Am 1. Oktober wechselt Apple in der EU auf ein einziges Regelwerk für Entwickler, und Österreich ist davon genauso betroffen wie der Rest des Binnenmarkts. Neu ist, dass Entwickler Apple In-App Purchase erstmals parallel zu alternativen Bezahlwegen anbieten dürfen. Es geht um die Frage, wer an einem Kauf von 9,99 Euro wie viel verdient und welche Bezahlwege Nutzern künftig überhaupt angeboten werden. Die Antwort darauf hat sich im August verschoben, ohne dass ein einziges Update nötig war.

Neue Provisionen statt Core Technology Fee

Bisher mussten sich Entwickler in der EU zwischen zwei Vertragsmodellen entscheiden. Ab Oktober gilt ein einziges, egal ob eine App im App Store liegt oder über einen alternativen Marktplatz kommt. Die umstrittene Core Technology Fee von 50 Cent pro Installation fällt weg. An ihre Stelle tritt eine Core Technology Commission von fünf Prozent auf digitale Transaktionen außerhalb des App Stores.

Gleichzeitig sinkt die Standardprovision bei Zahlung über Apple In-App Purchase von 30 auf 26 Prozent. Wer im Small Business Program sitzt, zahlt 15 Prozent. Wickelt eine App die Zahlung selbst ab, sind es 20 beziehungsweise 10 Prozent, und beim Verlinken auf eine externe Kaufseite 15 beziehungsweise 10 Prozent. Einmal gewählt, muss ein Entwickler bei seiner Kombination zwölf Monate bleiben. Wie zäh das Verhältnis zwischen Apple und Brüssel bleibt, zeigte sich zuletzt beim EU-Start von Siri AI. Diese Wahl entscheidet, an welcher Kasse das Geld der Nutzer künftig landet.

Der Weg an der Store-Kasse vorbei

Wer die Zahlung nicht mehr über Apple abwickelt, braucht einen eigenen Zahlungsdienstleister. Welche Methoden dieser anbietet, entscheidet der Entwickler, und die Abrechnung über den Mobilfunkvertrag ist in Österreich nur einer dieser Wege außerhalb der Stores. Die RTR führt solche Käufe als Dienste von Drittanbietern und zählt dazu etwa Apps und Klingeltöne. Bezahlt wird per Tastendruck, verrechnet wird über die Telefonrechnung.

Der Weg über den Mobilfunkanbieter endet allerdings nicht bei Spielen und Streaming-Abos. Anbieter außerhalb der App-Stores nutzen dieselbe Abrechnungsschiene schon deutlich länger, weil sie ohne Kartendaten auskommt und mit jedem österreichischen Mobilfunkvertrag funktioniert. In diesem Umfeld hat sich auch die Casino-Einzahlung über die Handyrechnung als eigene Kategorie etabliert, mit Anbietern, die den Betrag direkt auf die Monatsrechnung setzen. Eine österreichische Konzession für Online-Casinos hat allerdings nur win2day. Der Betrag landet ohne Umweg über eine Karte im nächsten Rechnungslauf.

Ein vollwertiger Ersatz für Karte oder Konto ist das trotzdem nicht. Die Beträge sind gedeckelt, oft im niedrigen zweistelligen Bereich pro Vorgang, und ein Rückweg existiert nicht. Geld fließt in diese Richtung immer nur hinaus. Wer größere Summen bewegen will, kommt um eine klassische Zahlungsmethode nicht herum. Interessant wird die Schiene deshalb genau dort, wo es um kleine Beträge und um Tempo geht.

Die Handyrechnung im Alltag österreichischer Nutzer

Dieses Tempo ist der Grund, warum die Schiene überlebt hat. A1, Magenta und Drei wickeln die Abrechnung ab, der Händler bekommt keine Kontodaten zu sehen, und die Freigabe läuft beim ersten Mal über einen Code oder einen Klick. Danach passiert nichts mehr sichtbar, bis die Monatsrechnung kommt. Auf ihr taucht der Posten je nach Betreiber unter Bezeichnungen wie Downloads und Abos oder Dienste von Drittanbietern auf.

Das ist bequem und zugleich die Schwachstelle. Wer im Monat drei kleine Käufe tätigt, merkt sie erst gesammelt, und ungewollte Abos sind über diesen Kanal seit Jahren ein Thema für die Schlichtungsstelle. Die RTR weist deshalb darauf hin, dass sich Drittanbieterdienste sperren lassen und diese Sperre einmal jährlich kostenlos ist. Wie hoch die Betreiber ihre Limits ansetzen, unterscheidet sich allerdings von Tarif zu Tarif. Die gängigen Varianten der Zahlung per Handyrechnung sortiert eine Übersicht des Österreichischen Pressebüros. Prepaid-Kunden zahlen aus dem Guthaben, Vertragskunden über die Rechnung.

Am Preis ändert der Bezahlweg nichts, am Zeitpunkt dagegen viel. Wer sein Budget im Blick behalten will, schaut nicht in den Store, sondern in die Kundenzone seines Betreibers.

Kleine Studios und die neue Rechnung

Auf der Gegenseite sitzen die Entwickler, und für sie fällt die Rechnung sehr unterschiedlich aus. Ein großes Studio mit Millionenumsatz spart sich ab Oktober vier Prozentpunkte und kommt beim Verlinken auf eine eigene Kaufseite auf 15 Prozent; die fünf Prozent Core Technology Commission gelten nur für Apps außerhalb des App Stores. Ein einzelner Entwickler hat diese Infrastruktur nicht. Zahlungsabwicklung und Meldepflichten müsste er selbst tragen. Für ihn bleiben die 15 Prozent aus dem Small Business Program der praktikable Weg. Dass Apple Erlöse notfalls an anderer Stelle einsammelt, zeigte Ende Juli die angekündigte Kopplung an iCloud+ bei den erweiterten Siri-Funktionen. Das neue Modell belohnt damit vor allem jene, die Vertrieb und Zahlung selbst stemmen können.

Am 1. Oktober ändert sich also weniger im Store als dahinter. Die Preisschilder bleiben, neu verteilt wird die Marge, und daran hängt die Frage, welchen Bezahlbutton eine App überhaupt anbietet. Manche rechnen weiter still über Apple ab, andere führen auf eine eigene Kaufseite. Dort beginnt wieder die alte österreichische Frage nach der Zahlungsmethode, und ihre Antwort hat sich in fünfzehn Jahren kaum bewegt. Ob von den gesparten Prozentpunkten etwas bei den Nutzern ankommt, zeigt sich ohnehin erst im Frühjahr. Dann liegen die ersten Abrechnungen nach dem neuen Modell vor.













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