LONDON (IT BOLTWISE) – CoreWeave steht am Mittwoch unter starkem Abgabedruck, während Händler über stark steigende Schuldtitelrenditen weiter Risiko abbauen. Im Optionshandel werden besonders viele Put-Positionen aufgebaut, darunter ein Block von 26.000 Kontrakten nahe dem 37,5er Strike. Auch Nebius Group und Iren geben deutlich nach, wobei das Put-/Call-Verhältnis auf klar vorsichtige Wetten hindeutet. Für Marktteilnehmer ist die Bewegung damit mehr als eine Tageskorrektur im KI-Cloud-Segment.

CoreWeave unter Druck: „Bubble Puts“ häufen sich, KI-Cloud-Aktien rutschen
CoreWeave unter Druck: „Bubble Puts“ häufen sich, KI-Cloud-Aktien rutschen (Foto: IT BOLTWISE)
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Der KI-Cloud-Handel bekommt am Mittwoch spürbar Gegenwind, und er konzentriert sich dabei nicht auf einzelne Kundenverträge oder Produktneuheiten, sondern auf die Finanzierungserwartungen im „neocloud“-Bereich. Neocloud-Unternehmen bieten vor allem Zugriff auf die GPUs, die für KI-Anwendungen als Service genutzt werden. Genau diese Rechenleistung ist kapitalintensiv; wenn sich die Finanzierungskosten über den Kapitalmarkt schnell nach oben bewegen, kippt das Bewertungsmodell vieler Marktteilnehmer – unabhängig davon, wie stark die Nachfrage nach KI-Workloads inzwischen ist. CoreWeave geriet dabei erneut ins Zentrum des Interesses, weil laut den Börsendaten die Renditen auf Schuldverschreibungen, die mit dem NVIDIA-Umfeld in Verbindung gebracht werden, weiter neue Hochs erreichten.

Technisch betrachtet wirkt hier ein klassischer Hebel: Hohe Renditen auf Fremdkapital erhöhen den „Cost of Capital“ und machen es schwieriger, zukünftige Umsätze in belastbare Cashflows zu übersetzen. Für Anbieter, die GPU-Ressourcen bündeln, betreffen steigende Debt-Yields sowohl die Refinanzierung bestehender Verpflichtungen als auch die Preislogik neuer Kapazitätsaufbauten. Wenn der Markt zudem einen privaten Kredit-„Bubble“-Charakter befürchtet, verschieben Händler ihre Risikopositionen oft sehr schnell – nicht über Wochen, sondern innerhalb von Handelstagen. In diesem Umfeld kam bei CoreWeave die Aktie um 15% unter Druck; Nebius Group und Iren gaben ebenfalls nach, teils um bis zu 10%, was zeigt, wie stark das Segment über ähnliche Kapital- und Korrrelationsannahmen miteinander verknüpft ist.

Auch der Derivatehandel liefert Hinweise, dass es sich nicht nur um kurzfristige Kursrauschen handelt. Die Optionsvolumina bei CoreWeave stiegen auf mehr als das Siebenfache des 30-Tage-Durchschnitts, bei Nebius auf fast das Vierfache und bei Iren auf das Doppelte. Dabei wurden bei Nebius und Iren zwar mehr Calls als Puts gehandelt, doch nach den genannten Daten deutet die Handelsrichtung darauf hin, dass Käufer der Calls nicht die dominante Seite waren: Mehr Calls dürften von Verkäufern initiiert worden sein, was für einen insgesamt defensiveren oder zumindest stark absicherungsorientierten Blick spricht. Am deutlichsten wurde das in CoreWeave: Dort kauften Händler knapp 200.000 Puts gegenüber etwa 106.000 Calls ein.

Besonders auffällig war ein Einzeltrade um 10:00 Uhr ET: Ein neuer Block mit 26.000 Put-Kontrakten auf einen 37,5-Strike, Laufzeit bis 18. Dezember, wurde nahe am Ask gehandelt. Solche Preisnähe kann darauf hindeuten, dass die Kontrakte tatsächlich als Put-Positionen gekauft wurden und nicht nur als Nebeneffekt über eine komplexere Orderstruktur entstanden. Für Scott Bauer, CEO der Chicago-based Prosper Trading Academy, lag darin eine klare Einordnung: „These are bubble puts, “ sagte er. „These are not rip-ups that you buy thinking they’ll go to zero. This is the hub, the center of the AI trade, and likely some kind of margin play for someone to hedge their exposure in highly correlated stocks or maybe even the Nasdaq.“ Die wirtschaftliche Logik: Die Kontrakte kosteten 74 Cent je Stück, insgesamt also rund 1,9 Millionen US-Dollar, und um die erwartete Auszahlung zu erreichen, müsste CoreWeave in den kommenden zwei Monaten laut Berechnung der Größenordnung weitere 42% verlieren.

Wichtig ist dabei auch die Struktur der Positionierung. Vor diesem Block lagen laut den Angaben nur knapp über 1.000 offene Kontrakte vor; der Trade gilt damit als neue, deutlich sichtbare Wette statt als Fortsetzung einer bereits bestehenden Absicherung. Damit passt das Setup auch zur möglichen Rolle des „margin play“: Wer mehrere stark korrelierte KI-Cloud-Titel hält, kann mit Puts eine konzentrierte Sensitivität auf Kursrückgänge abbilden, ohne jedes einzelne Papier umzubauen. Ergänzend nennt Bauer als praktisches Argument, dass solche Protektionen nicht in gleicher Form in allen anderen Aktien, Indizes oder in vergleichbaren Finanzprodukten verfügbar seien. Dazu passt auch der Hinweis im Handel: Eine Put-Position nahe eines individuellen Breakeven-Niveaus kann für Akteure relevant sein, die den Einstieg zu einem bestimmten Zeitpunkt gewählt haben – etwa während der IPO-Phase.

CoreWeave ging im März 2025 an die Börse, zu 40 US-Dollar je Aktie. Wenn Marktteilnehmer heute „bubble puts“ platzieren, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie das Geschäftsmodell für erledigt halten; es kann auch ein Timing-Thema sein, bei dem die Erwartungen an den Finanzierungspfad und die kurzfristige Risikotoleranz dominieren. In einem Umfeld, in dem Debt-Yields hochdrehen und die Neuemissionstauglichkeit für Wachstumsfinanzierungen sinkt, werden Absicherungen häufiger eingesetzt, auch wenn die langfristige Story grundsätzlich attraktiv bleibt. Der schnelle Volumenschub bei Optionen zeigt zudem, dass der Markt nicht nur passiv reagiert, sondern aktiv Positionen aufbaut – ein Signal, das man bei der Interpretation von Kursbewegungen ernst nehmen muss.

Für Unternehmen und Investoren bleibt die Lehre damit zweigeteilt. Erstens: Im KI-Cloud-Sektor sind Bewertungs- und Risikoannahmen eng an Finanzierungskosten gekoppelt; selbst ein operativ gutes Wachstum kann in den Hintergrund treten, wenn der Kapitalmarkt die Kalkulation verändert. Zweitens: Der Derivatehandel liefert kurzfristig „lesbare“ Informationen darüber, wie Händler Risiken staffeln – in diesem Fall mit starkem Fokus auf Puts bei einem einzelnen Kernwert. Solange sich die Schuldtitelrenditen als Druckfaktor weiter stabil hoch zeigen, ist mit erhöhter Volatilität in ähnlichen „GPU-as-a-service“-Netzwerken zu rechnen, und die Absicherungsnachfrage dürfte damit auch in den nächsten Handelstagen präsent bleiben.


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