BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Empfehlungs-App „CircleRecs“ von Garry und Vu ist bereits live, schafft aber trotz bis zu 10.000 Video-Views noch keine stabile Conversion in Nutzer. Bis zu fünf Creator betreiben die App aktiv, auf der Warteliste stehen inzwischen 70 Interessenten. Die Gründer setzen deshalb nicht primär auf mehr Content, sondern auf gezielte Distribution über Creators, das Unternehmensnetzwerk und Events. Gleichzeitig wollen sie mit Hotel-Abos schon früh eine Monetarisierung testen, ohne den Endnutzer-Teil zu bepreisen.

„CircleRecs“ startet mit einer klaren Idee: Freunde sollen ihre Lieblingsorte an Freunde weiterempfehlen können, statt Empfehlungen in verstreuten Chats versanden zu lassen. Garry und Vu arbeiten dabei mit einem App-Mechanismus, der stärker nach sozialen Empfehlungen funktioniert als nach klassischer Such- und Bewertungslogik. Genau an der Schnittstelle „Interessent sieht etwas“ zu „Interessent macht die App wirklich auf“ hakt es aktuell jedoch spürbar: Obwohl einzelne Videos bereits auf Größenordnungen von bis zu 10.000 Views kommen, landen daraus noch zu wenige Klicks direkt in aktiven Nutzungen der App.
Technisch und produktseitig ist das nicht ungewöhnlich, aber für frühe Consumer-Apps besonders schmerzhaft: Wenn die App bereits „on“ ist, entscheidet der nächste Schritt über den gesamten Growth-Hebel. Die Gründer berichten, dass die App seit Kurzem online ist und Creator bereits Empfehlungen einstellen. Ein Creator hat dabei mehr als 100.000 Follower und stellt über 100 Empfehlungen bereit, außerdem gibt es eine Warteliste mit rund 70 Personen. Im Kern zeigt das Muster: Reichweite erzeugt Aufmerksamkeit, die Aktivierung funktioniert aber nur, wenn der erste „Value Moment“ schnell genug kommt und die Nutzer auf einen sauberen Pfad zur Registrierung und zum ersten eigenen Beitrag geleitet werden.
Aus ihrer Sicht ist dafür vor allem der fehlende Werbedruck verantwortlich. „Wir haben noch keine richtige Werbung gemacht“, lautet der Tenor der beiden. Das ist plausibel, weil ein Paid-Setup in der Regel erst dann sinnvoll wird, wenn der Funnel klar genug ist, um Werbeausgaben in planbare Installationen und Empfehlungen zu übersetzen. Allerdings wird damit auch deutlich, dass sie aktuell vor einer typischen Verteilungsaufgabe stehen: Nicht die Inhalte fehlen, sondern ein wiederholbarer Vertriebskanal, der Reichweite in Nutzung umwandelt. Sie sprechen selbst von einer „Funnel“-Suche, die bis Anfang September greifen soll, und peilen dabei bis zu 1.000 Nutzer an.
Die Distribution, die Garry und Vu testen wollen, setzt deshalb auf mehrere Akquisitionswege mit unterschiedlichen Einstiegshürden. Erstens wollen sie Creator mit Reichweite stärker in die App „hineinführen“: Food-Creator sollen Empfehlungen einstellen, damit Follower beim Klick auf eine Empfehlung nicht nur „anschauen“, sondern direkt in der App landen und dort soziale Bezüge sehen. Zweitens planen sie einen Hebel über ein großes internes Unternehmensnetzwerk: In diesem Umfeld könnten Mitarbeiter zur Nutzung eingeladen werden, sich gegenseitig folgen und eigene „Circles“ aufbauen, also kleine soziale Blasen, die den sozialen Proof früh erzeugen. Drittens soll ein Creator-Event am 2. September als sozialer Verstärker wirken: Dort sollen rund 25 bis 30 Influencer sowie weitere geladene Gäste erwartet werden, mit der Hoffnung, dass Teilnehmer danach freiwillig über die App posten.
Daneben zielen die Gründer auf bereits existierende Community-Strukturen und auf geografische Streuung. Community-Gruppen wie Unigruppen, Erasmus-Communities und Running Clubs eignen sich dabei als Vorstufe, weil sie Nutzer mit ähnlichen Routinen und Interessen bündeln und die App als „gemeinsamer Fundus“ funktionieren kann. Ebenso ist eine klassische Offline-Aktion geplant: Am Wochenende sollen Flyer im Stadtgebiet verteilt werden, um die App auch dort sichtbar zu machen, wo Social-Media-Wachstum allein zeitversetzt wirkt. Schließlich denken die beiden über Kooperationen nach, etwa über ein Reiseportal im Unternehmensumfeld, das einen eigenen Account erstellen und Lieblingsorte der Redaktionen einstellen könnte. Auch das ist Distribution mit klarer Logik: Redaktionelle Curations liefern Startpunkte, Creator und Communitys liefern den sozialen Rhythmus.
Für die Monetarisierung schwenken „CircleRecs“ und die Gründer anschließend bewusst zu B2B2C: Endnutzer sollen die App kostenlos nutzen, während Unternehmensaccounts Geld einbringen sollen. Besonders Hotels stehen dabei im Fokus. Die Abomodell-Logik: Hotels zahlen laut Plan eine monatliche Subscription für kuratierte Empfehlungen und digitale Spot-Sammlungen in der App, mit einem Zielkorridor von bis zu 100 Euro pro Monat. Entscheidend ist dabei weniger die absolute Preishöhe als die Frage, ob Unternehmen in der frühen Phase genügend konkreten Mehrwert sehen, also etwa in Form wiederkehrender Empfehlungen, planbarer Platzierungen und nachvollziehbarer Interaktionen. Genau diesen ersten Umsatz wollen die Gründer bis zum großen Finale des Programms am 10. September erzielen.
Aus Industry-Sicht ist das Vorgehen zugleich konservativ und pragmatisch: Statt sofort auf komplexe Produktfeatures zu setzen, drehen die Gründer vorerst an der Aktivierungs- und Verteilungsseite, während die Monetarisierung auf eine überschaubare B2B-Koordinate zuläuft. Die Einbindung externer Plattform-Partner wie OpenAI, Vercel, Dash0 und DHL deutet außerdem darauf hin, dass sie KI-gestützte Bausteine und eine skalierbare Infrastruktur ernsthaft einplanen, aber nicht als alleinigen Wachstums-„Zauberstab“ verkaufen. Wenn der „Funnel“ bis Anfang September tatsächlich greift, hätten sie eine solide Basis, um die App von einer Creator-getriebenen Spielwiese zu einem nutzergetriebenen Empfehlungsnetz auszubauen. Gelingt das nicht, wird die nächste Iteration sehr wahrscheinlich im Aktivierungsdesign liegen: also im Moment, in dem aus einem Klick eine Empfehlung und aus einer Empfehlung eine neue Circle-Struktur wird.
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