LONDON (IT BOLTWISE) – Certus Hearing bringt mit dem Certus Max ein wiederaufladbares Hörgerät-Set für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Hörminderung auf den Markt. Das mitgelieferte Ladecase besitzt einen integrierten Farb-Touchscreen, über den Nutzer zentrale Einstellungen direkt am Case steuern und ablesen. Das Modell unterstützt direktes Bluetooth-Streaming von Telefonaten und Musik auf beide Ohren, ohne dass dafür zwingend ein zusätzlicher Übertragungsweg nötig ist. Für eine einzelne Ladung nennt der Hersteller bis zu 15 Stunden Hörzeit – abhängig vom Nutzungsprofil.

Certus Hearing zielt mit dem Certus Max auf eine konkrete Hürde im Alltag: Viele Hörlösungen sind zwar technisch ausgereift, aber die Steuerung bleibt für einen Teil der Nutzerinnen und Nutzer an ein Smartphone gekoppelt. Genau hier setzt das neue wiederaufladbare Modell an, das als Receiver-in-Canal-Design (RIC) beschrieben wird und sich an Erwachsene mit einer wahrgenommenen leichten bis mittelschweren Hörminderung richtet. Das zentrale Alleinstellungsmerkmal ist dabei nicht primär eine neue App-Logik, sondern ein mitgeliefertes Ladeetui mit integriertem Farb-Touchscreen. Über dieses Display lassen sich zentrale Parameter direkt am Ladecase einstellen und anzeigen – also dort, wo das Gerät ohnehin täglich an- und ablegt wird.
Mit dem Touchscreen verschiebt sich der Bedienfokus vom „Smartphone als Fernbedienung“ hin zu „Case als Steuerzentrum“. Der Hersteller nennt als Funktionen unter anderem die getrennte Lautstärkeregelung für beide Ohren. Daneben zeigt die Anzeige den aktuell gewählten Modus sowie den verbleibenden Akkustand der Hörkomponenten an. Das ist für den Praxisbetrieb relevant, weil gerade bei Nutzerprofilen mit wechselnder Tagesstruktur (z. B. Arbeit, Wege, Restaurantbesuch) die schnelle Anpassung wichtiger sein kann als die tiefergehende Feinjustierung über komplexe Menüs. Gerade wenn das Smartphone gerade nicht griffbereit ist, kann der Bedienweg damit deutlich kürzer werden.
Technisch positioniert sich der Certus Max außerdem über drahtlose Konnektivität. Laut Angaben, die im Zusammenhang mit Berichten vom 24. Oktober 2026 genannt werden, erlaubt das Gerät direktes Bluetooth-Streaming von Telefonaten und Musik auf beide Ohren. Die Funkverbindung soll sowohl mit iOS-Geräten von Apple als auch mit Android-Smartphones kompatibel sein. Im Inneren arbeitet ein 32-Kanal-Chip zur Verarbeitung der akustischen Signale. Praktisch wird das durch die genannten Anpassungsmodi: Nutzerinnen und Nutzer können zwischen vier vordefinierten Einstellungen wählen – Smart, Meeting, Outdoor und Universal. Diese Modi bilden im Kern unterschiedliche Filter- und Verstärkungsprofile für typische Geräuschkulissen ab, ohne dass für jeden Einsatzfall zwingend eine neue „Kalibrierung“ nötig wäre.
Auch die Gewichts- und Energieangaben sind für die Einordnung wichtig. Pro Hörkomponente nennt der Hersteller ein Gewicht von etwa 4 g. Bei der Laufzeit unterscheidet Certus Hearing ausdrücklich zwischen reinem Hören und Nutzung mit aktiver drahtloser Funktion: Bis zu 15 Stunden sollen bei „reinem Hören“ pro Ladung möglich sein. Sobald Bluetooth-Streaming im Spiel ist, reduziert sich die Betriebsdauer auf rund 5 Stunden für Telefonate oder etwa 6 Stunden für die Musikwiedergabe. Das Ladecase selbst wird über USB-C mit Strom versorgt und soll unterwegs 4- bis 5-mal vollständige Nachladungen für beide Hörgeräte ermöglichen. Für Nutzer, die ihren Tag stark über Telefonate und Audio steuern, ist diese Trennung im Datenblatt entscheidend, weil sie die Erwartungen an „eine Ladung“ realistisch macht.
Im Marktumfeld wirkt der Ansatz wie eine Mischung aus Consumer-Electronics-Logik und Hörgerätefunktion. Viele Wettbewerber im Bereich Hörhilfen setzen seit Jahren auf App-basierte Steuerung, während die Hardware selbst häufig primär durch Diagnose- und Anpassungsprozesse im Hintergrund geprägt wird. Beim Certus Max wird die Bedienung bewusst entkoppelt: Das Case übernimmt eine Rolle, die sonst oft dem Smartphone zufällt. Diese Strategie kann gerade für Personen mit geringerer Affinität zu Smartphone-Setups attraktiv sein – sie reduziert Abhängigkeiten und vereinfacht Abläufe im Alltag, weil Einstellungen nicht zwangsläufig über Bluetooth-Handshakes und App-Menüs laufen müssen.
Für die Kauf- und Servicekonditionen nennt der Hersteller eine Testphase von 90 Tagen mit Geld-zurück-Garantie sowie eine zweijährige Herstellergarantie. Auf der eigenen Produktseite wird zudem eine durchschnittliche Bewertung von 4,9 von 5 Sternen genannt, basierend auf 2.309 verifizierten Kundenrezensionen. Ergänzend verknüpft der Anbieter Hörlösungen inhaltlich mit dem Thema geistige Fitness: Ein kostenloser Report soll den Zusammenhang zwischen Hören und der Gesundheit des Gehirns thematisieren. Solche Aussagen werden in der Praxis meist als Motivation für den regelmäßigen Umgang mit Hörproblemen verstanden; für den technischen Einsatz bleibt aber vor allem entscheidend, dass die Bedienbarkeit (Touchscreen am Case), die Funkfunktionen (Bluetooth-Streaming) und die Alltagstauglichkeit (Ladezyklen, Modi, Laufzeiten) stimmig zusammenspielen.
In Summe adressiert der Certus Max drei Berührungspunkte, die in der täglichen Nutzung oft Zeit kosten oder Unsicherheit auslösen: schnelle Modusumschaltung, sichtbare Akkustand-Information ohne Umwege und die Möglichkeit, Telefonate sowie Musik direkt auf beide Ohren zu streamen. Entscheidend wird dabei sein, wie gut die Modi im jeweiligen Hörprofil ankommen und ob sich die getrennte Lautstärkeeinstellung über den Touchscreen als tatsächlich „schneller“ Bedienweg etabliert. Für Technikinteressierte bleibt der Ansatz außerdem deshalb spannend, weil er eine klar definierte Schnittstelle zwischen Hörhardware und Consumer-UI (Touch-Display am Ladecase) nutzt – und damit das Nutzererlebnis nicht vollständig an eine Smartphone-Software koppelt.
Für den Markt bedeutet das: Wer Hörhilfen als „leicht zugängliche Technologie“ positioniert, muss nicht nur Signalverarbeitung verbessern, sondern auch Interaktion vereinfachen. Der Certus Max versucht genau diese Lücke zu schließen, indem das Ladecase selbst zur Steuerkomponente wird und das Bluetooth-Streaming direkt in den Alltag integriert ist. Wenn sich diese Logik durchsetzt, könnten sich Erwartungen an zukünftige Produkte verschieben: Weg von „erst App öffnen, dann einstellen“, hin zu „Gerät bedienen, wenn es gerade am Tisch steht“ – insbesondere dann, wenn die Laufzeiten und Nachladezyklen im Tagesrhythmus gut passen.
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