlage ist ein Mix aus einem starken Aktienmarkt, anhaltender Aktivität bei Mega-Deals und dem fortgesetzten KI-Hype, der sowohl im Kapitalmarktgeschäft als auch in internen Innovationsprogrammen über Unternehmensgrenzen hinweg Budget und Personal bindet.
Technisch betrachtet ist ein Bonusboom selten ein reines „Gefühl“, sondern folgt konkreten Umsatz- und Risikozyklen. Johnson Associates verfolgt dafür 21 Wall-Street-Jobkategorien und leitet daraus ab, wie stark sich die Vergütung gegenüber dem Vorjahr verändert. In der Einschätzung sollen vier von fünf Rollen einen Bonusanstieg sehen. Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Bankensegmenten: Die großen Häuser sollen andere Institutionen spürbar übertreffen – Johnson Associates bezeichnet 2026 deshalb als „Year of the Bank“. Der Hintergrund: Viele Marktteilnehmer rechnen damit, dass starke Halbjahreszahlen und überdurchschnittlich lebhafte Kapitalmarktbedingungen den Vergütungshebel der Banken schneller nach oben ziehen als etwa spezialisierte Wettbewerber.
Bei der konkreten Verteilung werden die Prioritäten im Investment Banking sichtbar. Für Stock Trader und IPO-Banker rechnet das Beratungsunternehmen mit einem Bonus-Plus von bis zu 30% gegenüber dem Vorjahr. Danach rücken M&A-Berater und leitende Bankmanager in den Fokus: Für sie wird ein Zuwachs von 17,5% erwartet. Gleichzeitig bleibt der Bonusanstieg nicht auf das Frontoffice beschränkt. Auch Corporate-Funktionen außerhalb des eigentlichen Handels – etwa in Operations, IT, Finance oder Human Resources – sollen im Schnitt zweistellige Zuwächse sehen. So entsteht ein Vergütungsprofil, das weniger nach isolierten „Trader-Gewinnen“ aussieht, sondern nach einer breiter getragenen Ergebnisentwicklung.
Der Blick auf den Fixed-Income-Bereich zeigt dagegen, wie stark die einzelnen Ertragsmotoren auseinanderlaufen können. Für Bond Underwriter und Fixed-Income-Trader wird ein Bonuswachstum von 7,5% erwartet, während kommerzielle und Retail-Banker mit etwa 5% rechnen. Parallel gelten die Aussichten für Asset- und Wealth-Manager grundsätzlich als positiv, allerdings mit einer Ausnahme: In Private Markets soll die Vergütung deutlich variieren, weil die Verfügbarkeit von Liquidität, Ausstiegsfenster und das Ausmaß erfolgreicher Investments dort stärker schwanken als in börsennäheren Geschäftsfeldern. Damit hängt die Bonusentwicklung nicht nur von „mehr Deals“ ab, sondern auch davon, wie schnell Erträge in die Kalenderlogik der Auszahlung übersetzt werden.
Spannend ist an der Prognose vor allem die Gegenbewegung zu einer Dekade, in der alternative Geschäftsmodelle vielfach als bevorzugter Karriere- und Renditetreiber galten. Johnson Associates beschreibt für 2026 eine „schärfere Rückabwicklung“ dieses Trends: Private Equity, Credit, Hedge Funds und andere Alternativen hätten zuletzt die heißesten Plätze an der Wall Street dargestellt. Nun soll sich der Vorteil alternativer Asset-Manager – zumindest zunächst – weitgehend erledigt haben. Ohne Carried-Interest-Zahlungen wird für Infrastruktur-Investments und große Private-Equity-Häuser ein Trend nach oben genannt (7,5% beziehungsweise 5%). Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen das Wachstum ausbleibt: Für Real-Estate-Asset-Management, Venture Capital sowie kleinere PE-Shops wird insgesamt kein Bonusanstieg erwartet.
Noch deutlicher wird die Verschiebung beim Private Credit: Dort rechnet Johnson Associates mit Bonusrückgängen von bis zu 10%. Als Belastungsfaktoren werden steigende Investor-Redemptions, Refinanzierungs- und Fundraising-Druck sowie breitere Sorgen im Kreditumfeld genannt. Für Unternehmen heißt das: Personalplanung und Budgetierung können 2026 sektorspezifisch anders aussehen als viele HR-Modelle der letzten Jahre. Wer in Bank- oder kapitalmarktnahen Teams sitzt, dürfte mit stärkerem Vergütungswettbewerb rechnen, während Rollen in bestimmten Bereichen alternativer Kreditstrukturen eher mit einer Abflachung konfrontiert werden. Gleichzeitig bleibt die KI-Komponente ein indirekter Treiber: KI-gestützte Risikoanalysen, Automatisierung in Backoffice-Prozessen und schnellere Deal-Intelligence erhöhen zwar die Effizienz, aber die Bonuslogik bleibt letztlich an Marktvolumen, Margen und realisierten Ergebnissen gekoppelt.
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