LONDON (IT BOLTWISE) – Citi wickelt in Kooperation mit der First Abu Dhabi Bank (FAB) und der OCBC die ersten Live-USD-Transaktionen über den neuen Blockchain-Ledger von Swift ab. Das System nutzt einen auf Hyperledger Besu basierenden Ledger für 7-Tage-Interoperabilität, während das finale Settlement weiterhin über RTGS läuft. Im Pilot testen 17 Banken bis voraussichtlich Dezember 2026, wie sich Tokenisierung und Echtzeit-Workflow in der Praxis verbinden lassen.

Die „Blockchain“ taucht im Zahlungsverkehr selten so konkret auf wie in diesem Pilot: Citi hat gemeinsam mit der First Abu Dhabi Bank (FAB) und der OCBC die ersten Live-Transaktionen in US-Dollar über den Blockchain-Ledger von Swift ausgeführt. Entscheidend ist dabei nicht nur der Demo-Charakter, sondern der praktische Anspruch, Clearing rund um die Uhr abzubilden. Während klassische Zahlungsfenster für viele Institute operativ noch immer einen Takt vorgeben, zielt das Swift-Konzept auf eine bessere Verfügbarkeit über sieben Tage und damit auf gleichmäßiger planbare Tagesläufe. Gerade in der USD-Abwicklung wirkt sich das direkt auf Latenzen und Abstimmungsaufwände zwischen Korrespondenzpartnern aus, selbst wenn unterschiedliche Zeitzonen und lokale Betriebszeiten bleiben.
Technisch setzt Swift dabei auf einen Ledger, der auf Hyperledger Besu basiert, und der für grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Einlagen in Echtzeit ausgelegt ist. Der Ledger übernimmt dabei vor allem die Logik, mit der Verpflichtungen zwischen den beteiligten Instituten nachvollziehbar aufgezeichnet werden. Das „Final Settlement“ bleibt jedoch bewusst bei den etablierten Echtzeit-Bruttoabrechnungssystemen (RTGS), weil der Ledger laut Beschreibung keine eigene Settlement-Funktion mitbringt. Für Architekturen im Finanzwesen heißt das: Der Blockchain-Teil ersetzt nicht automatisch die Abrechnungsinfrastruktur, sondern ergänzt die Prozesskette zwischen Aufnahme, Validierung und bilateraler Abstimmung. Genau diese Trennung ist auch für Risiko- und Compliance-Abteilungen relevant, weil sich damit die Verantwortung entlang klarer Prozessschritte modellieren lässt.
Für den Rollout ist das Momentum sichtbar: Im Pilotprojekt, das voraussichtlich bis Dezember 2026 läuft, erproben derzeit 17 Banken die Interoperabilität der Plattform. In der Zwischenzeit wurden Live-Transaktionen bereits in Regionen wie dem Nahen Osten und Südostasien erfolgreich durchgeführt. Swift verlagert damit das Gespräch von „Ob“ auf „Wie gut“: Wie schnell sind die beteiligten Systeme integriert, wie robust läuft die Kommunikation zwischen Netzwerken, und wie sauber werden Rückkopplungen verarbeitet, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. In der Tokenisierung heißt das außerdem: Die tokenisierten Einlagen bleiben zwar in den Bilanzen der jeweiligen Banken bestehen, aber die Verrechnung zwischen den Instituten erfolgt über die klassischen Kanäle. Die Citi Token Services werden in dem Zusammenhang mit rund 1 Milliarde US-Dollar Volumen angegeben, und ein Proof-of-Concept ist von Juli bis Dezember 2026 angesetzt.
Parallel unterstreichen die regionalen Meilensteine, dass Tokenisierung im institutionellen Umfeld schrittweise aus dem Labor in die Produktion wandert. FAB meldet als erste Bank in der Region Naher Osten und Afrika Live-Transaktionen im US-Dollar-Bereich über ein Minimum Viable Product (MVP) des Swift-Ledgers. Bereits im Mai wird zudem eine On-Chain-Transaktion des DDSC-Stablecoins in Höhe von 110 Millionen AED erwähnt. Wer solche Zahlen in den Kontext moderner Zahlungsarchitekturen setzt, erkennt ein Muster: Tokenisierung wird zuerst dort eingeführt, wo Institute bereits eine hohe Reife in Treasury-Workflows, Verwahrung und Token-Accounting besitzen. Danach wandert die Technik Richtung breiterer Interoperabilität – und genau hier spielt die angekündigte Nutzung weiterer Institute wie DBS und UOB „in naher Zukunft“ als Skalierungsversprechen hinein.
Interessant wird die Gesamtstory aber dort, wo sie die KI-Komponente in die Zahlungs- und Sicherheitskette hineinzieht. Denn Visa erweitert sein Cybersecurity-Portfolio und stellt mit dem VVAH-Framework ein Open-Source-Ansatz vor, der darauf zielt, die Reaktionszeit bei Bedrohungen zu verkürzen („Mean Time to Adapt“). Laut den Angaben zu Visa soll die Betrugserkennung in den ersten sechs Monaten um 75 Prozent gestiegen sein, während Fehlalarme um über 40 Prozent sanken. Ergänzend wird „A2A Protect“ genannt, das Account-to-Account-Zahlungen besser absichern soll – ein Hinweis darauf, dass die Sicherheitslogik zunehmend in den Zahlungsfluss integriert wird, statt nur als nachgelagerte Prüfstrecke zu dienen. Auch die New York Stock Exchange nutzt KI-Modelle wie Anthropics „Claude Mythos Preview“ im Projekt Glasswing, um Code-Schwachstellen zu finden; dabei soll die Entdeckungsrate von Programmfehlern mehr als verzehnfacht worden sein, getragen von Rechen-Credits und einem Netzwerk von rund 150 Organisationen.
Damit rückt ein Konfliktfeld in den Fokus: Mehr Automatisierung und schnellere Sicherheitsreaktionen treffen auf die Frage, wie neue Angriffsflächen entstehen oder sich verlagern. Andrew Bailey, der beim Financial Stability Board (FSB) tätig ist, warnte in diesem Kontext gegenüber den G20-Staaten, dass „Frontier AI“ die Cyberrisiken für das Finanzsystem verschärfen könne. Er betonte zugleich die Notwendigkeit, Szenarien besser vorzubereiten, in denen konzentrierte Drittanbieter oder mehrere Firmen gleichzeitig von Störungen betroffen sind. Für die Praxis bedeutet das: Eine Blockchain-gestützte Zahlungsinfrastruktur braucht nicht nur funktionale Integrationen und stabile Interoperabilität, sondern auch robuste Sicherheitsstrategien entlang der gesamten Lieferkette – von den Komponenten der Ledger-Umgebung bis hin zu den Tools, die zur Analyse und Reaktion eingesetzt werden. So wird aus der „Live“-Fähigkeit in der Abwicklung zugleich eine Live-Disziplin im Risikomanagement.
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