SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich in einer Grundsatzrede für ein EU-Freihandelsabkommen mit der Transpazifischen Partnerschaft (CPTPP) ausgesprochen. Dabei argumentierte er, dass die eng verflochtenen Liefer- und Produktionsketten eine umfassendere Lösung erfordern als einzelne bilaterale Abkommen. Zusätzlich forderte er, EU-Abkommen mit mehreren Ländern künftig stärker miteinander zu verknüpfen, um sie effizienter zu machen. Langfristig nannte er auch eine Annäherung zwischen EU und ASEAN als Zielbild.

In Singapur ging es bei den politischen Signalen von Bundeskanzler Friedrich Merz nicht nur um Außenhandel als abstraktes Prinzip, sondern um die praktische Frage, wie Europa seine Wirtschaft an die bereits bestehende Geografie globaler Wertschöpfung anbindet. Merz stellte die Transpazifische Partnerschaft (CPTPP) in den Mittelpunkt und verband das mit dem Gedanken, dass Liefer- und Produktionsketten heute nicht an Zollgrenzen haltmachen. Wenn Handelshemmnisse auf der Strecke zwischen Rohstoff, Fertigung und Absatz reduziert werden sollen, reicht aus seiner Sicht ein Flickenteppich aus Einzelabkommen nicht aus.
Technisch betrachtet ist die Idee „nicht nur bilateral, sondern strukturell“ vor allem ein Thema für die Aufteilung von Regeln entlang der Lieferkette: Zollabfertigung, Ursprungsnachweise, technische Standards und vertragliche Pflichten wirken in Unternehmen selten isoliert. Genau hier setzt die CPTPP-Logik an, die seit ihrer Gründung im Jahr 2018 darauf zielt, Handelshemmnisse abzubauen. Die Partnerschaft vereint zwölf Länder von fünf Kontinenten; in der Rede wurden unter anderem Kanada, Australien, Chile und Großbritannien genannt. Merz knüpfte daran die Erwartung, dass ein Abkommen zwischen EU und CPTPP eher die Realität „verflochtener“ Produktionsnetzwerke abbilden kann, weil sich Produktionsschritte über mehrere Staaten hinweg verteilen.
Für die marktwirtschaftliche Einordnung spielt die Größenordnung eine zentrale Rolle. Merz bezifferte die Mitgliedstaaten der CPTPP mit fast 600 Millionen Menschen, und argumentierte parallel, dass beide Seiten zusammen mehr als ein Drittel des Welthandels vereinen. Solche Größenordnungen sind nicht nur politisch anschlussfähig, sie wirken auch wie ein Taktgeber für Unternehmen: Wenn Märkte mit großer Kaufkraft und Produktionskapazität in einem gemeinsamen Regelwerk verhandelt werden, sinkt für Produzenten häufig der Aufwand, unterschiedliche Standards und Vertragsbedingungen in jedem Absatzland neu zu konfigurieren. Gleichzeitig bleibt der Weg dorthin komplex, weil das Verhandeln und Abschließen von Handelsabkommen nicht bei der Bundesregierung liegt, sondern bei der Europäischen Union.
Aus Brüsseler Perspektive ist deshalb wichtig, wer die Feder führt. Die Rede erinnerte daran, dass die 27 EU-Mitgliedstaaten gemeinsam etwa 480 Millionen Einwohner zählen und dass die EU-Instanzen die Abkommen verhandeln. Das ist für Unternehmen relevant, weil sich daraus ablesen lässt, wie sich Zuständigkeiten in der Praxis verteilen: Nationale Politiken können zwar Impulse setzen, die konkrete Ausgestaltung der Marktregeln erfolgt aber im EU-Verhandlungsrahmen. Auch Merz’ Forderung, Abkommen der EU mit einzelnen Ländern miteinander zu verknüpfen, passt in dieses Bild: Statt jedes Mal ein neues Regelset aufzubauen, sollen Schnittstellen und Abdeckung über mehrere Partner hinweg besser zusammenpassen.
Ein weiteres Ziel, das Merz ausdrücklich nannte, ist langfristig die Annäherung zwischen EU und ASEAN. Kurzfristig verwies er darauf, dass ASEAN elf Mitgliedstaaten in Asien mit zusammen fast 700 Millionen Einwohnern umfasst. Das ist politisch wie strategisch bedeutsam, weil ASEAN als regionale Struktur häufig als Brücke zwischen regionalen Wertschöpfungsräumen dient. Für die Industrie kann das bedeuten, dass nicht nur der Zugang zu einzelnen Absatzmärkten wichtiger wird, sondern auch die Planbarkeit für Produktionsstandorte in mehreren Ländern. Gleichzeitig zeigt die Abstufung in „CPTPP jetzt“ und „Asean langfristig“: Die Politik versucht, eine größere Verhandlungslogik aufzubauen, ohne den realen Verhandlungsdruck zu ignorieren.
Für Entscheider in Unternehmen ergibt sich daraus vor allem eine strategische Aufgabenstellung: Handelsverträge sind keine reine Außenhandelsfrage, sondern beeinflussen intern Kostenstrukturen, Compliance-Prozesse und die Planung von Lieferketten. Wenn ein mögliches EU-CPTPP-Abkommen künftig mit Regeln für verknüpfte Abkommen erweitert werden soll, lohnt sich eine frühzeitige Bewertung von Ursprungs- und Standardanforderungen entlang der eigenen Produktarchitektur. Praktisch heißt das: Unternehmen, die heute bereits in Asien produzieren oder Komponenten aus mehreren CPTPP- bzw. ASEAN-Staaten beziehen, sollten Szenarien durchspielen, wie sich Zoll- und Regelwerke ändern könnten, sobald ein gemeinsames Abkommensdesign greift. Merz’ Rede macht damit vor allem sichtbar, wie eng Wirtschaftspolitik und Technologie- bzw. Prozessplanung im globalen Handel inzwischen verzahnt sind.
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