SCHWERIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering macht vor allem Berlin für das schwache Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich. Er sieht einen tief sitzenden Vertrauensverlust gegenüber der Bundesregierung. Thering fordert Entscheidungen, die spürbar wirken, und ordnet das Ergebnis auch der starken Polarisierung im Wahlkampf zu. Gerade für Politik im digitalen Zeitalter wird damit die Frage nach Verlässlichkeit und Umsetzungsgeschwindigkeit noch dringlicher.

Hamburgs CDU-Vorsitzender Dennis Thering sieht die zentralen Gründe für das schwache Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern vor allem in Berlin. Der Kern seiner Argumentation lautet: Der Vertrauensverlust gegenüber der Bundesregierung sitze „tief“, und damit verliere die CDU im Wettbewerb um Wählergunst spürbar Terrain. Politisch klingt das nach einem klassischen Vertrauensnarrativ – technologisch gedacht zeigt sich darin aber auch ein Muster, das in vielen digitalen Transformationsprojekten wiederkehrt: Wenn Entscheidungen als zu langsam, zu abstrakt oder zu wenig wirksam wahrgenommen werden, kippt die Akzeptanz schneller als jede einzelne Maßnahme.
Therrings Forderung richtet sich konkret auf das Tempo und die Wirkungskraft politischer Beschlüsse: Bundeskanzler Merz und sein Kabinett müssten „liefern“, und zwar mit Entscheidungen, die „spürbar wirken“. Für Unternehmen und Verwaltung ist diese Erwartung unmittelbar anschlussfähig, denn politische Handlungsfähigkeit ist häufig die Startbedingung für Infrastruktur- und Tech-Projekte – von Digitalisierungsprogrammen in Behörden über Förderlogiken bis hin zu Standards in der Verwaltungstechnik. Selbst wenn einzelne Vorhaben technisch sauber designt sind, entscheidet in der Praxis oft die politische Umsetzungsfähigkeit über Budgets, Zeitpläne und Prioritäten.
Als zusätzlichen Verstärker nennt Thering die starke Polarisierung im Wahlkampf zwischen der AfD und der SPD von Manuela Schwesig. Seine Lesart: Der Gegenwind aus dem Bund habe der CDU „spürbar“ geschadet, und die Debatte sei stark auf Lagerbildung zugespitzt worden. In technologischer Perspektive ist das mehr als Parteiengefecht: Polarisierung verändert die Informationslage, reduziert Spielräume für Kompromisse und erhöht den Kommunikationsaufwand. In digitalen Programmen bedeutet das häufig mehr Abstimmungsrunden, späteren Projektstart und riskante Umbauten, weil Schnittstellen zwischen Ressorts, Datenflüssen und Verantwortlichkeiten erst dann stabil werden, wenn der politische Konflikt abklingt.
Damit verschiebt sich der Fokus von der Wahlkampfrhetorik hin zu dem, was in Tech-Organisationen unter „Deliverables“ verstanden wird: nicht nur die Ankündigung, sondern messbare Ergebnisse, verankert in Budgets, Zuständigkeiten und einem konsistenten Rollout-Plan. Thering zielt genau auf dieses Spannungsthema zwischen Versprechen und Umsetzung. Historisch lässt sich beobachten, dass gerade in föderalen Systemen politische Zyklen oft härtere Grenzen setzen als technische Machbarkeit: Schnittstellen werden eingefroren, Förderfenster schließen, Ausschreibungen müssen wiederholt werden. Sobald Vertrauen erodiert, wächst zudem die Neigung, Risiken stärker zu meiden – auch dort, wo Pilotprojekte eigentlich der richtige Weg wären.
Für die CDU und die SPD ist die Frage nach Vertrauen damit auch eine Frage nach der Governance von Digitalisierung: Wer entscheidet, welche Standards gelten? Wie werden Sicherheitsanforderungen umgesetzt, wenn Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen verteilt sind? Und wie sorgt man dafür, dass neue digitale Dienste nicht nur gestartet, sondern im Betrieb zuverlässig verbessert werden? Gerade in Bereichen wie Cybersicherheit, Identitätsmanagement oder interoperablen Verwaltungsservices hängt der Nutzen für Bürger und Unternehmen eng an der Kontinuität der politischen Unterstützung. Wenn sich – wie Thering es beschreibt – der Vertrauensverlust „tief“ festsetzt, steigt der Druck, nicht erst zu erklären, sondern schneller zu konfigurieren: Zuständigkeiten klarziehen, Zeitpläne veröffentlichen und Wirkung nach außen sichtbar machen.
Für Entscheider in Unternehmen, Verbänden und auch in der öffentlichen Hand bedeutet das Ergebnis vor allem eines: politische Signale sollten stärker als Bestandteil der Tech-Roadmap betrachtet werden. Wenn Parteien die Bundesregierung für fehlende Wirkung verantwortlich machen, ist das zugleich ein Hinweis, dass Stakeholder künftig genauer auf Umsetzungsfortschritte achten werden – inklusive der Frage, wie schnell neue Regeln oder Förderprogramme in konkrete Systemänderungen übersetzt werden. Dass Thering die Polarisierung im Wahlkampf als Faktor hervorhebt, legt nahe, dass Kommunikations- und Abstimmungsaufwand weiterhin zunimmt. Gleichzeitig entsteht dadurch ein strategischer Hebel: Wer Prozesse so gestaltet, dass sie auch bei politischen Turbulenzen stabil bleiben, reduziert Projektbrüche und gewinnt Zeit – bis politische Entscheidungen tatsächlich die „spürbare“ Wirkung entfalten, die Thering einfordert.
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