LONDON (IT BOLTWISE) – CMF bringt mit den Clip Pro eine Clip-Earbud-Alternative für alle, die In-Ear-Passform als unangenehm empfinden. Im Test punktet die Lösung vor allem bei Komfort und guter Umgebungswahrnehmung. Gleichzeitig bleibt das offene Design ein Kompromiss, etwa bei der Sound-Feinabstimmung und bei Leakage in lauter Umgebung. Für rund 79 bis 99 US-Dollar richtet sich das Modell klar an Nutzer, die eher Alltagstauglichkeit als kritisches Hi-Fi-Listening suchen.

Clip-Earbuds sind selten ein „Alles-Könner“, weil das offene Design physikalisch bedingt ist. Genau darin liegt aber auch der Reiz der CMF Clip Pro: Wer keine Lust darauf hat, dass ein Treiber im Gehörgang sitzt, bekommt mit dem Clip-Mechanismus eine deutlich entspanntere Trageerfahrung. Der flexible Bandbereich soll um die Helix weniger drücken, und im Test zeigte sich keine spürbare Unverträglichkeit durch die Position von Lautsprecher-„Orb“ sowie Batterie- und Bedienelement hinter dem Ohr. Für viele Nutzer ist das der entscheidende Punkt, denn Komfort entscheidet im Alltag häufig stärker als eine perfekte Messkurve.
Technisch bedeutet die Clip-Bauweise allerdings fast immer weniger akustische Konstanz als bei vollständig abdichtenden In-Ear-Konstruktionen. Ohne den versiegelten Sitz fehlt ein wichtiger Baustein für gleichmäßige Basswiedergabe über unterschiedliche Köpfe und Ohrformen hinweg. CMF begegnet dem laut Test mit einem Bass-Boost ab Werk, der den fehlenden „Seal“ ausgleichen soll, ohne dass die Abstimmung automatisch zu basslastig ausfällt. Auch die Zwischenräume bleiben nutzbar: Beim Musikhören auf normalen Playlists und sogar während Radio-Wiedergabe blieb die generelle Balance ausreichend, um nicht das Gefühl zu haben, der Sound kippt ständig zwischen den Genres.
Für die Feinjustage kommt eine Drei-Band-Equalizer-Lösung in der Nothing X App zum Einsatz. Gerade hier zeigt sich laut Review jedoch, dass das UI nicht intuitiv arbeitet: Das Hochziehen eines Sliders verstärkt nicht nur „seine“ Frequenzachse, sondern kann andere Bereiche absenken. Das macht den Equalizer zu einem Werkzeug, das etwas Einarbeitung braucht, statt sofort vorhersehbar zu sein. Zusätzlich liefert das Modell „fixed“ Spatial Audio sowie High-Res-Audio über LDAC. Auf einem offenen Ear-Design sind die Unterschiede laut Test so klein, dass sich der Mehrwert besonders bei normaler Alltagslautstärke und Umgebungsgeräuschen kaum auszahlt.
Der größte Praxis-Punkt ist zugleich die Stärke und die Schwäche: Ambient Awareness ist hoch, weil man die Umgebung gut hört. Das hilft vor allem beim Gehen und im Stadtverkehr, bringt aber ein akustisches Problem beim Musikhören mit sich. Um die eigene Musik hörbar zu machen, muss man die Lautstärke häufig anheben, wodurch wiederum die Gefahr steigt, dass der Ton an Dritte „leakt“. Beim Radio zeigte sich die Folge auch direkt: Während Talk-Passagen konnten DJ-Stimmen bei Verkehrslärm schwerer verständlich werden, und nur höheres Volumen löst es zuverlässig. Eine Anti-Leakage-Option schneidet allerdings höhere Frequenzen und verschlechtert dann die Klangqualität; deshalb empfiehlt der Test, eher die Lautstärke kontrolliert zu halten statt aggressiv gegen Leakage zu „filtern“.
Bedienung und Steuerlogik zielen darauf, in Situationen ohne Handy schnell zu funktionieren. Laut Bericht lässt sich die Lautstärke über mehrere Wege anpassen: direkt am Gerät, über Tasten an den hinter den Ohren sitzenden Kapseln oder über einen drehbaren, im Case integrierten Dial, der in der App auch zuweisen lässt. Der Dial übernimmt außerdem Funktionen wie Play/Pause, Skip vor/zurück und das Aufrufen des Assistenten. Allerdings gibt es einen praktischen Stolperstein: Die Haptik liefert offenbar nicht genug Widerstand, sodass es im Hosentaschenbetrieb durch Bewegung zu ungewollten Lautstärkeänderungen kommen kann. Deshalb endete der Test in einer Deaktivierung des Dials; die Button-Steuerung an den Earbuds arbeitet dann zuverlässig, wenn auch mit leichter Verzögerung, während das Case als „Fidget“-Objekt eher zur Nebensache wird.
Beim Telefonieren ordnen sich die Clip Pro insgesamt als „funktional gut“ ein. Der Test erwähnt keine vergleichbaren Bugs wie bei einem zuvor genannten Nothing-Modell, bei dem die Kompression der Stimme stark von der Umgebungslautstärke beeinflusst worden sein soll. Gleichzeitig bleibt das Grundprinzip der Geräuschunterdrückung: Das Noise-Gate arbeitet aggressiv, kann die Wortenden abschneiden und verlangt bei sehr leisen Stimmen mehr Aufmerksamkeit. Bei Sprechen in normaler Lautstärke während des Spaziergangs war die Verständlichkeit in der Situation aber hoch genug, dass eine Begleitperson ohne größere Mühe folgen konnte. Für soft-spoken Sprecher kann das jedoch ein echtes Thema sein.
Der Gesamtcharakter der CMF Clip Pro lässt sich am besten als bewusstes Preis- und Komfort-Engineering beschreiben. CMF positioniert das Produkt als Budget-Submarke und bringt regelmäßig Earbuds im Bereich um 40 bis 60 US-Dollar, weshalb anfänglich änderungsarme „Erwartungen“ an den Clip Pro nahelagen. Der Preis liegt laut Test jedoch bei 99 US-Dollar, im direkten Vergleich also auf einer Ebene mit einem kürzlich erschienenen Modell von Nothing, das zugleich mehr Funktionen, aber auch mehr Probleme mitbringt. Schon wenige Tage nach Release seien die Clip Pro allerdings auf 79 US-Dollar reduziert worden, und genau dort sieht der Tester offenbar den eigentlichen Sweet Spot: Unter 100 US-Dollar liefern die Clip Pro „gute“ Performance innerhalb der Grenzen des offenen Designs, und das macht sie für Nutzer attraktiv, die keine tief sitzenden In-Ears wollen, sondern ein alltagstaugliches, bequemes Setup.
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