LONDON (IT BOLTWISE) – Der Startup Clueso hat 10 Mio. US-Dollar für eine agentische Plattform zur Business-Videoerstellung eingesammelt. Im Fokus steht, dass KI-Agents reale Software-Oberflächen navigieren und daraus Tutorials, Schulungs- und Enablement-Videos ableiten. Unternehmen sollen damit manuelle Studio-Produktionen ablösen, bei denen einzelne Videos laut Gründer teils bis zu zwei Wochen dauern. Erste Nutzer berichten von deutlichen Produktivitätsgewinnen und sinkenden Produktionskosten.

Für viele Unternehmen ist Video längst kein Marketing-„Nice-to-have“ mehr, sondern ein operatives Werkzeug: Produkt-Onboarding, Software-Tutorials oder interne Trainings hängen oft an kurzen Release-Zyklen und müssen deshalb kontinuierlich aktualisiert werden. Genau hier entsteht Reibung, weil klassische Produktionspipelines Studio-Termine, Schnitt- und Animationsaufwand sowie wiederkehrende Abstimmungsrunden verlangen. Das aktuelle Funding von Clueso zielt deshalb nicht auf neue Effekte oder schnellere Renderzeiten, sondern auf Automatisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Skript und Voiceover bis hin zu Motion-Graphics und bearbeitbaren Endprodukten.
Clueso, ein Startup für Business Video Automation, berichtet von einer frühen Finanzierungsrunde über 10 Mio. US-Dollar, die als Series A strukturiert ist. Als Lead wird Dharana Capital genannt; außerdem beteiligen sich laut Angaben mehrere bekannte Venture-Instanzen. Damit liegt das bislang eingesammelte Gesamtvolumen bei über 12 Mio. US-Dollar. Auffällig ist dabei der Anspruch, dass das Angebot nicht wie viele generische Video-Generatoren primär für Consumer- oder Creator-Workflows designt ist. Business-Content steht meist unter anderen Randbedingungen: wiederverwendbares Produktwissen, markenspezifische Sprache, konsistente UI-Visuals und die Notwendigkeit, Änderungen in Features oder Dokumentationen zeitnah in neue Videos zu übertragen.
Ein praktisches Beispiel liefert Mitgründer und CEO Akash Anand aus seiner vorherigen Unternehmensphase: Für Marketingvideos mussten damals Studioaufnahmen gebucht, Voiceovers aufgezeichnet, die UI in Adobe After Effects animiert und jede Schnittentscheidung manuell bearbeitet werden. Laut seinen Schilderungen konnte die Produktion eines einzelnen Videos so bis zu zwei Wochen dauern; zudem seien Agenturen mit etwa 6.000 US-Dollar pro Video in Rechnung gegangen. Der Punkt dahinter ist technisch wie organisatorisch: Sobald die Wissensgrundlage fest mit einem konkreten Produktzustand verknüpft ist, reicht Text-zu-Video allein nicht. Es braucht eine Lösung, die das Zielsystem versteht – also wie Menüs funktionieren, welche UI-Elemente relevant sind und wie sich Dokumentation und Messaging in einen fertigen Lehrfilm übersetzen lassen.
Genau an dieser Stelle setzt Clueso laut Beschreibung auf „agentische“ KI: Autonome KI-Agents sollen reale Software-Oberflächen durchqueren, Screenshots oder Sequenzen erfassen und dabei ein funktionales Verständnis des Produkts aufbauen. Ausgangspunkt ist ein konkretes Ziel wie „erstelle ein Tutorialvideo“ für eine App oder einen bestimmten Use Case. Die Agents spielen dabei nicht nur generische Szenarien durch, sondern nutzen App-Logik und vorhandene Dokumentation, um ein belastbares Skript zu formulieren. Anschließend generiert die Plattform Voiceovers, Motion-Graphics und die notwendigen Effekte, während Nutzer nach der ersten Produktion gezielte Änderungen anfordern können, die die Agents dann selbstständig nacharbeiten.
Damit Business-Teams die Ergebnisse kontrollieren können, nennt Clueso ein weiteres Mechanismus-Element: sogenannte „Clueprints“, vergleichbar mit einer Agent-„Skill“-Konfiguration. Diese geben dem Agenten Zugriff auf das jeweils passende Wissenspaket rund um ein Produkt – inklusive Messaging-Anforderungen und vorgegebener Standards. Entscheidend ist die Selbstaktualisierung: Wenn das zugehörige Projekt etwa wegen eines neuen Features erweitert wird, soll sich das Video inhaltlich nachziehen, statt dass Teams jedes Mal bei Null starten. Für die operative Seite ist das besonders relevant, weil KI-gestützte Erstellung sonst leicht im Spannungsfeld zwischen Geschwindigkeit und Aktualität landet: Man bekommt zwar „irgendwann“ ein Video, aber nicht zwingend „genau das richtige“ zum richtigen Zeitpunkt.
Konkreten Nutzen sieht Clueso bereits bei einem frühen Kunden, Zendesk: Das Unternehmen nennt Produktivitätsgewinne von mehr als fünffach und eine Reduktion der Video-Produktionskosten um 80 %. Kevin Gross, Senior Manager of Instructional Design bei Zendesk, beschreibt, dass die Agenten Produktwissen automatisch in polierte, attraktive Lernformate überführen – mit deutlich weniger manueller Arbeit. Für die Business-Seite bedeutet das vor allem eine bessere Skalierung: Schulungsmaterial muss oft nicht nur neu produziert, sondern auch in Umfang und Qualität erweitert werden, etwa wenn neue Teams onboardet werden oder neue Funktionen in die Oberfläche einziehen.
Strategisch will Clueso seine Go-to-Market-Aktivitäten ausbauen und die Mannschaft von 35 auf 50 Mitarbeitende bis zum Jahresende erhöhen. Gleichzeitig soll die agentische Videoerstellung in weitere Formate übergehen, etwa interaktive Produkt-Demos und die Erstellung von Dokumentationsmaterial. Das langfristige Ziel wird dabei relativ klar formuliert: Agents sollen einen größeren Anteil der Produktionsarbeit übernehmen, während Menschen die kreativen Entscheidungen und die inhaltliche Linie steuern. Für Unternehmen ist die eigentliche Frage damit nicht mehr, ob KI-Videos „machbar“ sind, sondern ob sich ein verlässlicher, markenkonformer Produktions-Loop etablieren lässt – einer, der Versionswechsel, UI-Änderungen und neue Lernziele ohne großen Overhead zeitnah abbildet.
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