LONDON (IT BOLTWISE) – Circle hat am 16. September 2026 das öffentliche Mainnet seiner USDC-zentrierten Layer-1-Blockchain Arc gestartet. Zum Start wurden 11 Gründungs-Validatoren aus dem traditionellen Finanzbereich benannt, darunter auch die SBI Group. Damit rückt die Frage in den Fokus, ob SBI sich von Ripple XRP entfernt oder bewusst zwei Settlement-Schienen gleichzeitig besetzt. Arc arbeitet dabei mit USDC als nativer Gas-Assets und setzt auf dollar-denominierte Transaktionskosten.

Circle bringt mit Arc eine neue Layer-1 an den Start: Am 16. September 2026 wurde das öffentliche Mainnet veröffentlicht, inklusive eines expliziten USDC-Setups. Technisch fällt zuerst auf, dass Arc als EVM-kompatible Plattform mit dem vertrauten Smart-Contract-Umfeld für bestehende Ethereum-Developer positioniert ist. Der Unterschied liegt jedoch im Kernmechanismus der Gebühren: USDC ist das native Gas-Asset, sodass Transaktionen nicht in einem volatilen Netzwerk-Token „durch den Preis“ laufen, sondern in einer stabileren, dollar-nahen Logik abgebildet werden.
Für Unternehmen und Institutionen ist gerade diese Kopplung an stabile Preisniveaus ein Signal, weil sie den Aufwand reduziert, den Risikoaufschlag bei öffentlichen Ketten häufig auslöst. Circle beschreibt Arc als „purpose-built“ für Stablecoin-FinanEngineering: eine dollar-denominierte Fee-Struktur, eine integrierte Stablecoin-FX-Engine sowie eine auf Subsekunden zielende Finalität. Dazu kommen opt-in Datenschutzfunktionen, die nicht einfach „mehr Privatsphäre“ versprechen, sondern als Steuerung verstanden werden, die Nutzer je nach Use Case aktivieren können. Was in der Praxis zählt: Entwickler müssen weniger Brückenlogik zwischen Preisdisplay, Gas-Accounting und Stablecoin-Handling implementieren, weil das System die Einheit konsequent über USDC abbildet.
Auf der Anwenderseite nennt Circle einen day-one App-Kern, der DeFi-Protokolle wie Aave und Uniswap ebenso einschließt wie Zahlungsdienstleister und Wallet-/Exchange-Anbindungen. Im gleichen Atemzug wird die institutionelle Tonlage deutlich: Circle erwähnt, dass zuvor bereits mehr als 100 institutionelle Akteure auf dem privaten Mainnet aktiv waren. Dazu passen die Startbedingungen beim Validator-Set: Die 11 Gründungs-Validatoren stammen laut Quelle überwiegend aus dem klassischen Finanzsektor, darunter unter anderem BlackRock, DTCC, Galaxy und Visa. Das ist für die Marktdeutung relevant, weil Validatoren nicht nur „Taktgeber“ für Sicherheit sind, sondern auch ein sichtbarer Fingerabdruck dafür, welche Settlement-Ökosysteme ein Finanzhaus als operativ beherrschbar einschätzt.
Genau hier wird SBI in eine Art Spannungsfeld gedrückt. Die Quelle ordnet SBI als größten externen Aktionär von Ripple ein; zugleich wird betont, dass SBI seit 2016 einen Anteil von rund 9 % hält und der CEO den Wert dieser Beteiligung mit etwa 4 Mrd. US-Dollar beziffert. Gleichzeitig ist SBI laut Darstellung nicht nur Investor, sondern operativ in den XRP-Umfeldaktivitäten verankert, etwa über eine Remittance-Road-to-XRP-Routing-Struktur in Japan. Parallel dazu wird beschrieben, dass SBI 2026 als regulierter RLUSD-Distributor in Asien agierte und sogar als Gründungs-Validator für ein konkurrierendes Stablecoin-Netzwerk auftritt. Das Muster passt damit zu einer „Dual-Rail“-These: SBI validiert Arc, bleibt aber gleichzeitig in Ripple- und RLUSD-nahen Rollen präsent.
Die politische und regulatorische Komponente wird in der Quelle ebenfalls als nichtlineares Risiko-Element adressiert. Der Kursrückgang von XRP um 10 % wird mit der Blockade des CLARITY Act im US-Senat verknüpft. Für die technische Einordnung ist das weniger ein „Katalysator“ als eine Erinnerung: Settlement-Entscheidungen werden oft nicht am Rechenmodell getroffen, sondern an der Frage, welche regulatorische Rahmung sich für den Betrieb von Tokens, Auszahlungen und Verwahrketten tatsächlich stabilisieren lässt. Deshalb wirkt die validator-seitige Beteiligung an Arc auch weniger wie ein Richtungswechsel, sondern eher wie Absicherung gegen Pfadabhängigkeiten. Ein weiteres Detail stützt dieses Bild: Die Quelle verweist darauf, dass Mastercard RLUSD über mehrere Blockchain-Netzwerke hinweg integrieren will bzw. integriert hat und damit ebenfalls nicht nur auf eine einzige Schiene setzt.
Am Ende läuft die zentrale Frage auf eine Infrastruktur-Entscheidung hinaus, die sich selten in einem einzigen Launch-Event beantworten lässt. Weder SBI noch die anderen dualen Player können durch den Arc-Validator-Status „automatisch“ aus Ripple austreten; vielmehr wird gezeigt, wie Banken und Finanzmarktakteure das Risiko über Ökosysteme streuen, bis sich ein belastbares Standard-Settlement herauskristallisiert. Für die Liquiditätsseite bleibt nach Darstellung der Quelle entscheidend, wie sich XRP-Liquidität durch Ripple-spezifische Supply-Mechaniken und planbare Escrow-Releases gegenüber USDC-basierten Infrastrukturen verschiebt. Wenn institutionelles Kapital später vor allem USDC-gestützte Settlement-Rails priorisiert, würde das Arc im Vorteil positionieren; falls sich dagegen ein mehrschieniges Modell dauerhaft hält, könnte Arc eher ein zusätzlicher Baustein in einem Portfolio aus Netzen werden, statt der „eine“ Siegerkette.
Operativ heißt das für Entwickler und Entscheider vor allem: Arc sollte nicht nur als weitere EVM-L1 gelesen werden, sondern als konkretes Gebühren- und Stablecoin-Betriebsmodell. Der Wechsel auf USDC als Gas reduziert Preisvolatilität im operativen Alltag, was etwa bei Zahlungsflows, tokenisierten Fondsprozessen oder automatisierten Kontenmodellen spürbar werden kann. Kreis nennt zudem, dass Arc aktuell einen technischen Meilenstein erreicht hat, indem 10 Milliarden ARC-Token auf dem Mainnet geprägt wurden, ohne daraus direkt eine öffentliche Token-Notierung abzuleiten. Gleichzeitig bleibt offen, ob Arc später Proof of Stake als nächsten Schritt näher an die Roadmap zieht. Genau diese Mischung aus Launch-Details, institutioneller Validatorenwahl und Stablecoin-Regelwerkslogik dürfte in den nächsten Monaten darüber entscheiden, ob Arc vor allem neue Anwendungsfälle gewinnt oder sich zunächst als „zweite Schiene“ neben XRP-basierten Pfaden etabliert.
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