LONDON (IT BOLTWISE) – Ab dem 18. August 2026 verschwindet die Deep-Research-Funktion aus der kostenlosen Copilot-Version und wird in kostenpflichtige Microsoft-365-Premium-Abos verlagert. Während Geschäftskunden in den Premium-Tarifen weiter recherchieren dürfen, trifft der Schritt kurzfristig den Börsenkurs. Parallel kündigt Microsoft neue Gratis-Funktionen an, darunter das OpenAI-o1-Modell mit „Thinking“-Modus und weitere Modelloptionen in Copilot Chat. Für Unternehmen bedeutet das: KI-Recherche wird künftig stärker als Featurepaket gedacht – und weniger als allgemeiner Zugang.

Microsoft zieht die Daumenschrauben an seiner KI-Software an und verlagert die Deep-Research-Funktion aus dem kostenlosen Copilot-Zugang in kostenpflichtige Abos. Konkret soll Deep Research ab dem 18. August 2026 nicht mehr in der kostenlosen Copilot-Version verfügbar sein; wer die leistungsstarke Recherche-KI weiter nutzen will, braucht künftig ein Microsoft-365-Premium-Abo. In der Folge reagierte die Börse spürbar: Am 22. Juli 2026 fiel der Aktienkurs laut Bericht um rund 2,5 Prozent.
Dass es sich dabei nicht nur um eine Preisanpassung handelt, macht der Kontext der Ankündigung deutlich: Der Schritt ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung des gesamten KI-Portfolios. Während die Allgemeinheit Deep Research verliert, bleibt der Zugriff für Geschäftskunden in den Premium-Tarifen erhalten. Genau hier liegt auch das Risiko des Vorgehens: In einem Markt, in dem KI-Funktionen zunehmend als „Try-before-you-buy“-Erlebnis starten, kann das Abziehen eines Kernfeatures die Wahrnehmung von Copilot als offenen Einstiegspunkt schmälern. Gleichzeitig will der Konzern nach eigener Logik offenbar stärker monetarisieren – mit dem Ziel, den Mehrwert über ein klar abgegrenztes Abo-Modell zu steuern.
Interessant ist zugleich die Gegenstrategie: Microsoft fängt den Verlust von Deep Research in der kostenlosen Copilot-Version mit neuen Funktionen ab. Seit Juli 2024 steht allen Nutzern das OpenAI-o1-Modell zur Verfügung, inklusive eines „Thinking-Modus“, der den Gedankengang der KI bei komplexen Aufgaben sichtbar machen soll. Noch in diesem Monat wird Copilot Chat zudem um das Claude-Modell von Anthropic erweitert; damit zielt der Anbieter vor allem auf Flexibilität ab, auch wenn die „besten Funktionen“ weiterhin hinter der Bezahlschranke bleiben. Für Entscheidungsträger heißt das: Nutzer bekommen mehr Modell-Auswahl und Transparenz über reasoning-nähere Abläufe, während der maximale Recherche- und Ergebnisradius an die Premium-Variante gekoppelt wird.
Die Preisschraube dreht Microsoft aber nicht allein an der Nutzeroberfläche, sondern arbeitet parallel an der technischen Basis. Generative KI verursacht hohe Betriebskosten, weshalb der Konzern laut Bericht den Einsatz von Moonshot AIs Kimi K3 prüft – einem offenen Modell, das seit dem 16. Juli 2024 verfügbar ist. In Tests soll es bei Programmieraufgaben mehrere proprietäre Modelle übertreffen. Der erwartete Effekt ist dabei nicht nur Qualitätsversprechen, sondern Kostenkontrolle: Ein Modellwechsel könnte Microsoft bis zu 550 Millionen Euro an Rechenkosten sparen. Parallel dazu wird die europäische Infrastruktur ausgebaut: Eine milliardenschwere Partnerschaft mit Mistral nutzt deren GPU-Kapazitäten in Europa, inklusive NVIDIA-Hardware, um Microsoft Foundry und Copilot Studio in der Region zu betreiben.
Auch der Go-to-Market-Teil der Strategie zeigt eine klare Segmentierung. Ab dem 1. August 2024 dürfen Cloud Solution Provider kostenlose 30-Tage-Tests von Copilot anbieten – für bis zu 25 Nutzer pro Unternehmen. Die Zielgruppe sind Firmen mit weniger als 300 Mitarbeitern. Gleichzeitig investiert Microsoft laut Bericht umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro in Fachpersonal, das die KI-Einführung in diesen Betrieben begleitet. Neben dem Unternehmenseinsatz geht Microsoft zudem über den Entwicklerkanal: GitHub Copilot nennt einen Meilenstein von 4,7 Millionen zahlenden Abonnenten. Am 23. Juli startete außerdem die technische Vorschau einer GitHub-Copilot-Desktop-App für Windows 11, Mac und Linux, was sich als zentrale Anlaufstelle für KI-Agenten im Desktop-Alltag lesen lässt.
Damit bleibt auch der Produkt-Fahrplan relevant, denn Microsoft bündelt Copilot-Funktionen über mehrere Anwendungen hinweg. Im Büroalltag setzt der Konzern mit einer massiven Modernisierung von Outlook an, um die Produktivität weiter zu steigern; für August ist zudem eine dauerhafte Copilot-Schaltfläche in Classic Outlook für Windows geplant. Obwohl diese Änderung zunächst rein optisch wirkt, passt sie in das Muster: Microsoft will verschiedene Copilot-Anwendungen bis Ende des nächsten Monats zu einem einheitlichen Produkt verschmelzen. Am Ende trifft die Kombination aus Feature-Restriktionen (Deep Research hinter Premium), kostenlosen Alternativen (o1 „Thinking“ und Modell-Erweiterungen) und Infrastruktur-/Kostenstrategie (offene Modelle, GPU-Partnerschaften) vor allem zwei Zielgruppen: Unternehmen, die KI planbar einkaufen möchten, und Entwickler, die über Copilot-Integrationen schnell Mehrwert im Alltag erwarten.
Unterm Strich ist die Meldung für viele IT-Entscheider weniger eine kurzfristige Tariferhöhung als ein Signal für die künftige Architektur von KI-Services: Premium-Zugriff wird enger an „Research“-Tiefe, Ergebnisqualität und Rechenbudget gekoppelt. Für die Bewertung an der Börse bleibt das Bild gespalten, aber nicht negativ: Von 37 bewertenden Instituten raten 35 zum Kauf, nur einer zum Halten und einer zum Verkauf; das durchschnittliche Kursziel liegt laut Bericht bei rund 558 Euro. Wer Copilot produktiv einsetzen will, sollte deshalb frühzeitig prüfen, welche Workflows heute von Deep Research abhängen und wie stark sich die kostenlosen Ersetzungen – etwa „Thinking“-Einblick im o1-Modell oder die Modellvielfalt in Copilot Chat – in den konkreten Fachbereichen tatsächlich tragen.
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