KREMS / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim CPI Demo Day an der IMC Krems präsentierten zwei Studierende der USTP überzeugende Projekte mit starkem Praxisbezug. Julian Pecho zeigte die E-Sports-Plattform EsportEvents, die Echtzeit-Spieldaten per Künstlicher Intelligenz analysiert. Katharina Wurm stellte Tunimo vor, eine gamifizierte Musik-Lern-App für Kinder mit Fokus auf regelmäßiges Üben. Beide Projekte erhielten Tickets und Teilnahmeplätze, die von Wien bis in Workshops in Richtung Silicon Valley reichen.

Der Weg von der ersten Idee bis zur möglichen Unternehmensgründung ist an der USTP systematisch angelegt – und wird beim CPI Demo Day in Krems sichtbar, wenn Prototypen auf eine Jury treffen. Im Creative Pre-Incubator (CPI) bündelt die Hochschule konkrete Unterstützungsmaßnahmen, die von der frühen Konzeptphase bis zur Präsentationsreife reichen. Dass dieses Setup funktioniert, zeigte sich jüngst gleich doppelt: Zwei Studierende konnten sich mit ihren Vorhaben gegen die Konkurrenz durchsetzen und erhielten damit nicht nur Anerkennung, sondern auch Anschlussmöglichkeiten für Weiterbildung und Weiterentwicklung.
Im Mittelpunkt des ersten Projekts stand EsportEvents von Julian Pecho. Der Bachelor-Student im Bereich Data Science und Alumni aus Creative Computing setzt auf eine Plattform, die professionelle E-Sports-Übertragungen an einem zentralen Ort bündelt. Technisch greift dabei eine KI-basierte Auswertung von Echtzeit-Spieldaten an: Die Idee dahinter ist, aus laufenden Ereignissen Muster abzuleiten und daraus ein optimiertes Zuschauererlebnis abzuleiten. Entscheidend ist, dass die Anwendung nicht bei statischen Highlights stehen bleibt, sondern die Dynamik des Spiels in die Nutzererfahrung übersetzt – ein Ansatz, der je nach Datenqualität und Latenzanforderungen später auch für andere Live-Szenarien relevant werden kann.
Der konkrete Nutzen des CPI-Prozesses zeigt sich daran, wie die Jury den nächsten Schritt ermöglicht hat. Pecho gewann die Teilnahme an der Berkeley Method of Entrepreneurship Summer School in Berkeley im Silicon Valley. Für ein Team bedeutet das typischerweise vor allem Zugriff auf methodische Trainings rund um Geschäftsmodelle, Validierung und Pitch-Struktur – also genau die Lücke, die nach einer technischen Idee häufig übrig bleibt. Auch in der Jury-Logik wird das Thema sichtbar: Neben Expert*innen aus dem Umfeld des Landes Niederösterreich waren Innovationsplattformen sowie die Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich in San Francisco digital zugeschaltet. Damit trifft im CPI-Umfeld nicht nur Technik auf Bewertung, sondern auch die Frage, wie aus einem funktionierenden Demo ein tragfähiges Produkt werden kann.
Den zweiten Erfolg prägte Katharina Wurm mit ihrer Idee Tunimo, einer gamifizierten Musik-Lern-App für Kinder. Während EsportEvents die Live-Daten eines digitalen Spiels in ein besseres Event-Format überführt, setzt Tunimo auf ein Lernverhalten: regelmäßiges Üben. Die App folgt dabei einem pädagogisch motivierten Mechanismus, bei dem das Training spielerisch gestaltet wird und Lehrenden gleichzeitig die individuelle Begleitung der Schüler*innen ermöglicht wird. Für den Praxisbezug ist relevant, dass Musiklernen im Alltag häufig an Kontinuität scheitert – Tunimo adressiert genau dieses Problem, indem die Lernroutine mit spielerischen Elementen stabilisiert werden soll und damit auch die Grundlage für Feedbackzyklen schafft.
Wie stark der CPI nicht nur Ideen, sondern auch Mobilität in konkrete Programme übersetzt, zeigt Wurms weiteres Ergebnis: Für ihr Projekt erhielt sie ein Ticket für den Austrian Startups Summit in Wien. Dort ging es zusätzlich um einen Workshop mit der Tech-Designerin Gigi Wang aus dem Silicon Valley. Solche Formate sind vor allem für die Schnittstelle zwischen Produktentwicklung und Nutzererlebnis wichtig, weil Design in frühen Lern- oder Unterhaltungs-Apps oft über die tatsächliche Nutzungsdauer entscheidet. Genau diese Komponente – verständliche Interaktionsführung, altersgerechte Gamification-Mechaniken und ein didaktischer Aufbau – wird bei einem Musiklernprodukt deutlich, sobald die App im Alltag eingesetzt wird und nicht nur im Demo-Umfeld funktioniert.
Hinter den Erfolgen steht aber auch die organisatorische Architektur des CPI. Der Creative Pre-Incubator ist eine Kooperation niederösterreichischer Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften und des accent Inkubators. Laut Angaben wird das Programm bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt, unter anderem an der USTP, an der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems, an der Fachhochschule Wiener Neustadt sowie am FHWN Campus Wieselburg. Zusätzlich ist der CPI Teil der Spin-off-Initiative SCIENCE TO BUSINESS des Landes Niederösterreich. Damit erklärt sich auch, warum das Demo Day-Format mehr ist als eine Abschlussveranstaltung: Es ist ein Knotenpunkt zwischen Forschung, Ausbildung und der nächsten Stufe der Ausgründungs- oder Produktlogik.
Für die regionale und europäische Tech-Landschaft ist das mehr als ein einzelnes Studentenereignis. Die USTP verknüpft Lehre und angewandte Forschung eng, und die thematische Breite reicht in ihren Studienbereichen von Digitale Technologien und Informatik & KI bis hin zu Security. In diesem Kontext wirken Projekte wie EsportEvents und Tunimo wie Prototypen für zwei wachsende Anwendungsfelder: datengetriebene Optimierung von Live-Erlebnissen und personalisierte Lern-Apps, die mit Digitaltechnik auf reale Alltagsgewohnheiten zielen. Wenn solche Ideen im CPI-Umfeld früh mit Entrepreneurship-Methoden und externer Perspektive zusammenkommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer Demo tatsächlich ein Produkt wird, das sich an Nutzeranforderungen und Marktfeedback messen lassen muss.
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