LONDON (IT BOLTWISE) – Dash0 setzt im Vertrieb offenbar konsequent auf Telefonate statt auf E-Mail-Kommunikation. Der CEO Mirko Novakovic beschreibt, warum sein Ansatz im B2B-Kontext auf Gesprächen mit operativen Teams basiert und wie viele Touchpoints nötig sind. Gleichzeitig erklärt er, wie seine KI-gestützte Observability-Plattform auf OpenTelemetry aufbaut, um Fehler schneller auffindbar zu machen. Für Gründer stellt sich damit weniger die Frage „ob“, sondern „wie ausdauernd“ man Gespräche führt und das Produkt iterativ aus Nutzerrückmeldungen heraus verbessert.

Dash0 ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Produktentwicklung und Vertrieb im Startup-Alltag gegenseitig stützen können: Während die KI-gestützte Observability-Plattform Fehler in Cloud-Anwendungen schneller identifizieren soll, macht der CEO den Vertriebsprozess bewusst „menschlich“ und hart an konsequente Folgegespräche gekoppelt. Mirko Novakovic beschreibt dabei einen Gedanken, der in vielen Gründerteams unterschätzt wird: Nicht die einzelne Idee bringt den Durchbruch, sondern das wiederholte Umsetzen der Basics. In seinem Werdegang werden diese Basics greifbar, weil er nach der erfolgreichen Gründung zweier Unternehmen 2023 erneut mit einem Team um Ben Blackmore, Miel Donkers, Marcel Birkner und Michele Mancioppi angetreten ist.
Technisch setzt Dash0 auf eine Beobachtbarkeits-Architektur, die sich an einen etablierten Standard anlehnt: OpenTelemetry dient als Grundlage, um Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammenzuführen. Genau hier liegt ein wesentlicher Hebel, denn Observability in modernen Cloud-Umgebungen scheitert häufig nicht an einzelnen Tools, sondern an der Fragmentierung der Signale. Dash0 ergänzt diese Datenebene um einen KI-Agenten, der Auffälligkeiten analysiert und Nutzer bei der Fehlersuche in Echtzeit unterstützen soll. Für IT-Teams bedeutet das im Kern weniger „mehr Dashboards“, sondern schnelleres Eingrenzen der Ursachen, bevor Störungen eskalieren oder Ressourcen im Incident-Handling gebunden bleiben.
Dasselbe Prinzip findet sich in der Vertriebslogik wieder: Novakovic betont, dass Kunden nicht zuverlässig über E-Mail gewonnen werden, wenn es um Aufmerksamkeit geht. Er beschreibt E-Mail als inzwischen zu häufig genutzten Kanal und stellt dem die direkte Ansprache gegenüber, inklusive Cold Calls als Instrument sowohl für Kundengewinnung als auch für Produktentwicklung. Wichtig ist dabei der Bottom-up-Ansatz: Statt nur Entscheider zu adressieren, sollen Gründer zunächst mit den operativen Mitarbeitern sprechen, die das Produkt im Alltag einsetzen. So lassen sich Probleme, fehlende Funktionen und gewünschte Lösungswege konkreter aufnehmen, und die Fragen, die man im Anschluss stellt, werden dadurch deutlich zielgenauer.
Die Vertriebsrealität im B2B ist dabei laut Novakovic vor allem eine Frage der Ausdauer. Er nennt Touchpoints als entscheidenden Faktor und sagt sinngemäß, dass viele nach wenigen Versuchen aufhören und genau darin das Problem liegt. Konkret verweist er auf das Muster „erst nach mehreren Anläufen“ entstehen laut seinen Erfahrungen Chancen, und daraus leitet er die Notwendigkeit regelmäßiger Follow-ups ab. Gleichzeitig versucht er Gründer zu entlasten, die sich vor Cold Calls scheuen: Angst gehört aus seiner Sicht dazu, im schlimmsten Fall beendet der Gesprächspartner das Telefonat früher als gewünscht. In der Praxis empfiehlt er, fehlgeschlagene Anrufe nicht als persönliche Niederlage zu behandeln, sondern sie abzuhaken, darüber zu lachen und direkt mit dem nächsten Versuch fortzufahren.
Auch die Ausführung eines Cold Calls folgt bei ihm nicht dem klassischen Muster „Pitch durchsprechen“, sondern dem Ziel, den Weg für den eigentlichen Austausch zu öffnen. Er nennt mehrere Regeln: gut vorbereitet ins Gespräch gehen, freundlich aber bestimmt auftreten, die Gesprächsdauer kurz halten und ein klares Ziel verfolgen, das typischerweise nicht der sofortige Abschluss ist, sondern ein Termin oder ein ausführlicheres Folgegespräch. Besonders auffällig ist der Trainingsaspekt im Team: Cold Calls sollen demnach gemeinsam geführt werden, damit jeder einmal einen „Korb“ erlebt, voneinander lernen kann und sich zugleich die Gesprächsführung verbessert. Genau damit wird Vertriebsarbeit zu einem wiederholbaren Prozess statt zu einer einmaligen Glücksfrage.
Markt- und Unternehmenskontext kommt in der Meldung über die Entwicklung von Dash0 ebenfalls deutlich durch: Das Startup sammelte im März 2026 110 Millionen US-Dollar ein und erreichte damit den Status eines Unicorns. Solche Finanzierungsrunden sind nicht nur ein Stimmungsindikator, sondern verschärfen oft die Erwartung an Umsetzbarkeit, besonders bei Produkten, die tief in Workflows von Entwickler- und IT-Teams eingreifen. Novakovic’ Betonung von Sichtbarkeit und Disziplin passt hierzu, denn Sichtbarkeit entsteht bei ihm nicht durch passive Reichweite, sondern durch Präsenz: Er nennt ein konkretes Beispiel, wie häufig er reist, um gezielt Menschen zu treffen, Netzwerke auszubauen und Chancen aktiv zu suchen. In seiner Logik ist das Netzwerk kein Selbstzweck, sondern Ergebnis kontinuierlicher Arbeit – und damit auch eine Art „Pipeline“ für Gespräche, aus denen sowohl neue Kunden als auch bessere Produktentscheidungen werden.
Für Gründerteams lässt sich aus der Kombination aus Observability-Stack und Vertriebsansatz eine klare Leitlinie ableiten: Wenn das Produkt darauf abzielt, Fehler schneller zu finden, dann muss der Feedback-Zyklus ähnlich schnell und präzise sein. Telefonate mit operativem Einstiegspunkt liefern dafür häufig den Rohstoff, den man später in Produkt- und KI-Optimierungen übersetzt. Und wenn Novakovic recht behält, dass die meisten nach wenigen Anläufen aussteigen, dann ist die eigentliche Differenz zwischen erfolgreichen und gescheiterten Startups oft weniger technisch als prozessual: Wer die Basics wiederholt, Termine organisiert, nachfasst und das Gespräch als Lernschleife nutzt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass aus „keinem Interesse“ am Anfang echte Produkt- und Marktpassung wird.
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